Andrzej Poczobut
Andrzej Poczobut (belarussisch Андрэй Пачобут, Andrej Patschobut; * 16. April 1973 in Wjalikaja Berastawiza, Belarussische SSR, Sowjetunion) ist ein belarussischer Journalist und politischer Aktivist, der der polnischsprachigen Minderheit in Belarus angehört. Poczobut wurde unter anderem vom Menschenrechtszentrum Wjasna und Amnesty International als politischer Gefangener eingestuft.[1]
Leben
Poczobut studierte bis 1998 Rechtswissenschaft und arbeitete anschließend als Dozent. Nebenbei schrieb er vermehrt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften in belarussischer, polnischer und russischer Sprache, so zum Beispiel für Dień, Pahonia, Narodnaja Wolja und Głos znad Niemna. 2011 arbeitete er zudem für die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza und war Chefredakteur des in Belarus erscheinenden Magazyn Polski.
Poczobut zählte zu den führenden Mitgliedern des Bundes der Polen in Belarus und engagierte sich für die Rechte von Minderheiten sowie gegen die Zentralisation in Belarus.
Pozcobut lebte mit seiner Ehefrau sowie seiner Tochter und seinem Sohn in Hrodna an der Grenze zu Polen.
Verhaftungen und deren Folgen
Ende 2010 und erneut Anfang 2011 wurde Poczobut von der belarussischen Miliz verhaftet. Ihm wurde unter anderem die „Teilnahme an einer nicht genehmigten Protestveranstaltung“ vorgeworfen. In der ersten Gerichtsverhandlung erhielt er eine Geldstrafe, die zweite endete mit 15 Tagen Haft. Poczobuts Einwände, er habe als Journalist den betreffenden Veranstaltungen beigewohnt, halfen nicht. Seine Wohnung wurde durchsucht, Computer und andere Unterlagen wurden beschlagnahmt.
Gegen die Haft Poczobuts protestierte der damalige Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek. Daneben wandten sich andere Institutionen wie Amnesty International und das Komitee zum Schutz von Journalisten gegen das Gerichtsurteil. Poczubuts Zulassung als Journalist wurde ihm von den belarussischen Behörden entzogen und zugleich der Gang ins Exil nach Warschau nahegelegt, den er jedoch ablehnte.[2]
Am 25. März 2021 wurde Poczobut erneut festgenommen, woraufhin der Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell die Verhaftung verurteilte.[3] Nach fast zwei Jahren Untersuchungshaft wurde Poczobut am 8. Februar 2023 schließlich zu acht Jahren regulärer Haft mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen verurteilt.[4]
Poczobut blieb trotz mehrerer Gefangenaustausche bzw. Freilassungen mit dem Ziel von Sanktionserleichterungen weiter in Haft. Die deshalb kritisierte polnische Regierung verlautbarte Ende 2025, sie verhandle nach wie vor mit dem Regime in Minsk um eine Befreiung Poczobuts.[5]
Ehrung
Poczobut wurde am 22. Oktober 2025 der Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments zuerkannt. Er ist mit 50.000 Euro dotiert und wurde am 16. Dezember in Straßburg verliehen.[6][7] Am polnischen Nationalfeiertag (11. Nov.) 2025 wurde er von Präsident Nawrocki mit dem Weißen Adlerorden ausgezeichnet.[8]
Veröffentlichungen
- System Białoruś, Gliwice 2013, Polen, ISBN 978-83-246-7321-6.
Weblinks
- Blog des Journalisten in weißrussischer Sprache
- Komitee zum Schutz von Journalisten
- Andrzej Poczobuts Seite auf der Website von Wjasna
Einzelnachweise
- ↑ Andrzej Poczobut więźniem sumienia Amnesty International. Amnesty International, 15. April 2011, archiviert vom am 19. April 2011; abgerufen am 25. April 2011 (polnisch).
- ↑ Ich wurde für die Wahrheit verurteilt in. FAZ vom 11. August 2011, S. 33.
- ↑ EU Demands Immediate Release Of Andżelika Borys, Andrzej Poczobut, All Political Prisoners. Charta 97, 25. März 2021, abgerufen am 25. März 2021 (englisch).
- ↑ Gerhard Gnauck: „Wir werden unseren Sohn nicht wiedersehen“. FAZ, 9. Februar 2023.
- ↑ Białoruś uwalnia 123 osoby, w tym Polaka. Andrzej Poczobut nadal w kolonii karnej. 13. Dezember 2025, abgerufen am 13. Dezember 2025 (polnisch).
- ↑ Eric Voigt, AFP, epd Evangelische Pressedienst: Menschenrechtspreis: EU-Parlament ehrt zwei inhaftierte Journalisten mit Sacharow-Preis. In: Die Zeit. 16. Dezember 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. Dezember 2025]).
- ↑ Sacharow-Preis geht an zwei inhaftierte Journalisten. In: orf.at. 22. Oktober 2025, abgerufen am 22. Oktober 2025.
- ↑ Andrzej Poczobut i Waldemar Łysiak odznaczeni Orderami Orła Białego. Abgerufen am 12. November 2025 (polnisch).