Anastassija Alexejewna Werbizkaja
Anastassija Alexejewna Werbizkaja, geborene Sjablowa, (russisch Анастасия Алексеевна Вербицкая bzw. Зяблова, wiss. Transliteration Anastasija Alekseevna Verbickaja bzw. Zjablova; * 10. Februarjul. / 22. Februar 1861greg. in Woronesch; † 16. Januar 1928 in Moskau) war eine russische Schriftstellerin, Dramatikerin und Memoiristin. Sie gilt als eine Vertreterin des russischen Spätrealismus.
Leben
Anastassija Werbizkaja war die Tochter des erblichen Adligen Oberst A. A. Sjablow. Ihre Großmutter mütterlicherseits war die Schauspielerin Anastassija Nikitichna Mochalova. Von 1870 bis 1877 besuchte sie das Mädcheninternat Elisabeth in Woronesch. Vor ihrem Gesangsstudium, das sie in den Jahren 1879 bis 1881 am Moskauer Konservatorium absolvierte, arbeitete sie als Gouvernante. Nach dem Studium (das sie aus finanziellen Gründen nicht abschließen konnte) arbeitete sie über 20 Jahre als Musiklehrerin und Chorleiterin an Mädchengymnasien. 1882 heiratete sie den Feldmesser A. V. Werbizki, mit dem sie drei Söhne hatte. In den weiteren Jahren arbeitete sie als Korrektorin und Journalistin bei den Zeitungen Russki Kurer und Schisn΄ und verfasste Artikel zur Emanzipation der Frauen sowie allgemeine politische Rundschauen. 1890 erschien ihr erstes literarisches Werk Pervye lastočki. Im Jahr 1894 begann Werbizkaja ihre beständige literarische Karriere. 1899 (oder 1902) gründete sie einen eigenen Verlag. Hier erschienen Veröffentlichungen von 20 ausländischen Schriftstellern/Schriftstellerinnen, die sich der Emanzipation von Frauen gewidmet hatten und auch ihre eigenen Bücher. Letztere hatten teilweise sehr großen Erfolg auf dem Markt (insgesamt 25 Werke, etwa 500.000 Exemplare). Sie sympathisierte mit der Russischen Revolution 1905 und stellte ihre Wohnung für Sitzungen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands zur Verfügung. 1908 und 1911 brachte sie ihre zweibändige Autobiographie heraus. 1909 bis 1913 schrieb sie ihren berühmtesten Roman Kljutschi stschastja (deutsche Teilausgaben Manja bzw. Manja und ihre Revolution). Jeder der sechs Teile (als separate Bücher veröffentlicht) wurde mehr als 40.000 mal verkauft. Die Schriftstellerin selbst erklärte die Idee dieses Romans etwa so: „Frauen, stellt nicht die Liebe ins Zentrum Eures Lebens, damit Ihr später nicht als Bankrotteure dasteht, wenn die Liebe Euch verlässt.“
Nach der Oktoberrevolution – Anfang der 1920er Jahre – sah man in ihren Vorrevolutionswerken Symbole des Boulevardkitsches mit pornographischen Elementen. 1924 wurden ihre Bücher endgültig verboten. In den 1920er Jahren schrieb sie unter verschiedenen Künstlernamen für Kinder. 1926 setzten sich Anatoli Wassiljewitsch Lunatscharski und Olminski für den Schutz ihrer Werke ein. Sie sahen in der Werbizkaja eine begrenzte, aber für ihre Zeit progressive Schriftstellerin. Die Literaturwerke seien ein großes Beispiel für populäre Literatur, in der vereinfacht progressiven Ideen mit Eigenschaften der Boulevardliteratur verbunden werden. Sie war eine „marktkluge“ Autorin, die Pionierarbeit für den russischen Bestseller und besonders für den meistverkauften russischen Frauenroman leistete. Sie gewann ihren Leserkreis durch das Charisma ihrer Künstlerheldinnen und deren intensive emotionalen und erotischen Erfahrungen.
Nach 1990 wurden mindestens sechs Romane der Autorin in Russland neu veröffentlicht. Zumeist sind es Werke, die sich als „Liebesromane“ verkaufen lassen. Allerdings wurde auch der explizit politische Roman Дух времени (1907 Aus Sturmeszeit) wiederveröffentlicht.
Werke
Romane
- 1898: Вавочка
- 1899: Освободилась
- 1903: История одной жизни
- Aus Sturmeszeit (Berlin 1909: J. Ladyschnikow Verlag) (Originaltitel: Дух времени, 1907)
- Manja (Frankfurt/M. 1910: Rütten & Loening) (Umfaßt die Bücher 1 und 2 des im russischen Original sechsteiligen Romans Ключи счастья, Moskau 1909)
- Manja und ihre Revolution (Leipzig/Berlin 2025: Autonomie und Chaos; ISBN 978-3-911489-16-4). Hrsg. Mondrian Graf v. Lüttichau (Umfaßt die Bücher 1, 2 und 3) pdf
- Wenn die Tuberosen blühen (Berlin 1911: Verlag Schweitzer & Co.)
- 1914–1916: Иво любви
Theaterstücke
- 1895: Миражи
- 1897: Семейство Волгиных
Novellen
- 1906: Светает
- 1907: Крыля взмахнули
Literatur
- A. M. Gratschejowa: Verbickaja. In: Russkie pisateli 1800-1917. Moskau 1999
- Anastasija Alekseevna Werbizkaja: Avtobiografičeskij očerk. In: Sbornik na pomošč’ učaščimsja zenščinam. Moskau 1905, S. 84–91
- Anastasija A. Verbickaja: Moemu čitatelju. Avtobiografičeskie očerki s dvumja portretami. Moskau 1908
- Ilja M. Wassilewski (Ne-Bukwa): Avtobiografija Verbickoj. In: ders.: Geroinja našego vremeni. Pamflet, Petrograd 1916, S. 55–59
Weblinks
- Literatur von und über Anastassija Alexejewna Werbizkaja im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Artikel Anastassija Alexejewna Werbizkaja in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (BSE), 3. Auflage 1969–1978 (russisch)