André Dosé
André Heinrich Dosé[1] (* 10. Mai 1957[2]) ist ein Schweizer Manager. Er war Chief Executive Officer (CEO) der Fluggesellschaften Crossair, Swiss und Gulf Air. Von 2012 bis Dezember 2013 war er Verwaltungsratspräsident des Grasshopper Club Zürich.[3][4] Er war von 2018 bis 2024 Präsident der Netzbetreibergesellschaft Swissgas.
Leben
André Dosé ist in Bolligen aufgewachsen und stammt aus mittelständischen Verhältnissen. Wie er dem Basler Soziologen Ueli Mäder berichtete, war seine Mutter eine Russin aus der Ukraine und wurde im Zweiten Weltkrieg nach dem Tod ihrer Eltern auf Fussmärschen in ein deutsches Arbeitslager deportiert, von wo sie in die Schweiz flüchtete und hier adoptiert wurde. Sein Vater war ein in der Schweiz geborener Tschechien-Schweizer mit böhmischer Mutter, wurde aber von der deutschen Besatzungsmacht als Deutschböhme behandelt und zum Krieg an der Ostfront gezwungen, wo er darauf bis 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war.[5] Nach der Verkehrsschule in Biel absolvierte André Dosé bei der Swissair eine Ausbildung zum Luftverkehrsangestellten. Mit 17 Jahren machte er das Flugzeugbrevet. Nach sechs Jahren Tätigkeit bei der Swissair ging er in die Vereinigten Staaten, wo er sich zum Berufspiloten ausbilden liess und sechs Jahre lang als Pilot tätig war.[6] Er flog auch Sprühflüge in Louisiana.[4]
Crossair
Von 1986 bis 2002 arbeitete Dosé in unterschiedlichen Funktionen für die Crossair. Er hatte im Gegensatz zum als impulsiv bekannten Moritz Suter den Ruf, sehr ausgeglichen zu sein.[4]
Flugzeugabstürze
Wegen des Absturzes des Crossair-Flugs 498 mit zehn Toten vom 10. Januar 2000 bei Nassenwil erhob die Bundesanwaltschaft im Oktober 2007 Anklage gegen sechs frühere Crossair-Verantwortliche, darunter Moritz Suter und CEO André Dosé. Sie warf Suter und Dosé unter anderem vor, für eine «Angstkultur» bei der Airline verantwortlich gewesen zu sein, die zur bewussten Missachtung von Vorschriften geführt habe. Das Verfahren wurde von der Bundesanwaltschaft wegen Verjährung und wegen nicht nachgewiesener Sorgfaltspflichtverletzungen eingestellt.[7]
Suter, Dosé und vier weitere Mitarbeiter wurden wegen des Absturzes von Crossair-Flug 3597 mit 24 Toten bei Bassersdorf vom 24. November 2001 wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung angeklagt und am 16. Mai 2008 vollumfänglich freigesprochen. Das Gericht sprach den sechs Freigesprochenen Entschädigungen von insgesamt 851'000 Franken zu (davon 836'000 Franken Verteidigungskosten).[7] Das Bundesstrafgericht in Bellinzona befand für den Absturz keinen ursächlichen Zusammenhang auch im Vorwurf der «aggressiven Expansionspolitik» Suters.[8]
Swiss
Dosé war von März 2002 bis 2004 erster CEO der Swiss, trat aber unter Druck des Strafverfahrens wegen der Crossair-Abstürze in Bassersdorf und Nassenwil zurück.[4]
Gulf Air
Dosé übernahm das Amt des CEO der Gulf Air zum 1. April 2007 und gab am 23. Juli 2007 seinen Rücktritt bekannt. Konflikte zwischen dem Management und dem Verwaltungsrat sollen den Schweizer zu diesem Schritt bewogen haben.[9] Sein Nachfolger wurde Björn Näf, ebenfalls ehemaliger Swiss-Manager.
Mandate
Dosé war von 2011 bis 2023 Verwaltungsratspräsident von Gasverbund Mittelland, von 2018 bis 2024[10] war er Präsident von Swissgas, zuvor ab 2011 Vizepräsident. Von 2018 bis 2024[11] war er Vizepräsident von Transitgas AG. Von 2013 bis 2024[12] war er Verwaltungsrat der SET Swiss Energy Trading AG, ab 2020 Delegierter.[1] Dosé war von 2004 bis 2022 im Verwaltungsrat der BLT Baselland Transport AG, ab 2010 als Präsident.[13]
Dosé ist Mitglied des Aufsichtsrates der Grieshaber Logistics Group AG in Bad Säckingen.[14] Er ist Coach bei der Beratungsfirma Bernd Remmers Consultants AG.[15]
Ehrungen
- Ehrendoktor der Universität Barcelona[5]
Werke
- André Dosé, Sacha Wigdorovits: Sturmflug. André Dosés Rückblick auf seinen Kampf um die SWISS. Orell Füssli, Zürich 2004, ISBN 3-280-06053-2.
Literatur
- André Dosé im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Literatur von und über André Dosé im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Constantin Seibt: Pilot im perfekten Sturm. Porträt in: Tages-Anzeiger vom 29. März 2012 (Archiv)
Einzelnachweise
- ↑ a b André Heinrich Dosé. Moneyhouse, abgerufen am 6. Juli 2022.
- ↑ André Dosé im Munzinger-Archiv, abgerufen am 1. April 2012 (Artikelanfang frei abrufbar)
- ↑ André Dosé: «Von A bis Z alles genau anschauen» ( vom 31. März 2012 im Internet Archive), sf.tv, 29. März 2012.
- ↑ a b c d Späte Rückkehr des früheren Swiss-Konzernchefs. In: Neue Zürcher Zeitung, 30. März 2012.
- ↑ a b Ueli Mäder, Ganga Jey Aratnam, Sarah Schilliger: Wie Reiche denken und lenken. Reichtum in der Schweiz: Geschichte, Fakten, Gespräche. Rotpunktverlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-85869-428-7, S. 183–192.
- ↑ André Dosé: «Lufthansa-Fusion wäre nicht machbar gewesen». In: Der Bund. 27. September 2001.
- ↑ a b Bundesanwaltschaft akzeptiert Crossair-Urteil. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. Januar 2009.
- ↑ Durchwegs Freisprüche im Crossair-Prozess. In: Neue Zürcher Zeitung, 16. Mai 2008.
- ↑ Krise der Gulf Air setzt sich fort bei aerosecure.de.
- ↑ Wechsel im Präsidium und im Verwaltungsrat. Swissgas, Geschäftsbericht 2024, S. 24 (PDF).
- ↑ Transitgas Jahresbericht 2024. S. 45 (PDF).
- ↑ Mutation SET Swiss Energy Trading AG, Zürich. In: SHAB, 30. Januar 2025 (PDF).
- ↑ Geschäftsjahr 2021 − Die BLT fokussiert auf die Zukunft. BLT.ch, Medienmitteilung, 30. Mai 2022 (PDF).
- ↑ Management. Grieshaber Logistics Group AG, abgerufen am 10. Januar 2019.
- ↑ André Dosé bei der Bernd Remmers Consultants AG, abgerufen am 27. Oktober 2025.