Aniela Cukier
Aniela Cukier (* 1. Oktober 1900 in Warschau; † 3. April 1944 ebenda) war eine polnische jüdische Künstlerin der Zwischenkriegszeit, die als Malerin, Grafikerin, Illustratorin und Schriftstellerin tätig war.
Werdegang
Aniela Cukier entstammte einer assimilierten jüdischen Familie in Warschau. Sie studierte Malerei an der Privatschule für Malerei und Zeichnen bei Konrad Krzyżanowski und Adam Rychtarski und setzte ihr Studium ab 1923 an der Akademie der Bildenden Künste Warschau in den Klassen von Mieczysław Kotarbiński, Tadeusz Pruszkowski, Wojciech Jastrzębowski und Edward Czerwiński fort. 1931 schloss sie ihr Studium mit Diplom ab.[1] Außerdem studierte sie Grafik in den Ateliers von Edmund Czerwiński und Ludwik Gardowski. Während des Studiums nahm sie an Plein-air-Werkstätten in Kazimierz Dolny teil und verbrachte 1934 ein Jahr in der Künstlerkolonie in Kremenez in der Wolhynien-Region.[2]
Aniela Cukier war Mitglied der Vereinigung Polnischer Grafiker und im Verband der Polnischen Bildenden Künstler (Związek Polskich Artystów Plastyków). Bis zum Zweiten Weltkrieg konnte sie künstlerisch tätig sein. Nach der deutschen Besetzung Polens blieb sie in Warschau. Um dem Holocaust zu entgehen, tauchte sie mit gefälschten Dokumenten, die sie als arisch auswiesen, unter.[2] Sie starb am 3. April 1944 geistig und körperlich erschöpft vom Leben im Versteck durch Suizid.[1][2]
Künstlerisches Schaffen
Aniela Cukier war als Malerin, Grafikerin, Illustratorin und Autorin tätig. Sie schuf Zeichnungen und Aquarelle, entwarf Glasfenster, arbeitete als Kunstkritikerin und veröffentlichte Artikel in der polnischen Zeitschrift „Arkady“, doch ihre Druckgrafiken machten den größten Teil ihres Oeuvres aus.[1][2]
Nach 1931 beschäftigte sie sich fast ausschließlich mit Grafik. Sie gestaltete farbige Holzschnitte, indem sie zwei oder drei Druckstöcke verwendete, die sie häufig mit Aquarell-Farben bemalte. Zu ihren bevorzugten Sujets gehörten Stadtansichten, die sie einerseits realistisch dargestellt malte oder „imaginär durch Vereinfachung der Formen, verkürzte Perspektive und ein von den Gegenstandsfarben losgelöstes Kolorit“.[2] Diese fasste sie in Serien wie „Warschauer Landschaften“ (1933–1938), „Gärten“ (1935–1936) und „Malerische Städte“ (1937–1938) zusammen.[1][2]
Der größte Teil von Aniela Cukiers Arbeiten ging während des Warschauer Aufstands verloren.[1][2] Erhaltene Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen der Akademie der Bildenden Künste Warschau, der Polnischen Nationalbibliothek, im Kupferstichkabinett der Universitätsbibliothek Warschau, im Nationalmuseum Warschau und im Jüdischen Historischen Institut.
Ausstellungen (Auswahl)
Aniela Cukier stellte regelmäßig im „Instytut Propagandy Sztuki“ aus, eine in den Jahren 1930 bis 1939 in Warschau tätige Kulturinstitution, die auf Initiative von Künstlern und Kunsthistorikern gegründet wurde, um die polnische moderne Kunst zu fördern.
- 1933: Erste Internationale Holzschnittausstellung im „Instytut Propagandy Sztuki“ (Institut zur Förderung der Kunst), Warschau
- 1934: Ausstellung mit Maria Obrębska in der Zweigstelle des „Instytut Propagandy Sztuki“ in Łódź
- 1936: Zweite Internationale Holzschnittausstellung im „Instytut Propagandy Sztuki“, Warschau
- 1937: Les femmes artistes d'Europe. Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris
- 1938: Ausstellung von Aniela Cukierówna, Julia Keilowa, Antoni Kudła, Czesław Rzepiński und Wacław Taranczewski im „Instytut Propagandy Sztuki“, Warschau
- 1939: Świat kobiety. Gebäude der Bürgerressource, Warschau
- 1963: Aniela Cukierówna (1900–1944). Grafiken, Aquarelle. Galeria Zachęta, Warschau[2]
Literatur
- Urszula Makowska-Pietkiewicz: Cukierówna, Aniela. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 23, Saur, München u. a. 1999, ISBN 3-598-22763-9, S. 53.