Angriff auf die Botschaft Aserbaidschans in Teheran

Die Attacke auf die Botschaft Aserbaidschans in Teheran war ein bewaffneter Angriff auf die diplomatische Vertretung der Republik Aserbaidschan, der sich am 27. Januar 2023 ereignete. Ein Botschaftsmitarbeiter kam ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Der Vorfall sorgte vorübergehend für diplomatische Spannungen zwischen Aserbaidschan und dem Iran.

Hintergrundgeschichte

Das Verhältnis zwischen Aserbaidschan und dem Iran gilt seit 1991 als angespannt. Nach dem Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien um Bergkarabach im Jahr 2020 verschärften sich die Beziehungen zusehends. Die auffallend proarmenische Haltung Irans während des Krieges warf bei vielen Aserbaidschanern Fragen auf und führte zu Skepsis und Verunsicherung gegenüber Teheran. Die Waffenlieferungen nach Jerewan waren dabei ein ganz großer Streitpunkt, der in Aserbaidschan eine große Entrüstungswelle auslöste.[1] Dies fügte dem über Jahre hinweg gepflegten Image Irans in Aserbaidschan erheblichen Schaden zu.

Nach dem Krieg 2020 stellte sich der Iran gegen bestimmte Abmachungen der Friedensagenda zwischen Armenien und Aserbaidschan – insbesondere gegen die Eröffnung des sogenannten Sangesur-Korridors. Dieser sieht die Wiedereröffnung der Kommunikationswege zwischen Baku und Jerewan unter Umgehung des iranischen Territoriums vor.[2]

Im Oktober 2022 führte der Iran erstmals groß angelegte Militärübungen an der Grenze zu Aserbaidschan durch – die ersten Manöver dieser Art überhaupt, was wiederum in Baku als Drohung wahrgenommen wurde. Das Mullah-Regime warf Aserbaidschan vor, angeblich separatistische Strömungen unter den Millionen Aserbaidschanern – der größten ethnischen Minderheit des Landes – zu schüren und ein geheimes Bündnis mit Israel geschmiedet zu haben.[3]

Überfall

Am 27. Januar 2023 stürmte der iranische Staatsbürger Jasin Husseinzadeh, der als Einzeltäter handelte, um 8. Uhr Ortszeit mit einem Kalaschnikow-Gewehr das Botschaftsgebäude. Mit einem Fahrzeug rammte er ein geparktes Auto, das einem Botschaftsmitarbeiter gehörte, passierte anschließend den iranischen Sicherheitsposten, der nicht versuchte, ihn aufzuhalten und drang in das Botschaftsgebäude ein. Bei der anschließenden Schießerei tötete er den Sicherheitschef der Botschaft Orchan Askarow und verletzte zwei Weitere schwer. Einem dieser Verletzten ist es am Ende gelungen, den Angreifer zu überwältigen.[4]

Reaktionen

Unmittelbar nach dem Angriff wurde kein Motiv genannt. Aserbaidschans Präsident Ilham Əliyev bezeichnete den Vorfall als einen „terroristischen Akt“.[5] Iranische Offizielle erklärten, sie hätten keine politischen Beweggründe für den Angriff festgestellt und kündigten die Einleitung einer Untersuchung an. Auch Aserbaidschan leitete eigene Ermittlungen ein. Der Angreifer Husseinzadeh ergab sich nach der Tat der eingetroffenen Polizei. Er gab zu, die Attacke von langer Hand geplant zu haben.[6]

Der Fall sorgte für einen diplomatischen Eklat zwischen beiden Ländern. Drei Tage nach der Attacke wurden alle Mitarbeiter der aserbaidschanischen Botschaft in Teheran evakuiert und der Betrieb bis auf Weiteres eingestellt. Der iranische Botschafter in Baku, Seyyed Abbas Mousavi, wurde ins aserbaidschanische Außenministerium einbestellt und eine Protestnote überreicht. In einer Erklärung des Außenministeriums wurde den Bürgern Aserbaidschans empfohlen, von Reisen in den Iran abzusehen.[7]

Die iranischen Offiziellen, unter anderem Präsident Ebrahim Raisi und Außenminister Hossein Amir-Abdollahian, riefen dazu auf, den Vorfall nicht zu politisieren und das Verhältnis zwischen Aserbaidschan und dem Iran nicht weiter zu belasten. In mehreren mehrheitlich aserbaidschanisch bewohnten Städten Irans (Täbris, Ardabil, Urmia etc.) gingen die Menschen auf die Straße. Sie machten den Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) für den Vorfall verantwortlich und forderten die internationale Gemeinschaft auf, den IRGC als terroristische Organisation anzuerkennen.

International erfuhr Aserbaidschan breite Solidarität. Israel, die Türkei, die Ukraine, Saudi-Arabien, Ägypten, aber auch viele EU-Staaten (Ungarn, Kroatien, Slowakei, Estland etc.) und die USA verurteilten die Attacke und reifen den Iran dazu auf, das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen zu respektieren.[8]

Einzelnachweise

  1. Распространены кадры переброски оружия из Ирана в Армению. In: report.az. 30. September 2020, abgerufen am 30. Mai 2025 (russisch).
  2. Азербайджан и Иран: на тропе войны? In: Jam News. 31. Januar 2023, abgerufen am 30. Mai 2025 (russisch).
  3. One person dies in attack on Azerbaijan’s embassy in Iran. In: Al Jazeera. 27. Januar 2023, abgerufen am 30. Mai 2025 (englisch).
  4. Cora Engelbrecht: Gunman Attacks Azerbaijan Embassy in Tehran, Killing the Head of Security. In: The New York Times. 27. Januar 2023, abgerufen am 30. Mai 2025 (englisch).
  5. Президент Ильхам Алиев: Нападение на наше посольство было преднамеренным, организованным террористическим актом с целью убийства наших дипломатов и членов их семей. In: trend.az. 3. Mai 2023, abgerufen am 30. Mai 2025 (russisch).
  6. One killed, two injured in attack on Azeri embassy (+VIDEO). In: Mehr News Agency. 27. Januar 2023, abgerufen am 30. Mai 2025 (englisch).
  7. Azerbaijani MFA warns citizens planning trip to Iran. In: AzTV. 31. Januar 2023, abgerufen am 30. Mai 2025 (englisch).
  8. Condemning the Attack on the Azerbaijani Embassy in Tehran. In: U.S. Embassy in Azerbaijan. 27. Januar 2023, abgerufen am 30. Mai 2025 (egnlisch).