Andrew Jászi
Andrew Oscar Jászi (* 1. März 1917 in Budapest als András Oszkár Jászi; † 22. Juni 1998 in Oakland, California) war ein ungarisch-US-amerikanischer Germanist, Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer.[1]
Leben und Wirken
Andrew Jászi, ein Sohn des ungarischen Politikers und späteren US-amerikanischen Soziologen Oszkár Jászi, gelangte nach seiner Reifeprüfung 1935 in Budapest mit seinen Eltern als Auswanderer in die USA. Dort studierte er Germanistik, Philosophie und Psychologie, von 1935 bis 1938 am Oberlin College, wo er 1938 den Bachelorgrad erwarb, und von 1938 bis 1942 an der Harvard University. Dort legte er 1939 die Magisterprüfung ab. Von 1940 bis 1942 arbeitete er bereits als Lehrer an der Harvard University. Nach dem Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft 1942 war er bis 1945/46 Soldat der U.S. Army und arbeitete 1945 in der besetzten Stadt Wien. Anschließend setzte er sein Studium an der Harvard University fort und promovierte dort 1947 zum Ph.D. Von 1948 bis 1955 war er Assistenzprofessor und bis 1964 außerordentlicher Professor an der University of California, Berkeley. Es folgte dann bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1984 eine ordentliche Professur für Germanistik an dieser Universität. Jászi hatte mehrere Gastdozenturen an amerikanischen Universitäten inne.
Als Literaturwissenschaftler beschäftigte sich Andrew Jászi vor allem mit der deutschen Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts und philosophischen Fragestellungen im Bereich der Literaturwissenschaft.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die Idee des Lebens in Hofmannsthals Jugendwerk 1890–1900. In: The Germanic review, Bd. 24 (1949), S. 81–107.
- Richard Dehmels Auseinandersetzung mit dem Kultus des Lebens. In: Publications of the Modern Language Association of America (PMLA), Bd. 65 (1950), H. 2, S. 46–65.
- Rilkes Duineser Elegien und die Einsamkeit. In: In honorem Lawrence Marsden Price (= University of California publications in modern philology, Bd. 36). University of California Press, Berkeley 1952, S. 185–192.
- Ästhetische Form in Zeit und Raum. Ein Versuch. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, Bd. 29 (1955), S. 365–389.
- In the realm of beauty and anguish. Some remarks of the poetry of aesteticism. In: Chicago review, Bd. 15 (1961), H. 2, S. 57–70.
- The Word in the World. Some Remarks on the Difference between Poetry and Prose. In: Karl S. Guthke (Hrsg.): Dichtung und Deutung. Gedächtnisschrift für Hans M. Wolff. Francke, Bern/München 1961, S. 43–54.
- Das Wort in der Zeit und das Ding im Raum. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, Bd. 37 (1963), S. 1–21 u. S. 169–196.
- Symbolism and the linguistic paradox. Reflections on Goethe's world view. In: Helmut Rehder (Hrsg.): Literary symbolism. A symposium. University of Texas Press, Austin, Tex. 1965, S. 65–82.
- Ausdruck und Leben in Hofmannsthals "Die Beiden". In: Sibylle Bauer (Hrsg.): Hugo von Hofmannsthal (= Wege der Forschung, Bd. 183). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1968, S. 217–223.
- (mit Michael Mann): Entzweiung und Vereinigung. Goethes symbolische Weltanschauung (= Poesie und Wissenschaft, Bd. 24). Stiehm, Heidelberg 1973, ISBN 3-7988-0523-7.
- Erkenntnis und Wirklichkeit. Grundlagenkritische Voruntersuchungen. Niemeyer, Tübingen 1974, ISBN 3-484-70115-3.
- "Märchen sagt – Es war einmal". In: Winfried Kudszus (Hrsg.): Austriaca. Beiträge zur österreichischen Literatur. Festschrift für Heinz Politzer zum 65. Geburtstag. Niemeyer, Tübingen 1975, S. 469–480, ISBN 3-484-10236-5.
- (mit Winfried Kudszus): Begriffene Literatur und Literatur als Prozeß. Trakls "Trompeten". In: Jahrbuch für internationale Germanistik, Bd. 11 (1979), H. 1, S. 129–148.
- Über Vergegenwärtigung. In: Jürgen Brummack (Red.): Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Festschrift für Richard Brinkmann. Niemeyer, Tübingen 1981, S. 824–836, ISBN 3-484-10421-X.
- Einige Anmerkungen über die Zeit und Faust. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, Bd. 56 (1982), H. 1 S. 92–100.
- The inexhaustable object. Trying to understand "Die Wahlverwandtschaften". In: Clifford A. Bernd (Hrsg.): Goethe proceedings. Essays commemorating the Goethe sesquicentennial at the University of California, Davis (= Studies in German literature, linguistics and culture, Bd. 12). Camden House, Columbia, S.C. 1984, S. 67–76, ISBN 0-938100-28-9.
Einzelnachweise
- ↑ Hinrich C. Seeba: Jászi, Andrew Oscar. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 2. De Gruyter, Berlin 2003, S. 841f., ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben).