Anna-Lena von Hodenberg
Anna-Lena Freiin von Hodenberg (* 1982)[1][2] ist eine deutsche Journalistin, Aktivistin und Sozialunternehmerin. Sie ist Mitbegründerin der gemeinnützigen GmbH HateAid, einer Organisation, die sich gegen digitale Gewalt und für Menschenrechte im Netz einsetzt. Während sie in Deutschland staatliche Auszeichnungen erhielt, ist sie seit Dezember 2025 von einem Einreiseverbot in die USA betroffen.[3]
Leben und Werdegang
Anna-Lena von Hodenberg entstammt dem Geschlecht derer von Hodenberg. Sie ist ausgebildete Fernsehjournalistin und war unter anderem für den NDR und RTL tätig.[4][5]
Ab 2015 arbeitete sie für Campact und war für Kampagnen gegen Rechtspopulismus und Rassismus verantwortlich.[5][6] Von Hodenberg initiierte die Kampagne „Hate Speech Stoppen“, in deren Mittelpunkt Strafverfolgung und Opferschutz auf Länderebene stehen. Von Hodenbergs Engagement führte dazu, dass Hessen als erstes Bundesland in ganz Deutschland im Koalitionsvertrag der 2019 gebildeten schwarz-grünen Landesregierung ein „Maßnahmenpaket gegen Hass im Netz“ festhielt.[6] Die Kampagne war speziell auf Hessen zugeschnitten. Sie klärte zur Systematik von Hate Speech auch in Politikerkreisen auf.[7]
Von Hodenberg schied im März 2021 als Mitglied einer Kommission zur Zukunft der hessischen Polizei aus, die helfen sollte, das nach den Skandalen hinsichtlich der Weitergabe von persönlichen Daten von Opfern des Terrornetzwerkes NSU 2.0 stark beschädigte Vertrauen wiederherzustellen. Laut offizieller Mitteilung waren „unterschiedliche Auffassungen über die Darstellung der Arbeitsweise der Kommission bei der Erstellung des Abschlussberichts“ der Grund für das Ausscheiden von Hodenbergs, ihre Expertise sei aber dennoch in den Bericht eingeflossen.[8]
HateAid
Von Hodenberg gründete 2018 gemeinsam mit Campact und dem Verein Fearless Democracy die HateAid gGmbH. Die seit 2023 durch von Hodenberg und Josephine Ballon gemeinsam geführte Organisation setzt sich nach eigenen Angaben für Menschenrechte im digitalen Raum ein und engagiert sich auf gesellschaftlicher wie politischer Ebene gegen digitale Gewalt und ihre Folgen.[9]
US-Sanktion
Im Dezember 2025 verhängte das Außenministerium der Vereinigten Staaten unter Bezugnahme auf eine neue Richtlinie gegen ausländische Akteure, die die US-Redefreiheit bedrohen würden, als Sanktion Einreiseverbote gegen Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon, die beiden Geschäftsführerinnen von HateAid.[10][11][12] Die US-Behörden begründeten die Einreiseverbote damit, dass die Betroffenen angeblich amerikanische Online-Plattformen dazu gedrängt hätten, „amerikanische Standpunkte zu zensieren“.[13] Vertreter der Bundesregierung und der EU übten heftige Kritik an den verhängten Sanktionen.[14]
Bestenlisten
2020 wurde sie von der Zeitschrift Focus als eine der „100 Frauen des Jahres 2020“ benannt. Ebenfalls 2020 war sie unter den 30 Finalistinnen für die Global Digital Women.[15][16] 2021 gehörte sie zu den „Capital Top 40 under 40“.[17]
Auszeichnungen
2020: Digital Female Leader Award 2022: Fellow der Non-Profit-Organisation Ashoka[18][4][5] 2024:Goldene Bild der Frau der Funke Mediengruppe[19] 2025: Bundesverdienstkreuz am Bande.[9]
Weblinks
- Anna-Lena von Hodenberg, Kurzbiografie bei HateAid. Abgerufen am 23. Oktober 2023.
- Artikelsammlung von Anna-Lena von Hodenberg auf dem Blog von Campact
Einzelnachweise
- ↑ Lichtblicke und Empfehlungen zum Jahreswechsel. Anna-Lena von Hodenberg, Geschäftsführerin von Hateaid. In: Tagesspiegel Background Digitalisierung & KI. 23. Dezember 2022, abgerufen am 29. Dezember 2022.
- ↑ Lobbyregistereintrag "HateAid gGmbH". Abgerufen am 24. Dezember 2025.
- ↑ Deutschlandfunk: USA verhängen Sanktionen gegen deutsche Aktivistinnen - Vorwurf der Zensur. 24. Dezember 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ a b „Eine Schmerzgrenze, die nicht mehr angemessen ist“ - Interview mit Anna-Lena von Hodenberg. In: Politik & Kommunikation. 8. Februar 2022, abgerufen am 29. Dezember 2022.
- ↑ a b c „Bewusstsein, dass das Internet das richtige Leben ist, ist bei vielen noch nicht da“. Beratungsstelle HateAid zu Hass im Netz. In: rbb24.de. 30. Mai 2022, archiviert vom ; abgerufen am 29. Dezember 2022.
- ↑ a b Anna-Lena von Hodenberg. In: blm.de (Bayerische Landeszentrale für neue Medien). Abgerufen am 1. August 2024.
- ↑ Campact im Portrait: Kampagne „Hate Speech im Netz stoppen“. In: Das Nettz. Abgerufen am 31. Dezember 2022.
- ↑ Pitt v. Bebenburg: NSU 2.0: „Unterschiedliche Auffassungen“ – Kommission von Beuth für Hessens Polizei schrumpft. In: Frankfurter Rundschau. 3. April 2021, abgerufen am 31. Dezember 2022.
- ↑ a b Pionierarbeit gegen digitale Gewalt: Bundesverdienstkreuz für Anna-Lena von Hodenberg. In: hateaid.org. 1. Oktober 2025, abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ USA sanktionieren Führung von deutscher Organisation HateAid. In: zeit.de. 24. Dezember 2025, abgerufen am 24. Dezember 2025.
- ↑ USA sanktionieren Führung von deutscher Organisation HateAid. In: spiegel.de. 24. Dezember 2025, abgerufen am 24. Dezember 2025.
- ↑ Announcement of Actions to Combat the Global Censorship-Industrial Complex. In: United States Department of State. Abgerufen am 24. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Fatima Hussein: US bars five Europeans it says pressured tech firms to censor American viewpoints online. In: apnews.com. 23. Dezember 2025, abgerufen am 31. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Scharfe Kritik an "inakzeptablen" US-Sanktionen gegen HateAid-Spitze. In: tagesschau.de. 24. Dezember 2025, abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Anna-Lena von Hodenberg. In: re:publica. republica GmbH, abgerufen am 1. August 2024.
- ↑ DFLA-Finalistinnen 2020. In: DFLA20 & Journey to Diversity. GDW Global Digital Women, abgerufen am 1. August 2024.
- ↑ Junge Elite 2021: Das sind die Top 40 unter 40. In: capital.de. Abgerufen am 29. Dezember 2022.
- ↑ Anna-Lena von Hodenberg | Ashoka | Everyone a Changemaker. In: ashoka.org. Abgerufen am 29. Dezember 2022.
- ↑ Preisträgerin Anna-Lena von Hodenberg:. In: Bild der Frau. 23. Juli 2024, abgerufen am 25. November 2024.