Andrea Lee (Schriftstellerin)

Andrea Nancy Lee (* 27. April 1953 in Philadelphia)[1] ist eine US-amerikanische Schriftstellerin.[2] Sie wurde mit dem für den National Book Award nominierten Memoir Russian Journal (1981) sowie mit den Büchern Sarah Phillips (1984), Interesting Women (2002), Lost Hearts in Italy (2006) und Red Island House (2021) bekannt.[3]

Leben

Lee stammt aus einer wohlhabenden afroamerikanischen Familie. Sie wuchs in Yeadon auf, einem Vorort von Philadelphia mit überwiegend afroamerikanischer, der oberen Mittelschicht angehörender Bevölkerung. Dort verbrachte sie ihre Kindheit weitgehend behütet, ohne mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert zu werden. Als Teenager wurde sie sich dieser Abschirmung von der Realität amerikanischer Schwarzer bewusst und rebellierte dagegen mit afrikanischer Kleidung und Wortwahl.[4] Ihre Eltern engagierten sich zwar in der Bürgerrechtsbewegung und standen dem weißen Mainstream misstrauisch gegenüber, blieben aber andererseits auf Distanz zu den ärmeren schwarzen Bevölkerungsschichten. Laut Andrea Lee führten sie und ihre zwei Brüder dadurch eine Art Doppelleben, bei dem sie zwar lernten sich überall anzupassen, sich aber nirgendwo wirklich zugehörig fühlten.[5]

Lee besuchte die Baldwin School for Girls in Bryn Mawr. Danach studierte sie mit Hauptfach Englisch am Radcliffe College (ein die Harvard University ergänzendes Frauencollege), wo sie 1974 den Bachelor und 1978 den Master of Arts in Vergleichender Literaturwissenschaft erlangte.[1] Mit Mitte zwanzig begleitete sie 1978 ihren damaligen Ehemann, einen Harvard-Doktoranden der russischen Geschichte, für zehn Monate an die Moskauer Lomonossow-Universität und weitere zwei Monate nach Leningrad; aus ihren Aufzeichnungen entstand das Debüt Russian Journal (1981).[6] Das Buch war 1982 Finalist für den National Book Award.[7]

Anschließend arbeitete Lee mehrere Jahre als angestellte Journalistin für The New Yorker und veröffentlichte daneben als freie Autorin in großen Magazinen.[8] Sie lebt heute mit ihrem italienischen Ehemann und Sohn in Turin.[5] Aufenthalte in Madagaskar prägten ihr Schreiben der 2010er- und 2020er-Jahre.[9]

Wirken

Für The New Yorker veröffentlichte sie im Jahr 2006 die Erzählung Lost Hearts in Italy.[10] 2021 folgte dort die Madagaskar-Geschichte The Rivals.[11] Ihr Roman Red Island House (2021) erzählt von einer afroamerikanischen Professorin, deren Leben zwischen Italien und einer prachtvollen Ferienvilla auf Madagaskar in kulturelle und moralische Konflikte gerät.[3] Kritiken hoben die sinnliche Detailfülle und die scharfe Analyse von Postkolonialismus, Klasse und Macht hervor.[12] Zuvor hatte Lee mit Sarah Phillips (1984) eine aus episodischen Kapiteln montierte Bildungsroman-Kollage über eine Protagonistin aus der schwarzen Mittelschicht vorgelegt.[13] Weitere markante Titel sind die Sammlung Interesting Women (2002) und der Italien-Roman Lost Hearts in Italy (2006).[8]

Einzelnachweise

  1. a b Andrea Lee. In: Werner Sollors, Caldwell Titcomb, Thomas A. Underwood (Hrsg.): Blacks at Harvard : a documentary history of African-American experience at Harvard and Radcliffe. New York University Press, New York 1993, ISBN 0-8147-7972-7, S. 445 (online).
  2. ABOUT — ANDREA LEE. In: andreanlee.com. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  3. a b Red Island House. In: Simon & Schuster. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  4. Robert Anderson: Elements of literature: fourth course. Holt, Rinehart, and Winston, Austin 1993, ISBN 0-03-074197-1, S. 397.
  5. a b Andrea Lee. In: Encyclopedia of African American women writers. Greenwood Press, Westport 2007, ISBN 0-313-33429-3, S. 360 (online).
  6. Russian Journal. In: Penguin Random House. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  7. Russian Journal – Finalist, National Book Awards 1982. In: National Book Foundation. 1982, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  8. a b Andrea Lee. In: Penguin Random House. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  9. A Novel In Stories: An Interview with Andrea Lee. In: Michigan Quarterly Review. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  10. Lost Hearts in Italy. In: The New Yorker. 10. Juli 2006, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  11. The Rivals. In: The New Yorker. 4. Januar 2021, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  12. RED ISLAND HOUSE. In: Kirkus Reviews. 24. Dezember 2020, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  13. Sarah Phillips by Andrea Lee. In: EBSCO Research Starters. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).