Anders Thunborg

Anders Ingemar Thunborg (* 9. Juni 1934 in Stockholm; † 10. Dezember 2004) war ein schwedischer Diplomat und Politiker der Sveriges socialdemokratiska arbetareparti (SAP), der unter anderem zwischen 1977 und 1982 Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York, von 1983 bis 1985 Verteidigungsminister, zwischen 1986 und 1989 Botschafter in der Sowjetunion sowie von 1996 bis 1999 Botschafter beim Heiligen Stuhl war.

Leben

Anders Ingemar Thunborg wuchs nach dem frühen Tode seines Vaters, des städtischen Angestellten Albert Thunborg, bei seiner Mutter, der Schulhausmeisterin Greta Lundin Thunborg, im Stockholmer Stadtteil Södermalm auf. Er wurde ein erfolgreicher Speedway-Fahrer und Anfang der 1950er-Jahre schwedischer Meister im Speedway-Team Vargarna. Er absolvierte ein Studium der Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften, das er 1958 als Filosofie kandidat beendete. Anschließend arbeitete er als Sekretär im Sozialamt der Stadt Stockholm und war zudem zwischen 1958 und 1960 Sekretär der Schwedischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei SAP (Sveriges socialdemokratiska arbetareparti) des Ortsvereins Stockholm. 1961 wurde er Sekretär des Vorstands der Sozialdemokratischen Partei Schwedens und übte diese Funktion bis 1969 aus. In der Regierung Palme I fungierte er zwiachen 1969 und 1974 als Staatssekretär im Verteidigungsministerium und war damit Vertreter der damaligen Verteidigungsminister Sven Andersson (1969 bis 1973)[1] beziehungsweise dessen Nachfolger Eric Holmqvist (1973 bis 1974).[2] Danach war er 1974 Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des UN-Treuhandfonds für Südafrika sowie zwischen 1974 und 1976 Sonderberater des Staatssekretärs im Außenministerium.

1977 wurde Thunborg als Nachfolger von Olof Rydbeck[3] Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York und bekleidete dieses Amt bis 1982, woraufhin Anders Ferm[4] ihn ablöste. Während seiner dortigen Amtszeit bekleidete er zwischen 1981 und 1982 den Posten als Vizepräsident der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Nach dem Rücktritt von Börje Andersson[5] am 1. Dezember 1982 wurde er am 17. Januar 1983 als dessen Nachfolger in die Regierung Palme II berufen und bekleidete in dieser bis zu seiner Ablösung durch Roine Carlsson[6] am 17. Oktober 1985 das Amt des Verteidigungsministers (Försvarsminister).[7][8]

Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung kehrte Anders Thunborg in den diplomatischen Dienst zurück und war zunächst zwischen 1985 und 1986 Sonderbeauftragten des Außenministeriums im Range eines Botschafters. 1986 übernahm er von Torsten Örn[9] das Amt als Botschafter in der Sowjetunion und verblieb auf diesem diplomatischen Posten in Moskau bis zu seiner Ablösung durch Örjan Berner[10] 1989. Daraufhin löste er 1989 Wilhelm Wachtmeister[11] als Botschafter in den Vereinigten Staaten ab und übte dieses Amt in Washington, D.C. bis 1993 aus, woraufhin Henrik Liljegren[12] seine dortige Nachfolge antrat. 1993 übernahm er von Karl-Anders Wollter[13] das Amt als Botschafter in Griechenland, trat von diesem Posten in Athen aber kurz danach aus Krankheitsgründen zurück und wurde daraufhin von Krister Kumlin[14] abgelöst. Zuletzt wurde er 1996 Nachfolger von Torsten Örn als Botschafter beim Heiligen Stuhl und war als solcher bis zu seiner Ablösung durch Bo Henrikson 1999 auch als Botschafter in San Marino akkreditiert.

Er war mit Ingalill B. Holm Thunborg verheiratet. Nach seinem Tode wurde er auf dem Galärvarvskyrkogården, einem Friedhof in Stockholm, beigesetzt.

Veröffentlichung

  • Doktrinutveckling och försvarsekonomi, („Doktrinentwicklung und Verteidigungsökonomie“), Centralförbundet folk och försvar, Stockholm 1973

Einzelnachweise

  1. Sven Andersson (S). Reichstag von Schweden, abgerufen am 14. Dezember 2025 (schwedisch).
  2. Eric Holmqvist (S). Reichstag von Schweden, abgerufen am 14. Dezember 2025 (schwedisch).
  3. Rydbeck, Olof. rulers.org, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  4. Ferm, Anders (Jonny). rulers.org, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  5. Andersson, (Karl) Börje. rulers.org, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  6. Roine Carlsson (S). Reichstag von Schweden, abgerufen am 14. Dezember 2025 (schwedisch).
  7. Sweden: Defence Ministers. rulers.org, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  8. Regeringen Palme 2 (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  9. Torsten Örn. Prabook, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  10. Örjan Berner. Prabook, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  11. Wilhelm Wachtmeister. Prabook, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  12. Carl Henrik Sihver Liljegren. Prabook, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  13. Karl-Anders Wollter. Prabook, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  14. Krister Ralf Kumlin. Prabook, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).