Ankenreute (Adelsgeschlechter)

Ankenreute (auch Ankenreuter, Ankenreutter, Anckenreuth o. ä.) ist der Name von zwei erloschenen schwäbischen und einem erloschenen badischen Adelsgeschlecht.

Die schwäbischen und das badische Geschlecht wiederum sind zu unterscheiden von dem ebenfalls erloschenen kärntnerischen Adelsgeschlecht Ankenreutter.[1]

Ältere schwäbische Herren von Ankenreute

Geschichte

Die erste Erwähnung dieses älteren Geschlechts Ankenreute stammt aus dem Jahr 1181, in dem die Brüder Walther, Eberhard und Heinrich von Ankenreute urkundlich erscheinen.[2] Zwischen 1220 und 1225 schlossen die Brüder Hermann und Walther von Ankenreute einen Vergleich mit dem Kloster Weißenau. Sie hatten unrechtmäßigerweise von König Philipp von Schwaben den Zehnten zu Liebenhofen (Grünkraut) und ein Gut in Hinzistobel, heute ein Ortsteil von Ravensburg, zu Lehen angenommen. Gegen 30 Pfund Heller entsagten die Brüder allen Rechten und wurden von der über sie verhängten Exkommunikation durch den Propst zu Weißenau absolviert.[3] Familiensitz war damals die Burg Ankenreute im heutigen Oberankenreute in der Gemeinde Schlier. Sie waren Ministeriale des Kloster Weingarten. Im 14. Jahrhundert ging der dortige Besitz der Familie an das Kloster Weingarten über und die Familie zog sich nach Ravensburg zurück. Das Geschlecht war im Mittelalter in regionalen Machtstrukturen eingebunden und wird in mehreren regionalen Quellen als Familienverband erwähnt, der durch Heiratsverbindungen mit anderen Adelsfamilien verbunden war.[4]

Persönlichkeiten

  • Heinrich III. von Ankenreute, 1279–1284 Abt des Klosters Weißenau[5][6]
  • Johannes II. von Ankenreute, 1309–1348 Abt von Weißenau[6]
  • Heinrich von Ankenreute, 1331 Ammann[7]
  • Johann(es) von Ankenreute, 1338 Landamman in Oberschwaben (1356 ehemaliger Landamman); Bürger zu Ravensburg; verkaufte 1350 zusammen mit seiner Frau einen Hof zu Albisreute,[8][9] zweiter Ehemann der verwitweten Klara von Engertswiler (* 1320), die zuvor mit Frick I. Humpis († 1346) verheiratet war[10], sowie Stiefvater von Johannes (Henggi) Humpis († 1429), Agatha Humpis, Ital I. Humpis und Ursula Humpis. Ein Heinrich von Ankenreute wird in einer Urkunde von König Ruprecht von 1402 als Bruder des Henggi Humpis bezeichnet. Henggi wurde mit der Urkunde in die Gemeinschaft der Lehen der Kinder seines Halbbruders Heinrich eingesetzt.[11][12]

Wappen

Blasonierung: In Gold ein schwarzer aufrechtstehender Biber. Auf dem Helm der schwarze Biber.

Aufgrund der Wappenübereinstimmung vermutet die Literatur eine Stammesverwandtschaft der älteren Ankenreute mit den von Bibersee.[13][6][14]

Jüngere schwäbische Herren von Ankenreute

Geschichte

Ein zweites, jüngeres Geschlecht Ankenreute erscheint ab 1448.[6] Es gehörte zur Ravensburger Patriziergesellschaft Zum Esel. Clemens von Ankenreute machte 1448 eine Kaplaneistiftung zu Ravensburg und kaufte 1453 den Burgsitz Geratsreute. Derselbe erhielt am 10. Juli 1471 von Kaiser Friedrich III. einen Wappenbrief. In der entsprechenden Akte wird er als adelig geführt.[15] Magdalena Ankenreute heiratete 1549 Georg Rattold aus der mehreren Gesellschaft zu Augsburg. Mit dem Ravensburger Stadtamman Anton Ankenreute starb das Geschlecht 1578 aus.[2][8]

Persönlichkeiten

  • Clemens von Ankenreute, Ravensburger Patrizier und Mitgründer der Ankenreutegesellschaft[16]
  • Clement Ankenreute der Jüngere, 1536 Stadtammann in Ravensburg[17]
  • Anton Ankenreute († 1578), Ravensburger Stadtammann

Wappen

Blasonierung laut Diplom von 1471: In Silber eine rote Hand mit schwarzen Nägeln auf einem gestürzten goldenen Sparren, der beiderseits mit drei Rubinen besetzt ist. Auf dem Helm mit rot-silbernen Helmdecken die Hand auf Sparren zwischen einem offenen schwarzen Flug.

Wortwörtlich wird das Wappen in dem Wappenbrief von 1471 folgt blasoniert: „M. n. e. weiss schilt steende darinne von grund auf ein aufgerackte rote hannd mit swarczn negeln vnden mit einem gelben pram, geschickt in sparren weisse mit dem spicz vnder sich vnd an yeder seitten mit dreyen rubin verseczt, vnd den helme geziert mit einer roten vnd weissen helmdeckhn, darauf auch zwischen zweien swarczen flugen ein rot hannd geschickt als in dem schilt.[8]

Die Schwurhand aus dem Wappen ist u. a. im Wappen der Gemeinde Schlier eingearbeitet.

Badische Herren von Ankenreuth

Geschichte

Im badischen Breisgau findet sich von 1468 bis 1528 ein weiteres Geschlecht dieses Namens. Die Literatur führt den Namen auf den Ort Ankenreute, einem Weiler in Gaisbeuren, heute ein Stadtteil von Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg, zurück.[6]

Zur Familie zählt u. a. Ulrich Ankelrüter, der 1468 nach dem erblosen Absterben des Ritters Bernhart Snewlin im Hof von Herzog Sigmund von Österreich Zinsgüter zu Merdingen, Aufhausen, Haslach, Sölden und Weitenau empfing. 1497 reversiert Ulrich Ankenreuter die Lehen, die zuvor sein verstorbener Bruder Friedrich Ankenreuth innehatte. Gilg Ulrich von Ankenreuth wurde 1520 belehnt. Nach seinem Tod 1528 fielen die Lehen an den Landesherrn heim.[6]

Wappen

Blasonierung: In Rot ein silberner Sperschuh (oder Lanzenspitze, Feuerhaken). Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Sperschuh zwischen zwei roten Flügeln.[6]

Nach Siegeln von 1468, 1497 und 1520 ist das Wappen der badischen Ankenreutt vollkommen identisch mit dem Wappen der oberfränkischen uradeligen Nanckenreuth. Tatsächlich zeigt ein 1520er Siegel von Gilg Ulrich von Ankenreut das Kürzel „G. V. N.“ für Gilg von Nanckenreuth. Daher nimmt die Literatur an, dass die Ankenreuth ein Zweig der Nanckenreuth sind.[6] Das Wappen der badischen Ankenreuth ist auf einem Schlussstein der Barockkirche St. Cyriak im Freiburger Stadtteil Lehen zu finden.

Literatur

Commons: Ankenreute – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 1, Friedrich Voigt’s Buchhandlung, Leipzig 1859, S. 86 (Google Bücher).
  2. a b M. Grimm: Versuch einer Geschichte des ehemaligen Reichsfleckens und des jetzt noch so berühmten Wallfahrtsortes Altdorf, gen. Weingarten, nebst seiner Umgebung. Ravensburg 1864, S. 214 (google.de [abgerufen am 8. Oktober 2025]).
  3. Hafner (1887), S. 28.
  4. Genealogische Forschungen im Archiv der Stadt Ravensburg
  5. Franz-Karl: Prämonstratenserabtei Weissenau. 10. November 2018, abgerufen am 8. Oktober 2025.
  6. a b c d e f g h Seyler (1911), S. 149.
  7. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 515 I U 2190, abgerufen am 10. Oktober 2025.
  8. a b c Seyler (1911), S. 2.
  9. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 515 I U 381, abgerufen am 10. Oktober 2025.
  10. Die Familie Humpis aus Ravensburg. In: genealogy.net. Verein für Computergenealogie, abgerufen am 8. Oktober 2025.
  11. Joseph Chmel: Regesta chronologico-diplomatica Ruperti regis Romanorum, Frankfurt/Main 1834, S. 74, Nr. 1294 (digitale-sammlungen.de).
  12. Aloys Schulte: Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien mit Ausschluss von Venedig. Band I, Leipzig 1900, S. 627 (Google Bücher). Schulte leitet an selber Stelle aus dieser Tatsache fälschlicherweise die Vermutung ab, dass man den zu den patrizischen jüngeren Herren von Ankenreute gehörenden Clemens von Ankenreute „trotz Verschiedenheit der Namen und Wappen“ als einen Humpis ansehen müsse. Richtig ist, dass Heinrich und Henggi Halbbrüder waren. Sie hatten mit Klara von Engertswiler dieselbe Mutter.
  13. Alberti (1889), S. 21.
  14. Zu den von Bibersee siehe: Gustav Adelbert Seyler: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 2. Abt.: Abgestorbener Württemberger Adel, Nürnberg 1911, S. 80 (uni-goettingen.de) und Tfl. 47 (uni-goettingen.de).
  15. AT-OeStA/AVA Adel RAA 8.38
  16. Bernd Hanslmeier: Die Humpis Linie Ravensburg. In: vonHumpis.eu. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
  17. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 515 I U 1998, abgerufen am 10. Oktober 2025.