Amelia Peláez

Amelia Peláez y de Casal (* 5. Januar 1896 in Yaguajay, Las Villas; † 8. April 1968 in Havanna) war eine kubanische Malerin und Keramikerin. Sie gehörte zu den wenigen weiblichen Mitgliedern der kubanischen Avantgarde, einer Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, die maßgeblich zur Entwicklung des kubanischen Nationalbewusstseins beitrug.

Biographie

Jugend und Aufenthalt Europa

Amelia Peláez y de Casal entstammte einer Familie der kubanisch-kreolischen Mittelschicht. Ihr Vater, Manuel Peláez y Laredo, war Arzt, ihre Mutter Maria del Carmen del Casal y Lastra, eine Schwester des Dichters Julián del Casal. Dieser war zwar vor der Geburt seiner Nichte gestorben, wurde aber dennoch von ihr bewundert.[1][2] Amelia Peláez war das fünfte von elf Geschwistern.[3] Die Kinder erhielten Hausunterricht, weil die fortschrittlich gesinnte Mutter ihre Ausbildung mit katholisch geprägten spanischen Lehrplänen von öffentlichen Schulen vermeiden wollte. Ihren ersten Kunstunterricht erhielt Peláez von einer Malerin namens Doña Magdalena, die zuvor in der Unabhängigkeitsbewegung aktiv gewesen war.[1] Erst zwei Jahre vor der Geburt von Peláez war Kuba nach mehreren Kriegen von Spanien unabhängig geworden.[4]

Peláez studierte Malerei an der Escuela San Alejandro, wo sie Schülerin des Malers Leopoldo Romañach war. 1924 hatte sie gemeinsam mit María Pepa Lamarque ihre erste Einzelausstellung und besuchte einen Sommerkurs der Art Students League of New York. 1927 zog sie nach Paris und besuchte gemeinsam mit Lydia Cabrera die École Nationale Supérieure des Beaux-Arts sowie die École du Louvre und nahm an offenen Zeichenkursen in der Grande Chaumière teil.[1] Nach vier Jahren in Frankreich hatte Peláez ihren eigenen Stil noch nicht gefunden, deshalb schrieb sie sich an Fernand Légers Académie Moderne ein. Dort studierte sie Bühnenbild und Farbdynamik bei Alexandra Exter: Exter führte Peláez in die Moderne, die Abstraktion und neue Ausdrucksformen ein. Auch lehrte sie Peláez, als Künstlerin selbstbewusst und entschlossen zu sein.[1] 1933 stellte Peláez in der Galerie Zak aus; die Ausstellung wurde von Francis de Miomandre kuratiert. Zu sehen waren 33 Werke mit weiblichen Figuren, Landschaften und Stillleben aus, die die Vielfalt der künstlerischen Richtungen, die sie während ihrer Zeit in Europa erkundet hatte, demonstrierten.[5]

Als Malerin auf Kuba

1934 kehrte Amelia Peláez – im Alter von 38 Jahren – in ein politisch unruhiges Kuba zurück und richtete in ihrem Elternhaus Villa Carmela in La Víbora, einem Wohnviertel in Havanna, ein Atelier ein, in dem sie bis zu ihrem Tod arbeitete.[5] Die Villa war nach ihrer „resoluten“ Mutter benannt. Jahre später teilte Peláez das Haus mit ihren unverheirateten Schwestern Irene und Carmen. Das Gebäude war ein typisch altmodisches kubanisches Haus mit hohen Decken, Fliesenböden und zierlichen Schmuckstücken. „Der Innenhof, Vogelgezwitscher und Backen waren Amelias liebste Beschäftigungen. Ordnung, Zeitlosigkeit und die Abgeschiedenheit vom 20. Jahrhundert prägten ihr Leben dort.“[2] Der Kunsthistoriker Giulio V. Blanc schrieb, Amelia Peláez sei ein „Paradoxon“ gewesen: Einerseits Modernistin und „emanzipierte“ Frau, anderseits eine schüchterne, unverheiratete Frau des 19. Jahrhunderts, „geschützt vor der Welt durch die Gitterstäbe ihres Hauses und ihre Hingabe zu Mutter und Schwestern“. Auf wundersame Weise hätten sich diese beiden Persönlichkeiten in ihrer Kunst verschmolzen.[2]

Nach 1934 widmete sich Peláez fast ausschließlich zwei Arten von Gemälden und Zeichnungen: „kreolische Stillleben“ mit Blumen und Früchten und Darstellungen von Frauen, auch üppigen Akte.[2] „Sie erforschte die Rolle der zurückgezogen lebenden und oft kontrollierten Frauen der Oberschicht, was ihr aufgrund ihrer familiären Wurzeln in der kubanischen Kultur möglich war.“[1] Um 1936 begann sie erste Ölgemälde auszustellen, die sie nach seiner Rückkehr nach Kuba erschaffen hatte. Drei Jahre später malte sie Wandbilder für die Schule „José Miguel Gómez“ in Havanna und für die Lehrerbildungsanstalt in Santa Clara. 1940 nahm sie an der Ausstellung „Kunst in Kuba“ an der Universität von Havanna teil. Sie veröffentlichte Zeichnungen in den Zeitschriften Espuela de Plata (1939–1941), Nadie Parecer (1942–1944) und Orígenes (1944–1956).[5]

Zu Lebzeiten war es für Peláez äußerst schwierig, als Künstlerin ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Bei ihrer ersten Ausstellung in Kuba nach ihrer Rückkehr aus Paris wurden keine Bilder verkauft, da moderne Kunst eher abgelehnt wurde. Sie gab Kunstunterricht, um ihr Einkommen zu verbessern. Schließlich erlangten kubanische Modernisten in den 1940er Jahren internationale Anerkennung durch eine Wanderausstellung moderner kubanischer Kunst, die in den USA, Europa und Lateinamerika gezeigt wurde. 1941 wurden Werke von Peláez erstmals in New York in der Zeitschrift Norte vorgestellt, was zu Ankäufen ihrer Kunst durch das Museum of Modern Art führte.[1]

Um 1950 begann Peláez in einer Werkstatt in Santiago de las Vegas, mit Keramik zu arbeiten. Sie schuf Wandmalereien in verschiedenen Techniken für das Esso-Gebäude in Havanna (1951), den Rechnungshof in Havanna (1953), das Salesianerhaus „Rosa Pérez Velasco“ in Santa Clara (1956) und das Hotel Habana Hilton (1958), heute Habana libre. Sie nahm an den Biennalen in São Paulo, Mexiko-City und Venedig teil. 1964 hatte sie eine große Einzelausstellung in der Galería de La Habana, und drei Jahre später wirkte sie an dem Gemeinschaftsgemälde für den Salón de Mayo in Havanna mit. Bis Mitte des Jahres 1967 malte sie unermüdlich, dann verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand.[5] Sie starb am 8. April 1968 in Havanna im Alter von 72 Jahren.

Auf der Website Global Modern Women Artists des Smith Colleges heißt es über Amelia Peláez: Sie „gehörte zu den wenigen weiblichen Mitgliedern der kubanischen Avantgarde, einer Gruppe, die maßgeblich zur Entwicklung des kubanischen Nationalbewusstseins beitrug. In ihren Gemälden thematisierte sie Weiblichkeit und Architektur und verwendete dabei in ihrem charakteristischen kubistischen Stil dicke schwarze Linien und leuchtende Farben“.[6]

Literatur

Commons: Amelia Peláez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Biography — Amelia Peláez. In: Global Modern Women Artists. Abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b c d Giulio V. Blanc: Amelia Peláez. In: artnexus.com. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  3. Leon Latozke: Amelia Peláez: Avantgarde-Künstlerin zwischen Identität und Modernismus. In: kubakunde.de. 26. Januar 2024, abgerufen am 13. Dezember 2025.
  4. Vor 150 Jahren - Beginn des ersten Unabhängigkeitskrieges auf Kuba. In: deutschlandfunk.de. 12. Juli 2018, abgerufen am 13. Dezember 2025.
  5. a b c d Amelia Peláez del Casal. Museo Nacional de Bellas Artes de Cuba, abgerufen am 13. Dezember 2025 (spanisch).
  6. Amelia Peláez — Global Modern Women Artists. In: sites.smith.edu. Abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).