Andreas M. Wüst

Andreas M. Wüst (* 1969 in Karlsruhe) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Ministerialrat a. D. Er ist seit 2021 Professor für Politikwissenschaft an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Politischen Soziologie, insbesondere der Wahl- und Repräsentationsforschung, mit einem Fokus auf politisches Verhalten und parlamentarische Präsenz von Menschen mit Migrationshintergrund.[1][2]

Leben und Ausbildung

Andreas M. Wüst studierte von 1989 bis 1996 Politikwissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.[3] Im Rahmen eines Stipendiums des Verbands deutsch-amerikanischer Clubs verbrachte er ein Studienjahr an der University of Delaware, USA.[4] Parallel zu seinem Studium und während seiner Promotion war er als Vorstandsassistent bei der Forschungsgruppe Wahlen und ipos in Mannheim tätig.[4]

Im Jahr 2002 wurde er an der Universität Heidelberg bei Klaus von Beyme und Dieter Roth promoviert. Seine Dissertation untersuchte das Wahlverhalten eingebürgerter Personen in Deutschland.[4][5]

Akademische und Berufliche Laufbahn

Wüst war im Jahr 2001 an der Universität Heidelberg im DFG-Projekt „Elections in Asia and the Pacific“ unter der Leitung von Dieter Nohlen an der Finalisierung des Projekts beteiligt.[6] Von 2002 bis 2011 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim.[7] Während dieser Zeit arbeitete er an verschiedenen Forschungsprojekten, darunter das von Hermann Schmitt geleitete Projekt „Euromanifestos“ zu Europawahlprogrammen und die Etablierung der bis heute durchgeführten Deutschen Kandidierendenstudie anlässlich von Bundestagswahlen.[8][9][10]

Ab 2006 leitete Wüst das Projekt „Migranten als politische Akteure“, das im Rahmen eines Dilthey-Fellowships der VW-Stiftung durchgeführt wurde.[11] Das Projekt wurde aufgrund von Lehrstuhlvertretungen an den Universitäten Mannheim und Heidelberg sowie einer zwischenzeitlichen Mitarbeit am Aufbau eines Ministeriums für Integration in Baden-Württemberg mehrfach verlängert und 2014 abgeschlossen. Aufgrund seiner Tätigkeit in der baden-württembergischen Ministerialverwaltung ist er Ministerialrat a. D.

Im Jahr 2021 nahm Wüst den Ruf auf eine Professur für Politikwissenschaft an die Hochschule München (Fakultät für Studium Generale und Interkulturelle Studien) an. Dort war er von 2022 bis 2025 als Studiendekan tätig und ist seit 2025 Prodekan der Fakultät.[1]

Von 2021 bis 2025 leitete er das von der Robert Bosch Stiftung finanzierte internationale Verbundprojekt REPCHANCE zur parlamentarischen Repräsentation von Menschen mit Einwanderungsgeschichte, das parallel in europäischen Ländern wie dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien durchgeführt wurde.[12]

Mitgliedschaften und öffentliche Präsenz

Andreas M. Wüst ist Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung (DGfW) und gehört dem Steering Committee der Comparative Candidate Surveys (CCS) an.[13][4] Er ist aufgrund seiner Forschung zu Wahlen, Parteien, Migration und Integration regelmäßig in den Medien und der Öffentlichkeit präsent.

Forschungsschwerpunkte (Auswahl)

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Dieter Roth und Andreas M. Wüst: Parteien und Wähler: Erklärungsmodelle des Wahlverhaltens, in: Heinrich Oberreuter (Hrsg.): Ungewissheiten der Macht, München 1998, 102-133.
  • Andreas M. Wüst: Wie wählen Neubürger? Politische Einstellungen und Wahlverhalten eingebürgerter Personen in Deutschland, Opladen: Leske+Budrich, 2002. Auch: Dissertation, Universität Heidelberg. doi:10.1007/978-3-663-11848-0
  • Andreas M. Wüst (Hrsg.): Politbarometer, Opladen: Leske+Budrich, 2003.
  • Andreas M. Wüst: Naturalised Citizens as Voters: Behaviour and Impact, German Politics 13 (2), 2004, 341–359.
  • Philip Stöver und Andreas M. Wüst: Modes de scrutin, in: Yves Déloye (Hrsg.): Dictionnaire des élections européennes, Paris: Economica, 2005, 466-473 [reprinted in English: Electoral Systems, in: Yves Déloye/Michael Bruter (eds.): Encyclopedia of European Elections, Houndmills: Palgrave, 2006, 109-114].
  • Andreas M. Wüst: Zur Sozialisation von Neuparlamentariern im 15. Deutschen Bundestag, in: Jürgen W. Falter, Oscar W. Gabriel und Bernhard Weßels (Hrsg.): Wahlen und Wähler. Analysen aus Anlass der Bundestagswahl 2005, Wiesbaden: VS-Verlag, 2009, 328-345.
  • Karen Bird, Thomas Saalfeld und Andreas M. Wüst (Hrsg.): The Political Representation of Immigrants and Minorities: Voters, Parties and Parliaments in Liberal Democracies, London: Routledge, 2011.
  • Heiko Giebler und Andreas M. Wüst: Campaigning on an Upper Level? Individual Campaigning in the 2009 European Parliament Elections in its Determinants, Electoral Studies 30 (1), 2011, 53-66.
  • Andreas M. Wüst: A lasting impact? On the legislative activities of immigrant-origin parliamentarians in Germany, The Journal of Legislative Studies 20 (4), 2014, 495-515.
  • Stefanie Bailer, Christian Breunig, Nathalie Giger und Andreas M. Wüst: The diminishing value of representing the disadvantaged: between group representation and individual career paths, British Journal of Political Science 52 (2), 2022, 535-552.
  • Henning Bergmann, Gözde Çelik und Andreas M. Wüst: REPCHANCE – Bausteine einer chancengerechten politischen Repräsentation von Menschen mit Migrationsgeschichte, Stuttgart: Robert Bosch Stiftung, 2024.
  • Andreas M. Wüst: Gut vertreten? Parlamentarische Repräsentation im Einwanderungsland, APuZ 38-39/2024, 40-45.
  • Henning Bergmann und Andreas M. Wüst: Karrieren mit Konfliktpotenzial? Abgeordnete mit Migrationshintergrund im Deutschen Bundestag, 2013-2021, in: Norbert Kersting, Julian David Müller, and Uwe Hunger (Hrsg.): Migration und Konflikt, Wiesbaden 2025, 21-43.
  • Andreas M. Wüst: Nähe oder Distanz? Eine Analyse der politischen Partizipation von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland, Zeitschrift für Politikwissenschaft 35 (2), 2025, 407-437.
  • Wolf-Dietrich Hammann, Andreas M. Wüst und Frank Maier: Migration – Einwanderungsland Deutschland gestalten, Stuttgart: Kohlhammer 2025.

Einzelnachweise

  1. a b c Prof. Dr. Andreas M. Wüst - Profil. In: Hochschule München. Abgerufen am 15. Januar 2026.
  2. Prof. Dr. Andreas M. Wüst | Research profile. In: ResearchGate. Archiviert vom Original am 21. März 2025; abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  3. Andreas M. Wüst: Vorbild USA? Deutsche Einwanderungspolitik auf dem Prüfstand. In: ResearchGate. 1995, abgerufen am 6. November 2025.
  4. a b c d Andreas M. Wüst. In: ORCID. Abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  5. Andreas M. Wüst: Wie Wählen Neubürger. In: ResearchGate. 2002, abgerufen am 6. November 2025.
  6. Dieter, Nohlen, Florian Grotz und Christof Hartmann: Elections in Asia and the Pacific: A Data Handbook. Band 1. Oxford, 2004, S. 1.
  7. Andreas M. Wüst. In: Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES). Universität Mannheim, MZES, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  8. History of the GLES (German Longitudinal Election Study). In: GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. 2012, abgerufen am 6. November 2025.
  9. Hermann Schmitt, Andreas M. Wüst, Holli A. Semetko, Jeffrey Karp: German Candidate Study for the Federal Parliament Election 2002 (German Candidate Study 2002) - Deutsche Kandidatenumfrage zur Bundestagswahl 2002 (Deutsche Kandidatenstudie 2002). 2005, abgerufen am 6. November 2025.
  10. Thomas Gschwend, Hermann Schmitt, Andreas Wüst, Thomas Zittel: German Candidate Survey for the National Parliament Election 2005 (German Candidate Study 2005) - Deutsche Kandidatenumfrage zur Bundestagswahl 2005 (Deutsche Kandidatenstudie 2005). 2009, abgerufen am 6. November 2025.
  11. Andreas M. Wüst: Projekt Migrant Actors. In: awuest.de. Andreas M. Wüst, abgerufen am 5. November 2025.
  12. Henning, Bergmann, Gözde Çelik, Andreas M. Wüst: REPCHANCE - Bausteine einer chancengerechten politischen Repräsentation von Menschen mit Migrationsgeschichte. In: Robert Bosch Stiftung. 2024, abgerufen am 6. November 2025.
  13. Overview. In: The Comparative Candidates Survey (CCS). Abgerufen am 6. November 2025.