Angara-Airlines-Flug 9007
| Angara-Airlines-Flug 9007 | |
|---|---|
|
RA-47302, die verunglückte Antonow An-24RW, fotografiert am Flughafen Nowosibirsk-Tolmatschowo am 11. Februar 2011. | |
| Unfall-Zusammenfassung | |
| Unfallart | Notwasserung |
| Ort | Ob, nahe Streschewoi |
| Datum | 11. Juli 2011 |
| Todesopfer | 7 |
| Überlebende | 30 |
| Verletzte | 19 |
| Luftfahrzeug | |
| Luftfahrzeugtyp | Antonow An-24RW |
| Betreiber | Angara Airlines |
| Kennzeichen | RA-47302 |
| Abflughafen | Flughafen Tomsk, Tomsk, Russland |
| Zielflughafen | Flughafen Surgut, Surgut, Russland |
| Passagiere | 33 |
| Besatzung | 4 |
| → Listen von Luftfahrt-Zwischenfällen | |
Der Angara-Airlines-Flug 9007 war ein von der russischen Angara Airlines am 11. Juli 2011 durchgeführter Linienflug vom Flughafen Tomsk zum Flughafen Surgut. Während des Flugs geriet das linke Triebwerk der Antonow An-24RW in Brand und konnte nicht gelöscht werden, weshalb der Kapitän sich zu einer Notwasserung auf dem Ob entschied. Bei der Landung im Fluss brach die Maschine auseinander, wobei sieben der 37 Insassen starben.
Flugzeug
Bei der verunfallten Maschine handelt es sich um eine An-24RW mit dem Luftfahrzeugkennzeichen RA-47302 und der Werknummer 57310302. Am 19. Juni 1975 wurde die An-24 ursprünglich als CCCP-47302 an Aeroflot ausgeliefert und von dieser bis 1992 genutzt, bevor sie am 30. Juni 1992 als RA-47302 von Baikal Airlines übernommen wurde. Ab dem 26. Februar 2007 flog die Maschine für Angara Airlines, die sie bis zum Zeitpunkt des Unfalls nutzte. Insgesamt hatte die RA-47302 48.489 Flugstunden auf 32.783 Flügen absolviert. Angetrieben wurde sie von zwei Turboproptriebwerken vom Typ Iwtschenko AI-24WT.[1][2]
Besatzung
Der Flugkapitän war zum Zeitpunkt des Unfalls 48 Jahre alt und hatte insgesamt 4570 Flugstunden absolviert, 4064 Stunden davon auf der An-24. Er war der Pilot Flying.
Der Pilot Monitoring war der 53-jährige Erste Offizier, der insgesamt 9476 Flugstunden gesammelt hatte, davon 5100 Stunden auf der An-24.
Der 47 Jahre alte Flugingenieur hatte 9197 Flugstunden, davon alle auf der An-24, vorzuweisen.[3]
Flugverlauf
Um 10:10 Uhr Ortszeit (UTC+7) startete die An-24 am Flughafen Tomsk. Gegen 11:36 Uhr erhielten die Piloten eine Warnung über Metallspäne im Ölsystem des linken Triebwerks, dennoch setzten sie den Flug fort, da die Triebwerksparameter keine Anomalien für das linke Triebwerk aufwiesen. Gegen 11:44 vernahm der Flugkapitän einen Brandgeruch im Cockpit, woraufhin die Cockpitbesatzung die Leistung des linken Triebwerks reduzierte und entschied den Ausweichflughafen nahe Nischnewartowsk anzufliegen. Das Flugzeug verließ die Reiseflughöhe von 6000 Metern und sank auf 4800 Meter. Währenddessen sank der Öldruck im linken Triebwerk rapide auf 3,5 kg/cm². Der Flugingenieur schlug dem Flugkapitän daraufhin vor, das linke Triebwerk abzustellen, was dieser allerdings ablehnte. Um 11:49 Uhr erhielt die Cockpitbesatzung die Freigabe zum Sinkflug auf 1800 Meter. Drei Minuten später traten starke Vibrationen ausgehend vom linken Triebwerk auf, hinzukommend fiel der Öldruck auf 0 kg/cm², sodass der Flugingenieur auf Anweisung des Flugkapitäns das Triebwerk abschaltete und den Propeller in Segelstellung brachte. Als der Flugkapitän die Segelstellung visuell überprüfen wollte, entdeckte er Flammen im Bereich der Triebwerksgondel. Etwa zeitgleich ertönte der Feueralarm im Cockpit. Der Flugkapitän ordnete die Betätigung der Feuerlöschanlage an, jedoch gelang es nicht, den Triebwerksbrand zu löschen. Um 11:53 Uhr meldete die Cockpitbesatzung den Triebwerksbrand an die Flugsicherung. Da der Flughafen Nischnewartowsk noch mehr als 60 Kilometer entfernt war und ein zweiter Löschversuch ebenfalls fehlschlug, entschied sich der Flugkapitän für einen sofortigen Notsinkflug und einer Notwasserung auf dem Ob. Die An-24 setzte um 11:56 Uhr mit einer Geschwindigkeit von 240 km/h erfolgreich auf dem Ob auf, kollidierte dann allerdings mit einem Hindernis unter der Wasseroberfläche, wodurch das Heck abgerissen und die Passagierkabine teilweise geflutet wurde. Bei dem Unfall kamen sieben Passagiere ums Leben, weitere 18 Passagiere sowie ein Besatzungsmitglied wurden verletzt.[2][3][4]
Unfalluntersuchung
Der Unfall wurde durch das Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee (МАК) untersucht. Die Flugdatenschreiber konnten am Tag nach dem Unfall geborgen und am 17. Juli erfolgreich ausgelesen werden.
Das West Siberian Transportation Prosecution Office teilte am 17. August 2011 mit, dass die von Angara Airlines an der Unfallmaschine durchgeführten Wartungsarbeiten gegen russisches Gesetz verstoßen hätten. Gegen zwei Mitarbeiter der Fluggesellschaft wurden daraufhin Ermittlungen eingeleitet.
Im Dezember 2013 veröffentlichte das МАК seinen Abschlussbericht, der das Feuer im linken Triebwerk auf ein defektes Wälzlager des Kompressors zurückführt. Die Ursache für den Defekt konnte aufgrund der schweren Schäden am Wälzlager jedoch nicht mehr ermittelt werden.
Des Weiteren kritisiert der Untersuchungsbericht die Cockpitbesatzung für das späte Abschalten des linken Triebwerks, das die Entstehung des nicht mehr kontrollierbaren Feuers maßgeblich begünstigt hatte, sowie die verspäteten Löschversuche.[3][4]
Einzelnachweise
- ↑ Betreiber der An-24RW RA-47302 auf onespotter.com (englisch), abgerufen am 23. September 2025.
- ↑ a b Flugunfalldaten und -bericht Antonow An-24RW RA-47302 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ a b c Flugunfall der An-24RW RA-47302 auf The Aviation Herald (englisch), abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ a b Abschlussbericht des МАК (russisch), abgerufen am 24. September 2025.