Amor & die Kids

Amor & die Kids
Allgemeine Informationen
Herkunft Leipzig, DDR
Genre(s)
Aktive Jahre
Gründung 1985, 1995, 2025
Auflösung nach 2008
Website
Gründungsmitglieder
Gesang, Keyboard
Frank „Amor“ Schüller
Schlagzeug, Gesang
Tobias Künzel
Gitarre, Gesang
Mario Rostenbeck
Bassgitarre, Kontrabass, Gesang
Dirk Posner
Aktuelle Besetzung
Schlagzeug, Gesang
Tobias Künzel
Gesang
Frank „AMOR“ Schüller
Bassgitarre, Gesang
Dirk Posner
Gitarre, Gesang
Mario Rostenbeck
Saxofon, Klarinette, Keyboard
Falk Kindermann

Amor & die Kids ist eine 1985 in der DDR gegründete deutsche Musikgruppe. Das Markenzeichen sind klassische Rocksongs ohne stilistische Einschränkung mit eingängigen Melodien, die vom Kontrast zwischen der ungeschliffenen Attitüde des Sängers Amor und den harmonischen Satzgesängen der Kids leben. Die Songs der Band beschrieben zu DDR-Zeiten alltagsnah und mit Humor, Sarkasmus und versteckter Kritik, mitunter etwas schlüpfrig, die Belanglosigkeiten des täglichen Lebens.

Geschichte

Amor & die Kids (auch „Amor und die Kids“) wurden 1985 gegründet von Tobias Künzel (Schlagzeug, Gesang), Dirk Posner (Bass, Gesang), Mario Rostenbeck (Gitarre, Gesang) - alle vormals Süd-Rock (Leipzig) - und Frank Schüller (Gesang), der der Dresdner Studenten-Kapelle TSO angehörte. Der Bandname entstand bei einem Süd-Rock Bandtreffen, bei dem unter anderem das in der DDR erhältliche Wermutgetränk mit Namen „Amor“ getrunken wurde. Die Süd-Rock Bandmitglieder waren damals zwischen 21 und 22 Jahren alt. Frank Schüller ca. 12 Jahre älter. Einen erheblich älteren Sänger engagierten sie, weil zu der Zeit mehrere altbekannte DDR-Bands neue, teilweise sehr junge Sänger hatten und sich die Band davon absetzen wollte. Dieser Umstand sollte sich auch im Bandnamen ausdrücken. Es gab allerdings einige Hürden zu nehmen, bis der Bandname offiziell bestätigt wurde, da einigen DDR-Kulturfunktionären das englische Wort „Kids“ missfiel.

Ihren ersten Auftritt hatten Amor & die Kids, noch unter dem Namen „Süd-Rock“, am 30. April 1985 im Kulturhaus Pölzig, in der Nähe von Gera. Durch die starke Präsenz und unkonventionelle Moderation des Leadsängers Frank „Amor“ Schüller, das Nutzen theatralischer Elemente sowie die wilde Rock-Attitüde der Bandmusiker hoben sie sich sowohl optisch als auch akustisch deutlich vom gängigen DDR Mainstream ab.

Bei der 12. Zentralen Leistungsschau der Amateurtanzmusik im April 1986 in Erfurt erhielten Amor & die Kids den Sonderpreis der Sektion Rock beim Komitee für Unterhaltungskunst, der mit einer professionellen Studioproduktion dotiert war. Das Konzert wurde erstmalig in der DDR ohne die sonst übliche zeitliche Verzögerung live im Jugendradio DT64 übertragen.

Im Sommer 1986 produzierten Amor & die Kids, zusammen mit dem Radiomoderator Lutz Bertram als Produzenten, im Privatstudio von Sieghart Schubert im mecklenburgischen Quadenschönfeld die Titel Amor und die Kids und Wunderkind, die durch die Verbreitung im Jugendradio DT64 nun einer größeren Zuhörerschaft zugänglich waren. Ein erster Auftritt bei der Jugendsendung Stop Rock im DDR-Fernsehen mit dem Titel Wunderkind folgte, der im Rahmen der von der FDJ organisierten „Treff-Tour“, gemeinsam mit Songs der anderen Bands, auch auf der Quartett-Single (heute EP) Startschuss 2 bei AMIGA erschien.

Die Band wurde inzwischen durch den Musikstudenten Falk Kindermann an Alt-Saxofon und Klarinette ergänzt, was auch neue Möglichkeiten für die Show mit sich brachte. Im Herbst desselben Jahres erhielten Amor & die Kids bei der VIII. Werkstattwoche Jugendtanzmusik in Suhl den Förderpreis des Zentralrates der FDJ und den Titel „Hervorragendes Amateurtanzorchester“.

Kurz darauf wurde der Band vom Ministerium für Kultur eine Berufs-Spielerlaubnis erteilt, was zur Folge hatte, dass man von nun an offiziell von der Musik leben durfte und als Berufs-Künstler galt. Amor & Die Kids bewegten sich mit ihren Texten und der Art des Auftretens immer am Rand des zur damaligen Zeit in der DDR Erlaubten, jedoch wurde nie eine Grenze überschritten.

Im Jahr 1987 erschien bei dem Plattenlabel Amiga die Quartett-Single (EP) Amor & die Kids mit den Titeln Amor und die Kids, Ich bin blank, Komm doch mit und Wunderkind. 1988 erschien dann die LP No more Bockwurst mit insgesamt 13 Titeln, die zum größten Teil von Tobias Künzel geschrieben wurden. Nach der Einberufung von Mario Rostenbeck zum Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei wurde als Ersatz an der Gitarre Ralf Kruse in die Band aufgenommen, er verließ sie jedoch nach Rostenbecks vorzeitiger Entlassung/Rückkehr wieder. Der wiederum von Tobias Künzel verfasste Titel Komm doch mit stieg im DT64-Metronom auf Platz 1 ein und verblieb dort mehrere Wochen avancierte zum DDR-Kultklassiker, auch wenn der Text beim Publikum nicht unumstritten war. Die Band produzierte im Auftrag des Rundfunks der DDR die Songs Sie sind doch der und Ich tanze auf dem Tisch im „Set Studio“ Leipzig und für ein Amiga-Tribute Projekt Coverversionen der DDR-Rock-Klassiker Geh zu ihr (Puhdys) und Kinder ich bin nicht der Sandmann (Renft). Hier wurde von Amor & die Kids das vom DDR -Kulturministerium ausgesprochene „Renft“-Verbot geschickt umgangen, da die beiden Autoren des Songs (Kunert/Demmler) noch als aktive Künstler in der DDR arbeiteten. Außerdem wurde ebenfalls als DDR-Rundfunkproduktion im damals neu gegründeten Studio der Puhdys - Mitglieder Dieter „Maschine“ Birr und Peter Meyer der Titel Wir fahren alle einmal ab aufgenommen. Dieser Titel war die letzte offizielle Amor & die Kids - Produktion vor dem Mauerfall. Amor & die Kids nahmen allerdings Frühjahr 1989 mit Unterstützung des ehemaligen KARAT-Bassisten Henning Protzmann Demos für eine zweite LP auf. Bei einem Konzert auf dem Berliner August-Bebel-Platz vor ca. 10.000 Zuschauern zum Pfingsttreffen der FDJ wurde der Band die Zugabe verweigert, trotz 20-minütiger Rufe des Publikums. Die Band hatte wie immer den Titel Marmor, Stein und Eisen bricht von Drafi Deutscher gespielt, dies einen Kilometer von der Berliner Mauer entfernt, was von den verantwortlichen Funktionären politisch ausgelegt wurde. Der damalige Chef der einzigen ostdeutschen Plattenfirma AMIGA, René Büttner, der selbst dort anwesend war, verkündete daraufhin, dass er einer weiteren LP mit Amor & die Kids eine Absage erteile.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR im Jahre 1989 gastierten Amor & die Kids in Krakow (Polen) und Kiew (Ukraine - damals UdSSR) und umliegende Spielorte. Dazu wurden einige Titel ins Russische übersetzt. Von der Ablösung Erich Honeckers durch Egon Krenz erfuhr die Band in Kiew aus der örtlichen Presse.

Die Zeit nach dem Mauerfall brachte für Amor & die Kids schwere Zeiten mit sich. Ungefähr 150 für 1990 gebuchte Konzerte wurden nacheinander von den Veranstaltern abgesagt, weil sich das DDR Publikum nicht mehr für „Ost-Musik“ interessierte. Falk Kindermann verließ die Band, um eine Stelle als Musiklehrer in Salzwedel anzutreten. Tobias Künzel wurde 1991 Sänger und Songschreiber der bundesweit erfolgreichen a-cappella-Pop-Band „Die Prinzen“. Die anderen Bandmitglieder hielten sich mit berufsfremden Jobs über Wasser.

Im Jahr 1994 wagten Frank Schüller und Mario Rostenbeck einen Neuanfang, zuerst akustisch mit Carsten Patzig an der zweiten Gitarre. Später wurde die Band durch Christoph Schenker (Bassgitarre, Gesang) und Cornelius Jelen (Schlagzeug, Gesang) verstärkt. Im Jahr 1996 erschien die Single Komm doch mit als Neuproduktion beim Label Hit Work. Produziert wurde in Tobias Künzels „Brot-Ton-Studio“ von Graham Laybourne. Dabei wirkten auch die Gründungsmitglieder von Amor & die Kids mit. Der erhoffte Erfolg der Neuauflage des Titels blieb allerdings aus. Im Jahr 1997 wurde auf dem Leipziger Label Löwenzahn/R.U.M. Records das Album Amoralisch mit 11 von der neuen Band-Besetzung verfassten Titeln auf CD veröffentlicht. An der Produktion beteiligt waren Mario Rostenbeck (Gitarre, Gesang), Carsten Patzig (Bassgitarre, Gesang), Cornelius Jelen (Schlagzeug, Gesang) und Frank „Amor“ Schüller (Gesang). Gäste bei einem Titel waren Sebastian Krumbiegel und Jens Sembdner von Die Prinzen sowie Henning Plankel von Querflöte. Der Titel Schokolade aus der CD Amoralisch erschien 2003 als Dance Version (Single, Label „Das Ohr“).

Diskografie

Alben

  • 1988: No More Bockwurst (Amiga)
  • 1997: Amoralisch (Buschfunk)
  • 2008: Es war einmal … (Amiga)

Singles

  • 1986: Start-Schuss 2 (Amiga)
  • 1987: Amiga Quartett (Amiga)
  • 1996: Komm doch mit (Hit Work/Fun Music)
  • 2003: Schokolade (Das Ohr)