Altamira-Höhle und paläolithische Höhlenkunst von Nordspanien
| Altamira-Höhle und paläolithische Höhlenkunst von Nordspanien | |
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| UNESCO-Welterbe
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| Die Große Wand in der Höhle von Ekain (Nachbildung in Ekainberri) | |
| Vertragsstaat(en): | Spanien |
| Typ: | Kultur |
| Kriterien: | (i)(iii)
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| Pufferzone: | 2.234,706 ha |
| Referenz-Nr.: | 310
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| UNESCO-Region: | Europa und Nordamerika |
| Geschichte der Einschreibung | |
| Einschreibung: | 1985 (Sitzung 9)
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| Erweiterung: | 2008 |
Die Altamira-Höhle und paläolithische Höhlenkunst von Nordspanien ist eine Weltkulturerbestätte der UNESCO, die die bedeutendsten Zeugnisse paläolithischer Höhlenkunst der Iberischen Halbinsel umfasst. Ursprünglich bestand die Eintragung von 1985 nur aus der Höhle von Altamira in Santillana del Mar, die gelegentlich auch als „Sixtinische Kapelle der Höhlenkunst“ bezeichnet wird.[1] Im Jahr 2008 wurde die Stätte um siebzehn weitere Höhlen in den Regionen Kantabrien, Asturien und dem Baskenland erweitert, um den kulturellen Zusammenhang der frankokantabrischen Felskunst hervorzuheben.[2]
Beschreibung und Bedeutung
Die prähistorische Kunst in den Höhlen Nordspaniens entstand überwiegend während des Oberen Paläolithikums, etwa zwischen 35.000 und 13.000 v. Chr. Sie umfasst Malereien, Gravuren und Ritzzeichnungen von Tieren wie Auerochsen, Pferden, Bisons, Hirschen sowie abstrakte Zeichen. Diese Darstellungen bieten Einblicke in sowohl künstlerische Fertigkeiten als auch mögliche soziale und rituelle Praktiken der damaligen Jäger- und Sammlergesellschaften.[2][3]
Die Kunstwerke sind wichtige Zeugnisse menschlicher Kulturentwicklung und gehören zu den bestdokumentierten prähistorischen Felskunsttraditionen Europas. Die Stätten illustrieren die Verbreitung der frankokantabrischen Kunsttradition, welche sich vom heutigen Nordspanien bis nach Südfrankreich erstreckt.[2]
Forschungsgeschichte
Die Höhle von Altamira wurde 1868 von Modesto Cubillas entdeckt und ab 1875 von Marcelino Sanz de Sautuola erforscht. Die Echtheit der Malereien wurde zunächst kontrovers diskutiert, konnte jedoch durch den späteren Fund ähnlicher Höhlen in Frankreich, wie Les Combarelles und Font-de-Gaume, bestätigt werden. Die Anerkennung dieser Höhlenkunst als Ausdruck kultureller Leistungen des frühen Menschen stellte einen bedeutenden Wendepunkt in der Archäologie dar.[4][5][3][6]
Im 20. und 21. Jahrhundert wurden vielfältige archäologische, chemische und digitale Untersuchungsmethoden angewandt, welche das Verständnis der Kunstwerke und ihrer Entstehung vertieften.[7][8][9] Seit 2001 existiert in Santillana del Mar ein Museum mit einer detailgetreuen Nachbildung der Altamira-Höhle, um das originale Höhleninnere zu schützen.[10]
Liste der Höhlen
Die UNESCO-Weltkulturerbestätte umfasst mehrere bedeutende Fundorte in den Regionen Baskenland, Kantabrien und Asturien.
Baskenland
- Höhle von Santimamiñe in Cortézubi
- Höhle von Ekain in Deba
- Höhle von Altxerri in Aya
Kantabrien
- Höhle von Altamira in Santillana del Mar
- Höhle von Chufín in Riclones, Gemeinde Rionansa
- Cueva de Hornos de la Peña in Tarriba, Gemeinde San Felices de Buelna
- Höhlen am Monte Castillo in Puente Viesgo: El-Castillo-Höhle, Las Monedas, La Pasiega und Las Chimeneas
- Höhle von El Pendo in Escobedo de Camargo, Gemeinde Camargo
- Cueva de Covalanas in Ramales de la Victoria
- Höhle La Garma in Omoño, Gemeinde Ribamontán al Monte
Asturien
- La Peña de Candamo, Gemeinde Candamo
- Cueva de Tito Bustillo in Ribadesella
- Cueva de La Covaciella in Carreña
- Cueva de Llonin, Gemeinde Peñamellera Alta
- Cueva del Pindal in Ribadedeva
Erhalt und Schutz
Die prähistorischen Malereien in den nordspanischen Höhlen sind aufgrund ihrer Anfälligkeit für Klimaschwankungen, Lichteinwirkung und menschliche Präsenz besonders empfindlich. Deshalb sind viele Höhlen nur eingeschränkt oder gar nicht öffentlich zugänglich, um eine Schädigung der Kunstwerke zu verhindern. Ein gemeinsames Schutz- und Überwachungsprogramm der spanischen Behörden und der UNESCO stellt konservatorische Maßnahmen sicher und begleitet wissenschaftlich die Erhaltung der Stätten.[11][2][12]
Besucherzentren wie in Altamira, Ekainberri oder Tito Bustillo bieten detailgetreue Nachbildungen, um den Zugang für die Öffentlichkeit zu ermöglichen, ohne die Originale zu gefährden.
Zudem tragen technologische Innovationen wie digitale Bildanalysen und Umweltsensorik zur besseren Überwachung der Höhlen bei, um Risiken vorzubeugen.[8][11][12] Dennoch bleibt der Schutz der empfindlichen Stätten eine Herausforderung angesichts klimatischer Veränderungen und Besucherdruck.[2]
Anerkennung durch die UNESCO
Die Stätte „Altamira-Höhle und paläolithische Höhlenkunst von Nordspanien“ wurde 1985 erstmals in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen und 2008 um weitere bedeutende Höhlen des frankokantabrischen Kulturraums erweitert. Die UNESCO würdigt die Stätte insbesondere wegen der Erfüllung folgender Kriterien:
- (i) Meisterwerk menschlicher schöpferischer Begabung, dargestellt durch die außergewöhnliche Qualität der Höhlenmalereien.
- (iii) Ein einzigartiges und gut erhaltenes Zeugnis einer kulturellen Tradition, die heute nicht mehr existiert.
Die Welterbestätte dokumentiert die kulturelle und geografische Einheit der frankokantabrischen Kunsttradition und liefert wichtige Erkenntnisse zur Entwicklung des symbolischen Denkens im europäischen Jungpaläolithikum.[2]
Weblinks
- Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
- Neocueva y Museo de Altamira – Detailgetreue Nachbildung der Höhle und Museum in Santillana del Mar (spanisch)
Einzelnachweise
- ↑ Christian Weber: Steinzeitgemälde in Gefahr. In: Süddeutsche Zeitung. 7. Oktober 2011, abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ a b c d e f Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
- ↑ a b The Cave of Altamira. Bradshaw Foundation, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Altamira. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Marcelino de Sautuola. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ José Antonio Lasheras: The cave of Altamira – 22,000 years of history. In: Scandinavian Society for Prehistoric Art (Hrsg.): Adoranten. 2009, S. 6–10 (englisch, rockartscandinavia.com [PDF; 1,7 MB]).
- ↑ Qingfeng Shao et al.: Art in red: New dates for paintings in the Cave of Altamira, Santillana del Mar, Spain. In: Journal of Archaeological Science. Band 179, Juli 2025, S. 106235, doi:10.1016/j.jas.2025.106235 (englisch, elsevier.com [abgerufen am 5. Oktober 2025]).
- ↑ a b Miguel Ángel Rogerio-Candelera: Digital image analysis-based strategies for quantitative monitoring of rock art sites. In: Journal of Archaeological Science: Reports. Band 10, Dezember 2016, S. 864–870, doi:10.1016/j.jasrep.2016.06.041 (englisch, elsevier.com [abgerufen am 5. Oktober 2025]).
- ↑ Joana Valdez-Tullett, Sofia Figueiredo Persson: Digital Rock Art: beyond 'pretty pictures'. In: F1000Research. Band 12, 22. Mai 2023, ISSN 2046-1402, S. 523, doi:10.12688/f1000research.127249.1, PMID 39282513, PMC 11401991 (freier Volltext) – (englisch, f1000research.com [abgerufen am 5. Oktober 2025]).
- ↑ Himmel und Höhle - Altamira-Museum bei Santander eröffnet. In: BauNetz. 20. Juli 2001, abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ a b How SMOS could help conserve prehistoric cave art - Earth Online. In: earth online. ESA, 24. Oktober 2024, archiviert vom am 17. Dezember 2024; abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b Roberto Ontañón Peredo, María Isabel Sarró, Pablo Arias, Sergio Sainz de la Maza: Chapter 13 – The Conservation of Paleolithic Cave Art in Northern Spain. In: Lascaux et la conservation en milieu souterrain : Actes du symposium internationnal Paris, 26 et 27 Février 2009 (= Documents d’archéologie française). Éditions de la Maison des sciences de l’homme, Paris 2009, ISBN 978-2-7351-2992-8, S. 303–322 (englisch, openedition.org [abgerufen am 5. Oktober 2025]).