Anarchismus in Belarus
Dieser Artikel beschreibt die Geschichte des Anarchismus in der Republik Belarus.
Geschichte
1920er-Jahre
Viele der frühen belarussischen Anarchisten zur Zeit des Russischen Reichs waren ursprünglich aktiv in sozialistischen Organisationen wie dem Bund, der RSDRP oder den Sozialrevolutionären und wandten sich dem Anarchismus zu, weil sie die gemäßigte Linie und das autoritäre Auftreten ihrer Parteiführungen ablehnten. Bis Anfang der 1920er Jahre existierten legale und halblegale anarchistische Zirkel in Belarus, die jedoch schon bald den Repressionen der Bolschewiki zum Opfer fielen.[1] Einer der prominentesten Beispiele ist der Nationaldichter Maksim Bahdanowitsch, der bereits zu Schulzeiten einen anarchistischen Zirkel gebildet hat.[2]
1990er-Jahre
Zur Zeit der Perestroika wurde die anarchistische Bewegung in Belarus wiederbelebt. Im Herbst 1990 wurde in Homel die erste anarchistische Gruppe „Borba“ („Kampf“) in Belarus gegründet. Sie schloss sie sich der Konföderation der Anarchisten-Syndikalisten (KAS) der UdSSR an. Im Frühjahr 1991 beteiligten sich die Anarchisten aus Homel an einem stadtweiten Streik. Im Sommer 1992 gründeten Aktivisten aus Minsk, Homel und Swetlahorsk bei einem Kongress in Minsk die Föderation der Anarchisten von Belarus.[1]
21. Jahrhundert
Anarchisten beteiligten sich maßgeblich an belarussischen Protesten gegen die Diktatur des Machthabers Aljaksandr Lukaschenka. Zu den bekanntesten Gruppen zählen "Revolutionäre Aktion", Pramen und Poshug. Letztere vertrat eine ethno-anarchistische Ideologie.[1]
Im Jahr 2009 wurde die belarussische Sektion des Anarchist Black Cross gegründet, die es sich zum Ziel setzt, inhaftierte anarchistische politische Gefangene zu unterstützen.[3]
Am 28. November 2010 wurde der anarchistische Aktivist Ihar Alinewitsch von Kräften in Zivil in Moskau festgenommen und in ein KGB-Untersuchungsgefängnis in Minsk gebracht. Am 27. Mai 2011 verurteilte ihn ein Gericht zu 8 Jahren Freiheitsstrafe in einer Strafkolonie wegen "Rowdytums" und "Sachbeschädigung auf besonders gefährliche Weise und in besonders großem Ausmaß". Ihm wurden Angriffe auf das Kasino „Shangri La“, auf das Büro der Bank „Moskau-Minsk“ am 31. Mai 2010, auf die russische Botschaft am 30. August 2010 und auf das Untersuchungsgefängnis Okrestino am 6. September 2010 zur Last gelegt.[4] Zusammen mit ihm waren die anarchistischen Aktivisten Mikola Dziadok und Aliaksandr Frantskevich angeklagt. Im August 2015 wurde Alinewitsch zusammen mit fünf weiteren politischen Gefangenen begnadigt und freigelassen.[5]
Im Oktober 2020 beklagte sich der belarussische Vize-Innenminister Kasakewitsch, dass sich Anarchisten an den Protesten in Belarus beteiligen würden.[6] Anarchisten beteiligten sich in eigenen Kolonnen an den Protestmärschen gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl.[7]
Am 28. Oktober 2020 wurden die vier "Anarcho-Partisanen" Ihar Alinewitsch, Dzmitry Dubouski, Dzmitry Rezanovich und Siarhei Ramanau festgenommen. Ihnen wurden mehrere Straftatbestände zur Last gelegt, darunter das Anzünden von Fahrzeugen von Regierungsbeamten, des Gebäudes der Verkehrspolizei und des Staatlichen Komitees für Expertise in der Region Homel. Sie wurden wegen des Vorwurfs der illegalen Handlungen im Zusammenhang mit Schusswaffen, Munition und Sprengstoffen sowie Terrorismus zu Haftstrafen von 18 bis 20 Jahren verurteilt.[8]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Юрий Глушаков: Анархисты в Беларуси. In: Politring.com. 4. März 2019, abgerufen am 11. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ Максім Багдановіч быў анархістам і амаль што «тэрарыстам». In: Belsat. 9. Dezember 2016, abgerufen am 11. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ About us. In: Anarchist Black Cross Belarus. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Ігар Аліневіч. In: Radio Liberty. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ Ihar Alinevich, Mikalai Dziadok, Artsiom Prakapenka and Jauhen Vas’kovich are released. In: Anarchist Black Cross Belarus. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Belarus police will fire on protesters if necessary, says deputy interior minister In: The Guardian, 13. Oktober 2020. Abgerufen am 23. November 2020 (englisch).
- ↑ «Солидарность - наше оружие»: Анархисты присоединились к Маршу Гордости. In: Charta 97. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ 18 to 20 years in prison: anarchists sentenced in Minsk. In: Wjasna. 22. Dezember 2021, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).