Amtsgefängnis Saalfeld/Saale

Das Amtsgefängnis Saalfeld/Saale ist ein ehemaliges Gefängnis auf dem Hof des Rathauses in Saalfeld/Saale. Das Gebäude mit der Adresse Köditzgasse 2 steht unter Denkmalschutz[1] und wird heute als Stadtarchiv genutzt. Im Volksmund wird es aufgrund seiner auffälligen Bauform Hutschachtel genannt.

Geschichte und Beschreibung

Die turmartige Rotunde wurde als Gefängnis nach den Plänen des meiningischen Landbaumeisters Carl Rudolf Tröger 1857–1859 gebaut und kostete 14.500 Gulden. Am 25. November 1859 erfolgte die Übergabe als Amtsgefängnis an das Herzogtum Sachsen-Meiningen.

Im Mai 1917 fand die letzte Exekution statt, doch wurden auch später nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung Saalfelds durch die Rote Armee im Jahre 1945 noch Erschießungen vorgenommen. Wegen Bombenangriffen wurden im April 1945 22 von 43 Gefangenen beurlaubt.

Nachdem die Rote Armee die US-Armee abgelöst und die Stadt Mitte 1945 besetzt hatte, ging das Gefängnis an die Sowjetische Militäradministration in Deutschland über und diente bis ca. 1950 als NKWD-Gefängnis und Untersuchungshaftanstalt für politische Gefangene. Viele wurden aufgrund von Denunziation und Falschaussage inhaftiert. Nicht nur NSDAP-Bürgermeister, Ortsgruppen- und HJ-Führer wurden vom NKWD eingesperrt, sondern auch Volkssturm-Angehörige und viele Jugendliche unter Werwolf-Vorwurf und politisch Andersdenkende. Durch Folter wurden falsche „Geständnisse“ erpresst.[2][3] Die „Hutschachtel“ war oft nur Durchgangsstation zur Überführung in sowjetische Speziallager in der SBZ, später DDR, oder in den Gulag in der Sowjetunion.

Ab 1951 wurde das Gefängnis von der Abteilung K des Volkspolizei-Kreisamts Saalfeld genutzt. Am 16. August 1951 erstürmten Wismut-Kumpel das Gefängnis und befreiten zwei ihrer Kollegen, die im betrunkenen Zustand randaliert hatten und zur Ausnüchterung eingesperrt waren.

1973 übernahm die Stadt Saalfeld das Gebäude und nutzte es nach einem Umbau als Stadtarchiv.

Am 12. April 1994 brachte der „Freundeskreis Hutschachtel“ neben dem Eingang eine Gedenktafel für die Opfer des Stalinismus in der Zeit von 1945 bis 1950 an und richtete 2000 eine Gedenkzelle ein, die den Zustand der Haftanstalt nach 1945 dokumentiert. Besichtigungen sind am „Tag des offenen Museums“, am „Tag des offenen Denkmals[4] oder nach Anmeldung im Rathaus[5] möglich.

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Einzelnachweise

  1. Kreis Saalfeld-Rudolstadt, Stadt Saalfeld, Köditzgasse 2. In: denkmalpflege.thueringen.de (Denkmalliste). Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, abgerufen am 20. Dezember 2025 (Neueingange der Adresse erforderlich).
  2. Frank Quilitzsch: Hutschachtel als Ort des Leidens. In: Thüringische Landeszeitung vom 10. September 2011
  3. Rudolf Butters: Vorkommnisse im Saalfelder Gefängnis Hutschachtel 1945–1950.
  4. Frank Quilitzsch: Denkmaltag: Ehemaliges Saalfelder Amtsgefängnis öffnet seine Tür. In: tlz.de. 10. September 2011, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  5. Angaben lt. Faltblatt des Presseamts der Stadt Saalfeld zur Stadtgeschichte und Bauwerken.

Koordinaten: 50° 38′ 50,3″ N, 11° 21′ 42,1″ O