Andreas Christian Møller

Andreas Christian Møller (* 18. Februar 1796 in Trondheim; † 24. Dezember 1874)[1] war ein norwegischer Drechsler und Gehörlosenlehrer, der die erste Gehörlosenschule in Norwegen gründete.[2][3] Andreas Møller gilt daher als «Vater der Gehörlosenbildung». Das Møller kompetansesenter, der führende Hersteller von Gebärdensprachmaterialien, trug seinen Namen.

Biographie

Er war das 3. von 8 Kindern des Schuhmachermeisters Johannes Møller und seiner Frau Ingeborg. Im April 1826 heiratete er Brigitte Marie im Nidarosdom. Das Paar hatte 9 Kinder. Im Dezember 1874 starb er an Altersschwäche und Bronchitis.

Schulbildung

Møller ertaubte im Alter von 2 Jahren und erhielt wegen seiner Behinderung keine ausreichende Schulbildung. Die nächstgelegene Gehörlosenschule befand sich in Kopenhagen und hieß Det Kongelige Døvstumme-Institut i Kjøbenhavn. Dort wurde nach der Französischen Methode unterrichtet, mit Gebärdensprache und Schreiben; durch die Gebärdensprache sollten die Schüler Dänisch lernen. Mit finanzieller Unterstützung der Armenfürsorge in Trondheim konnte Møller 1810 im Alter von 14 Jahren diese Schule besuchen. Er zeigte in mehreren Fächern hervorragende Leistungen und wurde vom Schuldirektor, dem in Norwegen geborenen Arzt und Professor Peter Atke Castberg, als „Lehrer und Korrektor für die Oberstufe“ eingesetzt.

Lehrtätigkeit

In der Zeit von 1815 bis 1817 verbrachte Møller die meiste Zeit zu Hause in Trondheim, wo er gehörlose Schüler im Haus seiner Eltern unterrichtete. Als 1817 eine Stelle in Kopenhagen frei wurde, wurde er per Bote benachrichtigt. Er wurde ermutigt, sich auf die Stelle zu bewerben und erhielt diese dann auch. In der Zeit von 1817 bis 1822 arbeitete er als Lehrer an der Schule in Kopenhagen.[4] Er wurde damit der erste gehörlose Lehrer in Nordeuropa.[5]

Superintendent Castberg drängte die norwegischen Behörden, in Trondheim eine Gehörlosenschule mit Andreas Møller als Lehrer zu gründen. Er bot auch an, mit Rat und Anleitung zur Seite zu stehen. Der Vorschlag wurde gut aufgenommen und der Bischof von Nidaros leitete ihn mit seiner Empfehlung an das Kirchenministerium weiter. Die erste Gehörlosenschule in Norwegen und die erste norwegische Sonderschule überhaupt wurde per königlichem Erlass am 1. November 1824 gegründet.[6] Sie erhielt den Namen Throndhjems Døvstummeinstitut und nahm im Frühjahr 1825 ihren Betrieb auf. Diese Schule war viele Jahre ein Familienbetrieb. Andreas Christian Møller arbeitete als Lehrer, sein Vater Johannes Møller als Ökonom und sein Bruder Petter Christian Møller als zweiter Lehrer. Im Laufe der Zeit kamen auch mehrere andere Familienmitglieder dazu, um an der Schule zu arbeiten.

Ursprünglich befand sich die Schule im Waisenhaus in der Nähe des Nidarosdom. Møller unterrichtete nach der Französischen Methode mit dem Schwerpunkt auf Gebärdensprache. Ende der 1830er Jahre kam es zu einer Veränderung an der Schule, als Møllers Vater und Bruder wegen unanständigem Verhalten gegenüber einigen Schülern der Schule entlassen wurden. Neben dieser personellen Veränderung gab es auch eine pädagogische Veränderung. Dabei wandte sich die Schule von der Französischen Methode ab und führte die Deutsche Methode ein, bei der der Schwerpunkt viel stärker auf Sprechen und Lippenablesen lag. Trotz dieser Veränderung blieb Møller bis 1855 an der Schule.

Vermächtnis

Die von Møller gegründete Schule in Trondheim befand sich bis 2017 in Heimdal. Dort trug sie den Namen A.C. Møller skole und war Teil des Møller kompetansesenter.

Einzelnachweise

  1. Knut Arnesen: Andreas Møller. In: Norsk biografisk leksikon. 12. August 2025 (snl.no [abgerufen am 6. Oktober 2025]).
  2. Deaf History - Europe - 1796 - 1874: Andreas Christian Møller, Deaf Founder of the first school for the deaf in Norway. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  3. Døveskoler i Norden - Norsk Døvemuseum. Abgerufen am 6. Oktober 2025 (norwegisch).
  4. Deaf education in Europe : the early years | WorldCat.org. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  5. Renate Fischer, Harlan L. Lane: Looking back : a reader on the history of deaf communities and their sign languages. Hamburg : Signum Press ; Washington, D.C. : Distributor for the U.S., Gallaudet University Press, 1993, ISBN 978-3-927731-32-5 (archive.org [abgerufen am 6. Oktober 2025]).
  6. Sigvald Skavlan: Fra Throndhjems Døvstummeinstitut 1825 til Møller kompetansesenter 2000. Hrsg.: Eli Nervik. Møller kompetansesenter, 200 (norwegisch).