Anicet Mascaró i Cos
Anicet Mascaró i Cos (* 1842 in Lladó; † 25. April 1906 in Lissabon) war ein spanischer Augenarzt und Blindenpädagoge.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Er entstammte einer alteingesessenen katalanischen Ärztefamilie und wurde 1842 als Sohn von Silvestre Mascaró Cros und dessen Ehefrau Maria Llúcia Cos im Dorf Lladó in der nordostspanischen Region Alt Empordà geboren. Sein Vater arbeitete als Chirurg im etwa 15 Kilometer westlich gelegenen Argelaguer. Bereits als Kind assistierte Anicet ihm bei Operationen[1] und 1857 immatrikulierte er sich selbst für ein Medizinstudium an der Universität Barcelona. Zeitweise hing die Fortführung des Studiums am seidenen Faden, denn er wurde vor ein Disziplinargericht beordert, nachdem er sich über den Ablauf des Unterrichts beschwert hatte. Ein an Pascual Madoz, den Stadtgouverneur Barcelonas, gerichtetes Gnadengesuch hatte allerdings Erfolg.[1] Angesichts einer Choleraepidemie verwendete man Mascaró dann noch während seines Studiums 1865 als Seuchenarzt in Barcelona. Schließlich wurde er 1868 in Madrid promoviert. Um sich auf Augenheilkunde zu spezialisieren, verbrachte er anschließend einige Zeit für Fortbildungen in Paris und Berlin.
Berufliche Karriere
Seinen Einstieg ins Berufsleben fand Mascaró, als er eine Arztpraxis in Valencia eröffnete. Der dortige Erfolg veranlasste ihn schon bald, eine zweite Praxis in Barcelona zu betreiben. Auf Anraten seines Freundes Eduardo Domínguez, der auf den Kanarischen Inseln lebte, zog er zeitweise nach Las Palmas de Gran Canaria. Anschließend praktizierte er etwa drei Jahre in Sevilla. Seine augenchirurgischen Leistungen brachten ihm überall viel Anerkennung ein.[1][2]
Schließlich ließ er sich 1870 in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon nieder, wo er bis an sein Lebensende wohnen und arbeiten sollte. Dort gründete er noch im gleichen Jahr die „Clinica de enfermedades de los ojos y quirúrgicas“ (de.: „Klinik für Augenkrankheiten und chirurgische Eingriffe“; auch als „Mascaró-Institut“ bekannt). Innerhalb weniger Jahre erarbeitete er sich als deren Leiter einen Ruf als einer der renommiertesten Fachärzte Portugals. Da er finanziell abgesichert war, arbeitete er zumeist pro bono und kümmerte sich besonders um ärmere Patienten.[2][3] Im Laufe seiner Karriere unternahm Mascaró auch einige Dienstreisen nach New York City und nach Brasilien, um dort chirurgische Eingriffe durchzuführen. Bei diesen Gelegenheiten gründete er in den brasilianischen Bundesstaaten Pernambuco und Rio de Janeiro Augenkliniken. Zunehmend rückten in den 1890er Jahren auch die Blinden- und Sehbehindertenhilfe und insbesondere die Blindenpädagogik in seinen Fokus. Im Jahr 1898 gründete er in seinem Privathaus das „Instituto Médico-Pedagógico para Cegos“ (de.: „Medizinisch-pädagogisches Institut für Blinde“) und begann noch im gleichen Jahr, die wissenschaftliche Fachzeitschrift Revista Mascaró para Cegos e Videntes zu publizieren. Darüber hinaus entwickelte er eine Blindenschrift[2] und wandte eine musikalische Lesemethode für Blinde an.[1] Abseits seines medizinischen Wirkens trat Mascaró auch als philanthropischer Mäzen in Erscheinung. So war es beispielsweise seinen Spenden zu verdanken, dass sein Heimatdorf Lladó Ende des 19. Jahrhunderts über eine sehr gut ausgestattete Schule verfügte.[1]
Mascaró starb im April 1906 plötzlich und unerwartet: Er nahm am 15. Internationalen Medizinischen Kongress in Lissabon teil und hielt am vorletzten Tag der Veranstaltung gerade einen Vortrag, als er zunächst begann, seine Worte zu wiederholen, dann immer undeutlicher sprach und bald darauf bewusstlos zusammensackte.[4] Der zu Hilfe eilende britische Mediziner Dyce Duckworth (1840–1928) diagnostizierte eine schwere Hirnblutung[5][4] und Mascaró wurde umgehend ins São-José-Krankenhaus transportiert. Er erlangte das Bewusstsein allerdings nicht wieder und erlag seinem Leiden noch am selben Tag.[6][2] Sein Tod wurde in der internationalen Fachpresse mit großem Bedauern aufgenommen.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Biographische Informationen zu Anicet Mascaró i Cos. Abgerufen auf galeriametges.cat (Website mit Biographien berühmter katalanischer Mediziner, betrieben von der Standesvertretung Col·legi Oficial de Metges de Barcelona) am 12. Januar 2026.
- ↑ a b c d Tagesgeschichtliche Notizen. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Jahrgang 53, № 19, 8. Mai 1906, Seite 951.
- ↑ The Medical Age. Band 24, 1906, Seite 499.
- ↑ a b The Fifteenth International Medical Congress. British Medical Journal. Heft 2366, 5. Mai 1906, Seite 1052.
- ↑ Medical News. In: The Journal of the American Medical Association. Jahrgang 46, № 20, 19. Mai 1906, Seite 1539.
- ↑ The Ophthalmic Yearbook. Band 4, 1907, Seite 13.