Anders Olsen (Kaufmann)
Anders Olsen (* um 1718 auf Senja, Norwegen; † 11. Dezember 1786 in Igaliku, Grönland) war ein norwegisch-dänischer Kaufmann und Kolonialverwalter.
Leben
Herkunft
Über Anders Olsens Herkunft ist nichts bekannt. Er gab selbst seine Herkunft mit der nordnorwegischen Insel Senja an und auch sein Geburtsjahr ist lediglich eine Schätzung. Es wird häufig angegeben, dass er einen Bruder namens Hans Olsen hatte, aber dass die zwei tatsächlich Brüder waren, wird angezweifelt. Der Unternehmer und Hobbygenealoge Bernhard Christensen meint ihn mit einem ca. 1717 in Litle Fauskevåg in der Kommune Harstad geborenen Sohn von Ole Kristensen (1666–1741) und Margreta Andersdatter Juul (um 1691–1769) identifiziert zu haben, auch wenn der Ort Dutzende Kilometer südlich von Senja liegt. Die Annahme basiert auf der Tatsache, dass dieser Anders Olsen laut dem Nachlassverfahren seines Vaters 1740 sein Heimatland verlassen hatte. Dieser Anders Olsen hatte einen Bruder namens Hans Olsen, der jedoch ein anderer war.[1]
Erste Jahre in Nuuk und als Freihändler
Anders Olsen gilt als einer der „Nordlandskerle“, einer Gruppe von sechs jungen Männern aus Nordnorwegen, die 1742 nach Grönland kamen. Der Kaufmann Niels Axelsen Rasch, ein Neffe von Hans Egedes Frau Gertrud Rask war 1740 von Hans Egede und Jacob Severin aufgefordert worden, dort einige Männer für die Kolonisation in Grönland zu finden. Im Herbst 1741 erreichte die Gruppe Kopenhagen, von wo aus sie nach Grönland fuhren. Ursprünglich sollten sie in der Kolonie Frederikshaab in Paamiut angestellt werden, endeten aber schließlich im Juli 1742 in der Kolonie Godthaab in Nuuk. Unter ihnen war außerdem der angebliche Bruder Hans Olsen.[2] Aus der Tatsache, dass er vermutlich recht ordentlich lesen, schreiben und rechnen konnte, wurde geschlossen, dass er eine ordentliche Schulbildung gehabt haben muss und möglicherweise bereits in Norwegen in der Kolonialverwaltung in der Finnmark tätig gewesen war.[3]
In Nuuk traf er auf den Missionar Christian Drachardt und dessen Katecheten Berthel Laersen, die sich sehr zum Glauben der in direkter Nachbarschaft tätigen Missionare der Herrnhuter Brüdergemeine hingezogen fühlten. Auch Anders und Hans Olsen ließen sich hiervon überzeugen und Anders schrieb 1746 einen Brief an den Gründer der Glaubensgemeinschaft, Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. Er hatte den Plan 1748 nach Europa zurückzukehren, allerdings war er zum Handelsassistenten befördert worden und beschloss daraufhin in Grönland zu bleiben. 1750 verließ Jacob Severin Grönland, woraufhin sein Handelsmonopol auf die neugegründete Kongelige Octroyerede Almindelige Handels-Compagnie überging. Der Kaufmann Paul Moltzau bot Anders Olsen eine Gehaltserhöhung an und versprach ihm in Zukunft eventuell die Kolonie Godthaab leiten zu können, woraus sich schließen lässt, dass er ursprünglich den Plan hatte, Grönland nun doch zu verlassen. Anders Olsen willigte ein, in Grönland zu bleiben und ein weiteres Jahr als Assistent zu arbeiten, bat aber zugleich um eine Freihandelslizenz abseits des Handelsmonopols der Kompanie, wie sie bereits Peder Olsen Walløe und Hans Olsen (der in diesem Zusammenhang plötzlich als Bruder von ersterem genannt wurde) innehatten. Dies wurde ihm genehmigt.[2]
Tätigkeit in Kangaamiut
1752 reisten Anders und Hans Olsen nach Norden, wo sie nach möglichen Orten für eine neue Kolonie suchen sollten. Sie schlugen Kangaamiut und Asummiut vor. Anders Olsen bat darum, sich an einem der Orte niederzulassen, oder alternativ wieder Assistent in der Kolonie Godthaab werden zu können. Hans Olsen sollte ihn begleiten. Nach seiner Rückkehr heiratete er am 10. August 1752 die aus der Gegend um Nuuk stammende Grönländerin Tuperna (1726–1789), Tochter von Sanak. Hans Olsen heiratete ebenfalls und beide überwinterten in Kangaamiut, während sie mit der Kolonie Godthaab Handel betrieben. Dieser Handel lief aber nicht gut und Anders Olsen verschuldete sich, woraufhin er sich von Moltzau wieder als Handelsassistent anstellen ließ.[2]
Er schlug zugleich vor, eine Loge zwischen Nuuk und Paamiut zu errichten. Am 6. April 1754 wurde er somit von der Handelsdirektion beauftragt, seinen Vorschlag selbst zu realisieren und er gründete die Loge Fiskenæsset in Qeqertarsuatsiaat, der er anschließend vorstand. Seine Zuneigung zur Herrnhuter Brüdergemeine führte dazu, dass er diese dazu brachte, eine weitere Missionsstation im nahegelegenen Akunnaat zu gründen, die den Namen Lichtenfels erhielt.[2]
Nur ein Jahr später im Sommer 1755 wurde er mit der Gründung der Kolonie Sukkertoppen in Kangaamiut beauftragt. Er wünschte sich, dass die Herrnhuter auch hier missionierten, aber da nicht damit zu rechnen war, dass das Missionskollegium, das ja mit den Herrnhutern in Konkurrenz stand, diesem Wunsch nachkommen würde, bat er darum, dass man Berthel Laersen, der ihm im Glauben nahestand, zu ihm sendete, was 1757 geschah. 1756 sollte er eine weitere Kolonie weiter nördlich in Ukiivik gründen, was aber aus logistischen Gründen scheiterte, da kein Schiff kommen konnte. Anfang der 1760er Jahre wollte er nun doch wieder Grönland verlassen und nach Herrnhut ziehen, aber sein Freund Drachardt, der dies getan hatte, riet ihm in einem Brief davon ab. Man hatte ihm zudem erneut den Posten als Kaufmann in der Kolonie Godthaab versprochen, sobald Lars Dalager ausscheiden sollte.[2]
Es kam jedoch anders, da man ihn 1765 damit beauftragte, auf der Insel Inussulik in der Nähe von Itilleq Weißwale zu fangen. Er errichtete dort ein kleines Haus und blieb zwei Jahre. Der in der Nähe liegende Sund Inussuttusup Tunua trägt daher den dänischen Namen Anders Olsen Sund. Lars Dalager wurde 1767 als Kaufmann entlassen und Anders Olsen bekam die Stelle angeboten. Er schlug das Angebot aber aus und bat um eine Rückkehr nach Kangaamiut, wo er die folgenden Jahre arbeitete.[2]
Lebensabend in Südgrönland
Er schlug mehrfach die Errichtung einer Loge südlich von Frederikshåb vor und wurde 1773 aufgefordert, gemeinsam mit unter anderem seinem ältesten Sohn nach Südgrönland zu fahren und dort nach einem geeigneten Ort zu suchen. Er verließ Kangaamiut am 4. September 1773 und fuhr nach Paamiut, wo er überwinterte. Im Frühjahr 1774 fuhr er südwärts und erreichte im Sommer Kap Farvel. Er berichtete eine geeignete Stelle für eine neue Kolonie gefunden zu haben, nämlich dieselbe Stelle, die Peder Olsen Walløe bereits 1751 als Überwinterungsort genutzt hatte. Auf seiner Reise entdeckte er auch Überreste der Eystribyggð der Grænlendingar. 1775 wurde ein Schiff in Kopenhagen losgeschickt, das 1776 die neue Kolonie Julianehaab in Qaqortoq errichtete, deren Kaufmann Anders Olsen wurde.[2]
1780 bat er von Alters wegen und aufgrund schwindender Gesundheit um seine Pensionierung. Die Handelsdirektion dankte ihm für seinen treuen Einsatz. Anschließend verließ er die Kolonie und errichtete vermutlich 1782 einen Hof im rund neun Kilometer östlich gelegenen Upernaviarsuk, wo er Landwirtschaft betrieb. Damit wurde er der erste Bauer Grönlands seit rund 350 Jahren. Aber bereits kurz darauf brannte dieser Hof ab, woraufhin er nach Igaliku zog, das auf dem Seeweg rund 55 km von Qaqortoq entfernt liegt. Im Sommer 1783 unternahm er eine weitere Forschungsreise zur bis dahin unentdeckten Ostküste, die er 135 km nach Norden befuhr. Er traf dort auf Tunumiit, aber kehrte zurück, bevor das Eis ihn zur Überwinterung zwang. Auch im Alter war er weiterhin den Herrnhutern zugeneigt und es heißt, dass er nicht in Qaqortoq in die Kirche ging, sondern in der weit entfernten Herrnhuter Missionsstation Lichtenau in Alluitsoq.[2]
Anders Olsen starb am 11. Dezember 1786 in Igaliku und wurde vor seinem Haus begraben. Seine Witwe starb gut zwei Jahre später. Das Paar hatte sechs Kinder:[2]
- Povl Andersen (1753–um 1724)
- Friderica Christina Andersdatter (1756–1822), verh. mit Assistent Caspar Alsbach
- Ane Maria Andersdatter (1758–1818), verh. mit Kaufmann Niels Møller Thomsen
- Johannes Andersen (1760–1825), folgte seinem Vater als Betreiber des Hofs nach
- Anna Cathrine Andersdatter (1763–1824), verh. mit Kolonist Hans Raun
- Okaline Margrethe Andersdatter (um 1766–1826), verh. mit Böttcher Søren Jensen Geraae
Mehrere Enkelkinder übernahmen den Nachnamen Egede und gründeten somit die mittel- (Povls Nachkommen) und südgrönländische (Johannes’ Nachkommen) Familie Egede, der zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten angehören.[4][5]
Einzelnachweise
- ↑ Bernhard Christensen: Om nogle af 1700- og 1800-tallets kolonister og andre med relationer i Grønland. S. 77–82.
- ↑ a b c d e f g h i Hother Ostermann: Nordmænd paa Grønland 1721–1814. Band 2. Gyldendal Norsk Forlag, Oslo 1940, S. 657–669 (Online [PDF]).
- ↑ Finn Gad: Anders Olsen. Dansk Biografisk Leksikon.
- ↑ K. N. Christensen: Anders Olsen og hans slægt. In: Tidsskriftet Grønland. Band 1953, Nr. 4, 1953, S. 133–138 (Online [PDF]).
- ↑ Kenneth Wehr: Egede (grønlandsk slægt). Danmarks Nationalleksikon.