Amy Ashwood Garvey

Amy Ashwood Garvey (* 10. Januar 1897[1] in Port Antonio[2]; † 3. Mai 1969 in Kingston[3]) war eine jamaikanische Panafrikanistin.[2] Im Jahr 1945 gehörte sie zu den Rednerinnen des Fünften Panafrikanischen Kongresses in Manchester.[4]

Leben

Ashwood Garvey verbrachte Teile ihrer Kindheit in Panama und kehrte als Jugendliche nach Jamaika zurück, wo sie die Westwood High School in Trelawny besuchte.[2] Im Juli 1914 lernte sie Marcus Garvey bei einer Debattierveranstaltung kennen und brachte sich unmittelbar in den Aufbau der neu gegründeten Universal Negro Improvement Association (UNIA) ein.[2] In den Jahren 1914/1915 war sie erste Sekretärin und Mitglied des Leitungsrats der UNIA und organisierte frühe Treffen sowie die Frauenabteilung der Bewegung.[2] 1918 zog sie nach New York, wurde 1919 Generalsekretärin der Organisation und zählte zu den ersten Leiterinnen der Black Star Line.[2] Am 25. Dezember 1919 heirateten Ashwood und Garvey; die Ehe zerbrach rasch und endete 1922 in einer umstrittenen Trennung.[2] In den 1930er-Jahren lebte sie nunmehr in London, wo sie 1936 gemeinsam mit dem Trinidader Musiker Sam Manning den Florence Mills Social Parlour in der Carnaby Street eröffnete – ein Restaurant, Jazzklub und Treffpunkt der panafrikanischen Szene.[5] Sie war eine der Mitgründerinnen der International African Friends of Abyssinia und später des International African Service Bureau, die auf den Abessinienkrieg reagierten und panafrikanische Netzwerke stärkten.[6] Zwischen 1946 und 1949 hielt sie sich in Westafrika auf, wo sie die Lebensbedingungen von Frauen in Nigeria erforschte und Vorträge hielt.[7] 1953 wirkte sie an der Gründung des Afro-Women’s Centre (später Afro-People’s Centre) in London mit, das als Wohn- und Begegnungsort für schwarze Frauen und Migrantinnen diente.[8]

Wirken

Als UNIA-Mitbegründerin und frühe Organisatorin prägte Ashwood Garvey die Öffnung der Bewegung für Frauen, etwa durch die Etablierung einer eigenen Frauenabteilung.[2] Sie zählte zu den ersten Leiterinnen der Black Star Line und verband organisatorische Arbeit mit öffentlicher Aufklärung.[2] Ihr Londoner Florence Mills Social Parlour wurde in der Mitte der 1930er-Jahre zu einem wichtigen Netzwerkknoten und Treffpunkt für die Aktivismusszene aus Westafrika und der Karibik.[5] Im Jahr 1945 sprach sie auf dem Fünften Panafrikanischen Kongress in Manchester.[4] Dort hob sie die besonderen Formen der Ausbeutung schwarzer Frauen hervor und machte Geschlechtergerechtigkeit zu einem zentralen Anliegen des Kongresses.[6] Zeitgenössische und spätere Bewertungen sehen in ihr eine Vorreiterin des panafrikanischen Feminismus, deren transatlantisches Wirken über Jahrzehnte Unabhängigkeitsbewegungen und die politische Organisation schwarzer Bevölkerungsteile beeinflusste.[9] An der UNIA-Pressearbeit war sie beteiligt; das UNIA-Organ Negro World wurde 1918 in New York aufgebaut und international verbreitet.[9] Der Manchester-Kongress gilt in der Rückschau als Katalysator für die Unabhängigkeit vieler afrikanischer Staaten.[10] Ihr Todestag ist in der jamaikanischen Erinnerungskultur bis heute präsent.[3]

Commons: Amy Ashwood Garvey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Amy Ashwood Garvey. In: Jamaica Observer (All Woman). 31. Dezember 2006, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  2. a b c d e f g h i Amy Ashwood. In: PBS American Experience. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  3. a b This Day in History – May 3. In: Jamaica Observer. 3. Mai 2023, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  4. a b The 'radical' Manchester event that changed Africa. In: BBC News. 18. Oktober 2025, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  5. a b Black Sound (1930–1990). In: Google Arts & Culture / Black Cultural Archives. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  6. a b The Fifth Pan-African Congress, 1945: A Landmark Moment in British Radical History. In: History Workshop. 26. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  7. Amy Ashwood Garvey (1897–1969). In: BlackPast. 25. Februar 2007, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  8. Archiving the Life of Amy Ashwood Garvey: An Interview with Nydia A. Swaby. In: Black Women Radicals. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  9. a b Remembering Amy Ashwood-Garvey: A Pan-African pioneer. In: Jamaica Gleaner. 27. November 2021, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  10. Universities mark 75th anniversary of Manchester’s role in the African independence movement. In: The University of Manchester. 16. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).