Andreas von Weiss

Andreas von Weiss (* 26. November 1910 in Reval/Tallinn; † 1994) war ein baltisch-deutscher Germanist und Sprachwissenschaftler.[1]

Leben und Wirken

Andreas von Weiss studierte von 1927 bis 1932 Germanistik, Allgemeine Sprachwissenschaft, Philosophie und Volkskunde an der Universität Dorpat. 1935 legte er dort seine Magisterprüfung ab (1943 wurde der Magistergrad in einen Doktorgrad umgewandelt). An der Universität Leipzig war er 1935/36 Gasthörer, 1936 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Grenz- und Auslandsdeutschtum in Marburg/L. 1937 wurde er wissenschaftlicher Assistent bzw. Oberassistent am Deutschen Sprachatlas in Marburg. Von 1940 bis 1945 war er Soldat im Zweiten Weltkrieg und geriet in britische Kriegsgefangenschaft. Von 1946 bis 1953 arbeitete er als Dolmetscher für russische und englische Sprache bei der britischen Militärregierung in Deutschland. Im Jahre 1953 wurde Andreas von Weiss Mitarbeiter am Osteuropa-Institut München und dort 1955 verbeamtet. Als Leitender Regierungsdirektor ging er 1975 in den Ruhestand. An diesem Institut widmete er sich insbesondere der Ideologieforschung vor allem in Bezug auf den Neomarxismus und die Neue Linke.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monographien

  • Hauptprobleme der Zweisprachigkeit. Eine Untersuchung auf Grund deutsch-estnischen Materials. Winter, Heidelberg 1959.
  • Die Diskussion über den historischen Materialismus in der deutschen Sozialdemokratie 1891–1918 (= Veröffentlichungen des Osteuropa-Instituts München. Bd. 27). Harrassowitz, Wiesbaden 1965.
  • Die Neue Linke. Kritische Analyse. Boldt, Boppard 1969.
  • Neomarxismus. Die Problemdiskussion im Nachfolgemarxismus der Jahre 1945 bis 1970. Alber, Freiburg/Br. 1970, ISBN 3-495-47212-6.
  • Schlagwörter der neuen Linken. Die Agitation der Sozialrevolutionäre (= Geschichte und Staat. Bd. 179/180). Olzog, München 1974, ISBN 3-7892-7087-3.

Aufsätze

  • Mehrsprachigkeit als Aufgabe in Osteuropa. In: Zeitschrift für Ostforschung. Bd. 3, H. 2, 1954, S. 188–201.
  • Logischer Positivismus und Kybernetik im Blickfeld der bolschewistischen Politik. In: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie. Bd. 2, H. 3, 1955, S. 273–297.
  • Fundamente und Wirksamkeit der "bolschewistischen Ideologie". In: Osteuropa. Bd. 8, H. 3, 1958, S. 165–178.
  • Freie Marxisten in den USA. In: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie. Bd. 15, H. 1, 1968, S. 109–127.
  • Die ideologischen Grundlagen der neuen Linken. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bd. 19, H. 15, 1969, S. 15–22.
  • Moskau und die neue Linke. In: Osteuropa. Bd. 21, H. 5, 1971, S. 293–304.
  • Linksradikale Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland und ihre politische Bedeutung. In: Zeitschrift für Politik. Bd. 22, H. 1, 1975, S. 41–58.
  • Die Non-Governmental Organizations und die Vereinten Nationen. In: Zeitschrift für Politik. Bd. 37, 1980, S. 387–406.
  • Weltanschauungen der linken politischen Gruppierungen. In: Armin Mohler u. a.: Kursbuch der Weltanschauungen (= Schriften der Carl Friedrich von Siemens Stiftung. Bd. 4). Ullstein, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-550-07943-5, S. 83–145.
  • Die nichtstaatlichen Organisationen in der Globalpolitik der Sowjetunion. In: Zeitschrift für Politik. Bd. 29, 1982, S. 185–205.

Einzelnachweise

  1. Weiss, Andreas von. In: Bastian Filaretow: Lexikon deutschbaltischer Wissenschaftler. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. Verlag Wissenschaft und Politik. Köln 1994, ISBN 3-8046-8812-8, S. 297f..