Anna-Göldi-Stiftung

Anna-Göldi-Stiftung
Rechtsform Stiftung[1]
Gründung 2007
Sitz Glarus, Schweiz Schweiz ()
Zweck Wahrung des Gedenkens an die 1782 in Glarus hingerichtete Anna Göldi
Präsidentin Veronika Britt
Website www.annagoeldi.ch

Die Anna Göldi-Stiftung[1] wurde 2007 auf Initiative von Journalist und Schriftsteller Walter Hauser (1957– 2022) zum 225-Jahre-Gedenken an die Sennwalder Magd Anna Göldi gegründet, die 1782 in Glarus einem Justizmord zum Opfer fiel. Die Stiftung ist Trägerin des Anna Göldi Museum und verleiht zweijährlich den Anna-Göldi-Menschenrechtspreis.[2]

Zweck und Ziele

Die Stiftung bezweckt die Wahrung des Gedenkens an die am 13. Juni 1782 hingerichtete Anna Göldi sowie die Erforschung der Hintergründe des Prozesses, der zu ihrer Verurteilung führte. Laut Eigendarstellung setzt sie sich zudem „für die Wahrung der Menschen- und Grundrechte ein und engagiert sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Willkür“. Sie bezweckt ferner die publizistische Unterstützung von diskriminierten Randgruppen und Minderheiten sowie von Opfern von Willkür und Menschenrechtsverletzungen.

Die Stiftung ist Besitzerin des Anna Göldi Museums in Glarus, Ennenda, welches 2017 eröffnet wurde und zu den bedeutendsten kulturellen Sehenswürdigkeiten der Schweiz gehört. Das Museum erinnert an das Schicksal der 1782 hingerichteten Magd und setzt ein wichtiges Zeichen für das Ringen um Menschenrechte bis zur heutigen Zeit.

Finanziell unterstützt wird die Stiftung von der Standortgemeinde Glarus, dem Kanton Glarus, dem Kanton Zug, dem Kanton St. Gallen, von Pro Helvetia sowie weiteren Gönnern und Sponsoren.

Organisation

Die Stiftung hat ihren Sitz im Kanton Glarus.[1] Die Stiftung verfolgt öffentliche und gemeinnützige Zwecke. Ihr oberstes Organ ist der Stiftungsrat. Die Stiftung verleiht alle zwei Jahre den Anna Göldi Menschenrechtspreis an Persönlichkeiten, die sich heute gegen Justiz- und Behördenwillkür einsetzen.

Stiftungsrat

  • Präsidentin: Veronika Britt, Rechtsanwältin, Finanzexpertin[3]
  • Nicole Billeter, Historikerin
  • Ursula Helg, Museumsleiterin
  • Susan Honegger, Sozialpädagogin, Künstlerin
  • Helen Thomas, Senior Researcher ETH Zürich, Architektin, Autorin, Verlegerin
  • Francesca Trento, Theologin und Journalistin

Ehrenmitglieder:

  • Peter Bertschinger (1943–2025), dipl. Ing. ETH
  • Peter Jenny, Prof. em. ETH Zürich
  • Elisabeth Kopp (1936–2023), Alt-Bundesrätin

Aktivitäten

Aufarbeitung und Rehabilitation

2007 stellte Walter Hauser sein Buch Der Justizmord an Anna Göldi vor. Bei seinen Recherchen war er auf zuvor unbekannte Originaldokumente gestossen. So konnte bewiesen werden, dass der Gerichtsschreiber Johann Melchior Kubli die geheimen Akten zwei deutschen Journalisten übergeben hatte, die den Fall publik machten. Die Bekanntmachung und die daraus resultierende Empörung führten letztlich mit dazu, dass Anna Göldi als letzte Hexe in Europa in die Geschichte einging. Hauser hatte mit seinem Buch die Rehabilitation angestossen.[4][5][6][7]

Anna Göldi-Gedenktag und Menschenrechtspreis

Die Anna Göldi-Stiftung will mit Gedenktag an das Unrecht erinnern, das Anna Göldi mit ihrer Hinrichtung am 13. Juni 1782 widerfahren ist. Der Gedenktag soll bewusst machen, dass auch in der heutigen Zeit noch viel Unrecht passiert.

  • 13. Juni 2007: Buchvorstellung Der Justizmord an Anna Göldi von Walter Hauser[8]
  • 13. Juni 2009: Verleihung des Anna Göldi-Menschenrechtspreis an Luzius Wildhaber, langjähriger Präsident des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Strassburg
  • 13. Juni 2010: Buchvorstellung Johann Melchior Kubli – Fürsprecher im Hexenhandel um Anna Göldi von Nicole Lieberherr
  • 18. Juni 2011: Verleihung des Anna Göldi-Menschenrechtspreises an Islamwissenschaftlerin Amira Hafner-Al Jabaji[9]
  • 13. Juni 2012: Gedenkveranstaltung im Zürcher Grossmünster
  • 13. Juni 2013: Führung zum einstigen Richtplatz
  • 13. Juni 2014: Einweihung des Anna Göldi-Mahnmals in Glarus[10]
  • 13. Juni 2015: Verleihung des Anna Göldi-Menschenrechtspreises an Menschenrechtsaktivistin Ursula Biondi und Journalist Turi Honegger[11]
  • 18. Juni 2016: Vorstellung Ausstellungskonzept Anna Göldi Museum
  • 24. Juni 2017: Öffentlicher Vortrag Johann Melchior Kubli, ein Wegbereiter der Menschenrechte von Nicole Lieberherr und Walter Hauser
  • 16. Juni 2018: Verleihung des Anna Göldi-Menschenrechtspreises an Schriftstellerin Mariella Mehr
  • 18. Juni 2019: Referat von IKRK-Präsident Peter Maurer über Krieg und sexuelle Gewalt
  • 13. Juni 2020: Verleihung des Anna Göldi-Menschenrechtspreises an den Verein Miteinander Valzeina
  • 12. Juni 2022: Buchvorstellung Lauter Frauen von Caroline Arni

Einzelnachweise

  1. a b c Eintrag der «Anna Göldi-Stiftung» im Handelsregister des Kantons Glarus (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  2. Anna-Göldi-Menschenrechtspreis
  3. Stiftungsrat. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  4. Anna Göldi – Die „letzte Hexe“ wird rehabilitiert. 20 Minuten vom 10. Juni 2008.
  5. Kanton Glarus Regierungsrat: Medienmitteilung betr. Rehabilitation Anna Göldi. (PDF) 15. Mai 2007, abgerufen am 22. Mai 2024.
  6. Kanton Glarus Staatskanzlei: Aus den Verhandlungen des Regierungsrates vom 10. Juni 2008. (PDF) 10. Juni 2008, abgerufen am 22. Mai 2024.
  7. Franz Kasperski: Letzte Hexe? – «Es wäre schlimm, Anna Göldi zu vergessen». In: srf.ch. 22. August 2017, abgerufen am 22. Mai 2024.
  8. Anna Göldis Geschichte bewegt die Massen. In: Die Südostschweiz. 15. Juni 2007, S. 7.
  9. Anna-Göldi-Preis 2011 geht an Islamwissenschaftlerin. In: Aargauer Zeitung. 2. Mai 2011, abgerufen am 22. Mai 2024.
  10. Ein Licht für die letzte Hexe In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Juni 2014.
  11. Mit dem Wort gegen Unrecht, nicht mit der Faust (Memento vom 25. Januar 2016 im Internet Archive), auf annagoeldi.ch.