Amoako Boafo

Amoako Boafo (geboren 1984 in Accra, Ghana) ist ein ghanaischer Maler, der insbesondere mit seiner Porträtmalerei bekannt wurde.

Leben und Werk

Boafo wurde 1984 als Sohn eines Fischers und einer Köchin in Accra geboren.[1][2] Sein Vater starb, als er sehr jung war; seine Mutter arbeitete als Köchin, und Boafo brachte sich das Malen weitgehend selbst bei, während sie außer Haus war.[3] Von 2004 bis 2007 studierte er am Ghanatta College of Art and Design in Accra. Er zeigte zudem Talent im Tennis und finanzierte sich einige Jahre als Semi-Profi; erst als ein Arbeitgeber seiner Mutter seine Studiengebühren übernahm, konnte er regulär Kunst studieren.[3] 2008 schloss er das Ghanatta College als Jahrgangsbester ab und erhielt den Titel „Best Portrait Painter of the Year“.[3]

2013 kam er nach Österreich und studierte von 2014 bis 2019 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Ashley Hans Scheirl und Kirsi Mikkola. 2014 zog er mit der österreichischen Künstlerin Sunanda Mesquita nach Europa, die später seine Ehefrau wurde.[3] Sein internationaler Durchbruch gelang 2018, als Kehinde Wiley seine Arbeiten auf Instagram entdeckte und ihn Galerien empfahl; kurz darauf wurden Boafos Leinwände in Räumen des Kunsthändlers Larry Gagosian gezeigt, der ihn als zukunftsweisend für die Porträtmalerei hervorhob.[3]

Er war 2019 einer der gefragtesten Künstler auf der Art Basel Miami Beach. Der ORF schrieb von einem „blitzartige[n] Aufstieg des Newcomers“ und führt das unter anderem darauf zurück, dass – im Zeitalter der Diversity – schwarze Kunstschaffende derzeit besonders gefragt seien. Zwar existierten Forderungen nach einem breiteren kunsthistorischen Kanon bereits seit den 1960er Jahren, doch hätten nunmehr auch tonangebende Institutionen wie das Museum of Modern Art in New York die Monopolstellung des alten weißen Künstlers für beendet erklärt.[4]

Der US-amerikanische US-Künstler Kerry James Marshall konstatierte, afroamerikanische Künstler hätten sich viel zu lange in die Abstraktion geflüchtet, „um nicht auf ihre Hautfarbe reduziert zu werden.“[4] Der schwarze Körper sei ein Mangel in der Kunstgeschichte. Die Antwort darauf sei der aktuelle Boom an Porträts und figurativer Malerei. Die wachsende Nachfrage spiegelte sich rasch in Auktionsergebnissen: 2023 brachte das fingerbemalte Porträt Joy Adenike bei Christie’s in London 252.000 US-Dollar ein, Yellow Dress erzielte 675.000 Pfund; der bisherige Rekord für Boafos Werke liegt bei 2,5 Millionen Pfund.[3]

Das Sammlerpaar Mera und Don Rubell hat eine Reihe seiner Werke erworben. Ankäufe gab es auch durch die Graphische Sammlung Albertina, das Hessel Museum of Art, die Sammlerin Eva Dichand und den Künstler Kehinde Wiley.[5] Das Leopold Museum in Wien sowie das Guggenheim Museum in New York zeigen ebenfalls Werke von Boafo.[2][1][6] Der Kurator Osei Bonsu (Tate Modern) wählte Boafos Gemälde Yellow Dress für den Umschlag seines Buches African Art Now und ordnet Boafos Porträtpraxis als Brücke zwischen historischen Porträttraditionen und dem Selfie-Zeitalter ein.[3]

2020 verwendete der Designer Kim Jones Werke von Boafo in der Sommerkollektion für Dior Men.[7] Im Februar 2020 wurde sein Gemälde The Lemon Bathing Suit bei einer Auktion des Auktionshauses Phillips für 813.000 € versteigert.[2] 2021 flog ein von Boafo gemaltes Triptychon einige Minuten lang mit einer New Shepard durchs Weltall.[1] Ergänzend dazu brachte er Arbeiten auf die Außenhülle der Rakete von Jeff Bezos an und zählte damit zu den ersten Künstlern, die im Weltraum ausstellten.[3]

Nach Jahren internationaler Reisen kehrte Boafo nach Accra zurück und arbeitet dort wieder.[3] Sein nahe der Küste gelegenes Studio- und Residenzhaus dot.ateliers – ein dreigeschossiger Komplex des ghanaisch-britischen Architekten Sir David Adjaye – nutzt eine poröse Breezeblock-Außenhaut zur natürlichen Ventilation; das dreispitzige Dach gilt als selbstbewusster Verweis auf Basquiats Kronenmotiv.[3] Vor Ort betreibt Boafo ein Artist-in-Residence-Programm und betont die kollaborative Dynamik der westafrikanischen Kunstszene, in der diese Ressourcen und Wissen teilt.[3] In der von Ekow Eshun kuratierten Gruppenschau In and Out of Time (Gallery 1957, Accra; bis 12. Dezember 2023) zeigte er ein Selbstporträt, das ihn von hinten, oben ohne und mit erhobenen Armen zeigt; er signierte es mit „Amoako Boafo King“, einem von ihm verwendeten Namen bzw. einer Bedeutung seines Namens.[3]

Stil

Seine Porträts erinnern in ihrer Expressivität an Egon Schiele. Die Titel sind simpel und deskriptiv: Hudson in a Baby Blue Suit, Looking Through Two Fingers oder Self in a Gucci Jacket.

„Seine figürlichen Porträts vor Farbflächen und abstrakten Interieurs malt er mit Ölfarbe, dabei entstehen die Gesichter und Hände mit Fingermalerei, die anderen Bildteile mit einem ausdrucksstarken Pinselstrich.“[8] Einige Sujets wirken wie Persiflagen auf Modefotografie, große Brillen, große Ohrringe, laszive Posen. Andere stellen eine Chronik der 2010er Jahre dar, Hudson With the Dog, Mr Palm Nii Okai oder Mustafa Red Bird Shirt, alle aus der Reihe Black Diaspora.

Gezeigt werden Menschen, die er bewundert, Bekannte und Freunde aus Wien, Berlin und Ghana, auch schwarze Ikonen, wie Tupac Shakur oder Jean-Michel Basquiat. Der Maler spielt souverän mit Topoi der schwarzen Befreiungsbewegung, beispielsweise im Bild In Yellow With Malcolm, gemeint Malcolm X, dessen Biographie er halb verdeckt umarmt hält.

Das Bild Hands Up wirkt freilich nicht wie eine Kritik der Unterdrückung, sondern wie ein Fashion Statement. Er bricht die Stereotypen der Maskulinität, die seine Jugend prägten. Lebensfreude ist ein durchgehendes Motiv und selbst eine Pose des Entsetzens, Justine Mendy, ist bunt gehalten, mit einem himmelblauen Hintergrund und einem gelb-roten Kleid fröhlicher Muster.[9][10][11] Der Kurator Osei Bonsu betont, Boafos Fingertechnik und Porträts verknüpften historische Porträttraditionen mit dem Bildselbst der sozialen Medien unserer Gegenwart.[3]

Zitat

„The primary idea of my practice is representation, documenting, celebrating and showing new ways to approach blackness.“

Amoako Boafo: Statement, sowohl auf seiner Website als auch auf der seiner Galeristin

Ausstellungen

  • 2019 Robert Projects, Culver City
  • 2019 Luce Galleria, Turin
  • 2019 Rotor – Center for Contemporary Art, Graz (Guerilla of Enlightment)
  • 2019 Strabag Kunstforum Wien[12]
  • 2019 Mietinnen Collection, Salon Dahlmann, Berlin[8]
  • 2023 In and Out of Time, Gallery 1957, Accra (Gruppenausstellung; Selbstporträt)[3]
  • 2024 Proper Love, Belvedere, Wien[13]

Auszeichnungen

  • 2008: „Portrait Painter of the Year“ des Ghanatta College of Art and Design
  • 2014: Arbeitsstipendium „Kültür Gemma!“[14]
  • 2017: Walter-Koschatzky-Kunstpreis
  • 2019: Strabag Artaward
Commons: Amoako Boafo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Felix von Boehm, Silke Hohmann: „Amoako Boafo. Ich möchte, dass Du das siehst“. In: Monopol. Magazin für Kunst und Leben (09/2021). September 2021, S. 44–58.
  2. a b c Von der Bildenden ins Guggenheim: Der Hype um Amoako Boafo. Abgerufen am 13. September 2021 (österreichisches Deutsch).
  3. a b c d e f g h i j k l m n Stephen Smith: Amoako Boafo – the Ghanaian artist who has exhibited in space. In: BBC News. 12. November 2023, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  4. a b ORF (Wien): „Black Power“ auf dem Kunstmarkt, 28. Dezember 2019
  5. ARTIST STATEMENT (Memento vom 15. Juli 2020 im Internet Archive), abgerufen am 14. April 2020
  6. ArtNews: Dieses Werk läutet die ZUKUNFT ein, abgerufen am 1. September 2024
  7. Tim Blanks: Why Dior’s Kim Jones Collaborated with Artist Amoako Boafo. In: The Business of Fashion. 13. Juli 2020, abgerufen am 17. Juli 2020.
  8. a b Nordische Botschaften: Amoako Boafo: »The Gaze, an Exchange«, abgerufen am 29. Dezember 2019
  9. Amoako Boafo - The Gaze, an Exchange: Celebrating Blackness, abgerufen am 15. April 2020
  10. Amoako Boafo, abgerufen am 14. April 2020
  11. Amoako Boafo’s Mesmerizing Portraiture Celebrates Blackness, abgerufen am 14. April 2020
  12. 3 sat: Amoako Boafo: "Bold" (Memento vom 29. Dezember 2019 im Internet Archive), 25. Oktober 2019, mit einem Porträt des Künstlers vor seinen Werken
  13. Amoako Boafo. Mit Klimt und Schiele zum Shootingstar. In: topos.orf.at. 24. Oktober 2024, abgerufen am 24. Oktober 2024.
  14. Strabag Artaward für Amoako Boafo, abgerufen am 14. April 2020