Amir Tataloo

Amir Tataloo (persisch امیر تتلو; bürgerlich Amir Hossein Maghsoudloo, persisch امیرحسین مقصودلو; * 21. September 1987 in Teheran) ist ein iranischer Sänger, Rapper und Songwriter. Er ist einer der bekanntesten und kontroversesten Künstler seines Landes und wird oft als Pionier des iranischen Hip-Hop und R&B betrachtet.[1]

Seit Dezember 2023 im Iran inhaftiert, wurde er im Januar 2025 wegen Blasphemie zum Tode verurteilt.

Leben

Frühes Leben

Amir Tataloo wurde in Teheran geboren und wuchs in einer Familie iranischer Aserbaidschaner auf. Er hat vier Geschwister.[2] Aufgrund der Arbeit seines Vaters verbrachte Amir seine Grundschulzeit in Rasht. Nach ein paar Jahren zog er zurück nach Teheran. Aufgrund der finanziellen Lage seiner Familie beschloss er, gleichzeitig zu arbeiten und zur Schule zu gehen. Im Alter von 14 bis 16 Jahren arbeitete er in einer Schreinerei und vom 16. bis zum 18. Lebensjahr in einem Lebensmittelladen.

Karriere

Nach seinem Schulabschluss begann er, sich der Musik zu widmen.[3] Er begann seine Musikkarriere 2003,[4] indem er Songs auf seinem Blog veröffentlichte.[5] Sein erstes Album, Zire Hamkaf, wurde 2011 veröffentlicht und seitdem hat er bis 2025 insgesamt 21 Alben veröffentlicht. Sein 2021 veröffentlichtes Album Fereshte ist das erste iranische Album, das bei dem Majorlabel Universal Music Group veröffentlicht wurde.[6]

Musikalischer Stil und Erfolg

Tataloo ist bekannt für seine Mischung aus Pop, Rap und R&B, die ihm eine große Fangemeinde unter der jüngeren Generation im Iran beschert hat. Seine Musik thematisiert oft soziale und politische Missstände im Iran, was ihn zu einer kontroversen Figur machte.[7] Nach dem Tod von Mahsa Amini durch die iranische Polizei im Jahr 2022 und den darauf folgenden Frau, Leben, Freiheit-Protesten verschärfte sich seine Kritik gegenüber dem iranischen Regime nochmals.[8] Ein prägnantes Beispiel hierfür ist seine Veröffentlichung Enghelab Solh, in der der politische Führer Irans, Ayatollah Ali Khamenei, namentlich genannt und kritisiert wird.[9]

Beziehungen und Konflikte mit dem iranischen Regime

Tataloo hatte eine komplexe Beziehung zum iranischen Regime.[10] Zunächst wurde er von konservativen Politikern hofiert, da sie in ihm einen Weg sahen, junge, liberal gesinnte Iraner zu erreichen.[11][12] Im Jahr 2015, noch vor dem Atomabkommen, das Teheran mit den Weltmächten unterzeichnete, machte Tataloo mit der Single Nuclear Energy Schlagzeilen.[13] In dem Musikvideo, das auf einem iranischen Kriegsschiff gedreht wurde, begrüßte der Rapper die nuklearen Ambitionen des Irans und verkündete das Recht des Landes, sich zu verteidigen.[14][15] Zwei Jahre später, im Jahr 2017, traf sich Tataloo mit dem konservativen Geistlichen und damaligen Präsidentschaftskandidaten Ebrahim Raisi und unterstützte ihn. Der Rapper bekräftigte seine Unterstützung für Raisi bei den Präsidentschaftswahlen 2021, die der ehemalige Oberste Richter

gewann.[14]

Gleichzeitig wurde Tataloo zwischen 2013 und 2018 mehrfach im Iran verhaftet, vor Gericht gestellt, zu insgesamt 7 Jahren Haft sowie rund 150 Peitschenhieben verurteilt und war mehrere Monate inhaftiert.[10][16] Die Verhaftungen von Amir Tataloo zwischen 2013 und 2018 resultierten aus Vorwürfen der iranischen Behörden bezüglich „Sittenlosigkeit“, fehlender Lizenzen und regimekritischer Inhalte. Diese Verhaftungen spiegelten den anhaltenden Konflikt zwischen seiner provokanten Musik und der strengen Zensur wider.[10][16]

Fünfjähriger Auslandsaufenthalt in der Türkei

2018 zog er zunächst nach Georgien, später nach Istanbul,[10] nachdem ihm die Lizenz zum Veröffentlichen von Musik im Iran entzogen worden war.[17] Instagram sperrte Tataloos Account 2019 wegen frauenfeindlicher Inhalte und der Förderung von Kinderheirat. Amir Tataloo baute seine Karriere nach der im Exil weiter aus, indem er in der Türkei und Georgien Konzerte abhielt und Alben veröffentlichte, die im Iran verboten waren. Trotz Repressalien erreichte er Rekorde auf Plattformen wie Instagram und YouTube durch Fan-Mobilisierung.[10][18][19]

In seinen Instagram-Storys behauptete Tataloo, er plane, einen „Sultanspalast“ in der Türkei zu errichten und Mädchen zwischen 15 und 20 Jahren einzuladen, ihm beizutreten.[20]

Ausreise und Verhaftung

Frustriert vom Leben im Exil und nachdem sein iranischer Pass abgelaufen war, versuchte er, die Türkei zu verlassen, um nach Teheran zurückzukehren.[21][22]

Im Jahr 2023 lehnten die türkischen Behörden zunächst seine Ausreise vom Flughafen Istanbul mit einem abgelaufenen iranischen Pass ab und nahmen ihn später fest und übergaben Tataloo im Dezember 2023 an die Polizei der Islamischen Republik,[22][23] wo er sofort verhaftet wurde, da ihm schwere Anschuldigungen drohten. Seitdem ist er im Iran inhaftiert.[7][24]

Gerichtliche Verfahren und Todesstrafe

Am 19. Januar 2025 wurde Tataloo wegen Blasphemie und Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt.[25] Die iranische Justiz bestritt, dass Tataloo zum Tode verurteilt wurde.[26] Tataloos ursprüngliche Haftstrafe von fünf Jahren wurde erhöht, nachdem die Staatsanwaltschaft Einspruch gegen das Urteil erhoben hatte. Tataloo wurde außerdem zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er laut Urteil „Prostitution“ gefördert habe. Die Staatsanwaltschaft warf ihm außerdem die Verbreitung von „Propaganda“ gegen die Islamische Republik und die Veröffentlichung „obszöner Inhalte“ vor.[25] Im Mai 2025 wurde unter Berufung auf einen ehemaligen Zellengenosse und Freund des Rappers berichtet, dass Tataloo im Gefängnis einen Suizidversuch unternommen habe.[27]

Diskografie

Alben

  • 2011: Zire Hamkaf
  • 2013: Tatality
  • 2014: Man
  • 2015: Shomareh 6
  • 2015: Mamnoo
  • 2016: Shomareh 7
  • 2017: Ghahreman
  • 2017: Amir
  • 2018: Sayeh
  • 2018: Jahanam
  • 2018: Barzakh
  • 2019: 78
  • 2020: Sheytan
  • 2021: Fereshteh
  • 2021: Sahm
  • 2022: Boht
  • 2022: Cosmos
  • 2023: Behesht
  • 2023: Yin Yang

Singles (Auswahl)

  • 2008: Vay Ke Che Halie (mit Ardalan Tomeh)
  • 2011: Gorg
  • 2011: Sana Heyran
  • 2011: Khabam Nemibare
  • 2015: Dari Be Chi Fekr Mikoni
  • 2016: Bezar Too Hale Khodam Basham
  • 2016: Eyde Emsal
  • 2016: Baghalam Kon
  • 2017: Timar
  • 2017: Navazesh
  • 2017: Ba To
  • 2018: Rafttanet
  • 2018: He
  • 2018: Sayeh
  • 2018: Sadi Chand
  • 2018: Shabe Tire
  • 2018: Jahanam
  • 2018: Maskhare Bazi
  • 2018: Man 2
  • 2018: Dele Man Havato Karde
  • 2019: Harvaght Ke Boodi
  • 2019: Khaar
  • 2019: Shabe Yalda
  • 2019: Ajab
  • 2019: Parishab
  • 2019: Taziyane
  • 2020: Gorg 2
  • 2020: Bezanam Naft Dar Biad
  • 2020: Darvaghe
  • 2020: Haramsara
  • 2020: Male Man Bash (mit Sohrab MJ & Orchid)
  • 2020: Mr. Lodeh (mit Sohrab MJ & Sepehr Khalse)
  • 2020: Khanoome Vaziri
  • 2020: Ajab 2
  • 2020: Ye Saram Be Ma Bezan
  • 2020: Shab Ke Mishe
  • 2020: Mikham
  • 2020: Holesh (mit Tohi)
  • 2020: Man Bahat Ghahram
  • 2021: To Bezar Boro Mano
  • 2021: Nagoo Na
  • 2021: Didi !?
  • 2021: Gham Gerefte Hame Kooche Haye Ma Ro
  • 2021: Parvaz
  • 2022: Boht
  • 2022: Behesht
  • 2022: Shokret (mit Reza Pishro & Tohi)
  • 2022: Jangale Tarik (mit Reza Pishro & Ho3ein)
  • 2024: Ye Chizi Begoo (mit Armin Zareei)
Commons: Amir Tataloo – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Iranischer Rapper Tataloo wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt. In: stern.de. (stern.de [abgerufen am 1. Februar 2025]).
  2. بازگشت تتلو به ایران / او توسط دادگاه ایران تحت تعقیب است + عکس. 1. Februar 2025, abgerufen am 1. Februar 2025 (persisch).
  3. Amir Tataloo age, hometown, biography. In: Last.fm. Abgerufen am 2. Februar 2025 (englisch).
  4. The Ayatollah’s Favorite Pop Star. In: Iran Wire. Abgerufen am 2. Februar 2025 (englisch).
  5. ROYAL BILIT: AMIR TATALOO KONSER IN THE ICC ISTANBUL. In: Royal Bilit. 1. Mai 2022, abgerufen am 2. Februar 2025 (türkisch).
  6. Kontroverser Künstler: Wegen „Unzucht“ – Zehn Jahre Haft für iranischen Rapper. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 14. Oktober 2024, abgerufen am 2. Februar 2025.
  7. a b Janine Karrasch: Iranischer Rapper wohl wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Nau.ch, 20. Januar 2025, abgerufen am 1. Februar 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
  8. Iranian rapper Tataloo once supported a hard-line presidential candidate. Now he faces execution. 8. Juni 2025, abgerufen am 8. Juni 2025 (englisch).
  9. Associated Press: Iran rapper Tataloo, Amir Hossein Maghsoudloo, faces death penalty. 8. Juni 2025, abgerufen am 8. Juni 2025 (amerikanisches Englisch).
  10. a b c d e Patrick Wagner: Der iranische Rapper Amir Tataloo wird in der Türkei festgenommen. In: Die Tageszeitung: taz. 30. Januar 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 1. Februar 2025]).
  11. Iran: Rapper Tataloo offenbar zum Tode verurteilt. In: ZDF. 20. Januar 2025, abgerufen am 1. Februar 2025.
  12. Wegen Vorwurf der Blasphemie: Rapper im Iran zum Tode verurteilt. In: Frankfurter Rundschau. 21. Januar 2025, abgerufen am 1. Februar 2025.
  13. Narges Bajoghli: How Iran is trying to win back the youth. In: The Guardian. 20. Juli 2015, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 1. Februar 2025]).
  14. a b Extradition of controversial rapper to Iran highlights danger for dissidents. In: AMWAJ Media. Abgerufen am 1. Februar 2025 (englisch).
  15. Kay Armin Serjoie: This Is the Surprising Way the Iranian Military Responded to the Nuclear Deal. In: Time Magazine. 16. Juli 2015, abgerufen am 1. Februar 2025 (englisch).
  16. a b Untergrund-Rapper Tataloo verhaftet. In: Iran Journal. 25. August 2016, abgerufen am 4. Januar 2026.
  17. تتلو آزاد شد. In: BBC News فارسی. (bbc.com [abgerufen am 1. Februar 2025]).
  18. Avang Music: Amir Tataloo Live in Concert Tbilisi Georgia. 24. März 2019, abgerufen am 4. Januar 2026.
  19. Amir Tataloo Height, Age, Girlfriend, Family, Biography. In: starsunfolded.com. Abgerufen am 4. Januar 2026 (britisches Englisch).
  20. Controversial Iranian Musician Amir Tataloo Faces Trial in Tehran. In: Iran Wire. Abgerufen am 1. Februar 2025 (englisch).
  21. Iran confirms death sentence for rapper Amir Tataloo after deportation from Türkiye. In: turkiyetoday.com. 10. Juni 2026, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
  22. a b Iran: Verbotener Rapper Tataloo zu mehrjähriger Haftstrafe verurteilt. In: Der Spiegel. 19. Mai 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. Januar 2026]).
  23. Paul Kruppa: "Unzucht": Iranischer Rapper Amir Tataloo zu zehn Jahren Haft verurteilt. In: Hiphop.de. Abgerufen am 4. Januar 2026 (deutsch).
  24. Iranian Rapper Tataloo Detained Upon Arrival After Being Deported From Turkey. In: RadioFreeEurope/RadioLiberty. (rferl.org [abgerufen am 1. Februar 2025]).
  25. a b Agence France-Press: Iranian court sentences pop star Tataloo to death for blasphemy. In: The Guardian. 19. Januar 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 21. März 2025]).
  26. Iran's Judiciary denies issuing death sentence for famous singer. In: iranintl.com. 19. Januar 2025, abgerufen am 21. März 2025 (englisch).
  27. Iranischer Rapper Tataloo begeht wohl Suizidversuch im Gefängnis. In: spiegel.de. 31. Mai 2025, abgerufen am 2. Januar 2026.