Altonaer Freiheit

Begründung: siehe LP. --Icodense 00:00, 24. Dez. 2025 (CET)


Altonaer Freiheit – weg von Hamburg! war eine in den 1980er Jahren entstandene Bürgerinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hatte, den Hamburger Bezirk Altona wieder zu einer selbstständigen Stadt zu machen, wie sie es bis 1938 gewesen war.

Geschichte

Die Initiative war ein „loser Kreis von Gleichgesinnten“ aus dem Umfeld ihres Gründers, des Altonaer Geschichtslehrers Olaf Wuttke, der ab 1986 die Grün-Alternative Liste (GAL) in der Bezirksversammlung Altona vertrat.[1] Bis 2012 war Wuttke Sprecher der Initiative.[2][3] Sie plädierte für das Bremer Modell mit zwei kommunal selbstständigen Städten in einem Bundesland[4] und schaltete sich diesbezüglich in die Diskussion um die Hamburger Bezirksverwaltungsreform ein. Als ersten Schritt verlangte sie die Rückführung der nach dem Zweiten Weltkrieg in das Hamburgische Staatsarchiv verbrachten Bestände des Altonaer Stadtarchivs; diese Forderung machten sich in einem einstimmigen Beschluss Mitte der 1990er Jahre sämtliche Bezirksversammlungsfraktionen zu eigen. Außerdem sollten Altonas Grenzen, insbesondere zu St. Pauli und zum Bezirk Eimsbüttel, wiederhergestellt werden.

Bekannt geworden war das sezessionistische Anliegen über Hamburgs Grenzen hinaus bereits 1980 noch vor dem Entstehen der Initiative durch ein Flugblatt mit einem Brief von Wuttke an die dänische Königin Margrethe II. mit der programmatischen Forderung „Altona muß zurück an Dänemark“ (Altona skal være dansk[Anm. 1]), worauf der zuständige Konsul mit einer diplomatischen Antwort reagierte.[1][2] Die Forderung sei damals in linken und subkulturellen Kreisen populär gewesen, doch es ging laut dem Historiker Knud Andresen weniger um Dänemark selbst, als „eine ironische Wendung, um Kritik an den hiesigen Verhältnissen zu üben“.[2]

Anfang der 1990er Jahre[4] erreichte die Initiative, dass am Altonaer Rathaus zu bestimmten Anlässen wieder die eigene neben der Hamburger Stadtfahne flaggt. Die symbolische Geste wurde eingeführt, nachdem ihr Sprecher und GAL-Abgeordneter Wuttke sich in der Bezirksversammlung dafür eingesetzt hatte.[2][5]

Nach 2014 hörte man nichts mehr von der Initiative.[4]

Öffentliche Wahrnehmung

1991 wurde ein Text zur Initiative Altonaer Freiheit als deutscher Beispieltext für ein dänisches Deutsch-Übungsbuch verwendet.[6] Das Lifestyle-Magazin Tempo befasste sich ein Jahr später mit dieser Initiative, die sie im Vergleich mit anderen Sezessionisten nicht als „Reaktionäre im Heimatwahn“ einordnete, sondern im „Anarcho“-Lager verortete.[7] In seinem Kriminalroman Schneewittchens Sarg (2007) persifliert der Autor Robert Brack sie unter der Bezeichnung Dänische Befreiungsfront. Der Stadtspiele-Verlag in Dresden widmet der Initiative in seinem Stadtverführer Hamburg auf der Karte über das Altonaer Rathaus einen längeren Abschnitt.[8] In der offiziellen Festschrift anlässlich des 350. Jahrestages der Verleihung der Stadtrechte[9] und in einer wissenschaftlichen Publikation[2] (beide 2014 erschienen) wird die Altonaer Freiheit in den Kontext der Erinnerungskultur eingeordnet.

Literatur

  • Stefanie Sifft: "Das wahre Tor zur Welt". Humorvoller Kampf um neue Unabhängigkeit. In: Hamburger Abendblatt. 15. Mai 1996, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. Juli 2014; abgerufen am 10. Januar 2026.
  • Maximilian Probst: Es gab immer Stunk. In: Die Tageszeitung. 3. April 2008, abgerufen am 10. Januar 2026.

Einzelnachweise

  1. a b Julian Willuhn: Forderung. Altona zurück nach Dänemark. In: Der Nordschleswiger. 31. Mai 2020, abgerufen am 10. Januar 2026.
  2. a b c d e Knud Andresen: Historische Erzählungen über Altona als Elemente von Stadtteilindentität und lokaler Geschichtskultur. In: Janina Fuge, Rainer Hering, Harald Schmid (Hrsg.): Gedächtnisräume: Geschichtsbilder und Erinnerungskulturen in Norddeutschland (=Formen der Erinnerung). Band 56. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8471-0243-4, S. 139 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Maximilian Probst: Es gab immer Stunk. In: Die Tageszeitung. 4. März 2008 (taz.de, Interview mit Olaf Wuttke).und Die Stadtteilserie: Altona-Altstadt: Der Stadtteil-Pate: Kai-Hinrich Renner, Abschnitt Das Original, Hamburger Abendblatt vom 27. Oktober 2012.
  4. a b c Ralf Lorenzen: 350 Jahre Altona: Wir Dänen. In: Die Tageszeitung. (taz Nord) 23. August 2014 (taz.de).
  5. Matthias Gretzschel: Nationalsozialismus: Das Groß-Hamburg-Gesetz: Als Hamburg Metropole wurde, abendblatt.de, 30. März 2012: „die Initiative "Altonaer Freiheit" gibt es bis heute. Und manchmal kann die überparteiliche Organisation sogar kleine Siege verbuchen: … Jeden vierten Donnerstag im Monat - dann tagt die Bezirksversammlung - wird vor dem historischen Altonaer Rathaus nicht nur die Hamburger, sondern auch die Altonaer Fahne gehisst.“
  6. „Altona zurück an Dänemark!“ in Folkeskolen (Hrsg.): Sprogforlagets Lytte- og Læsetekster til den nye Prøveform i Tysk. Nr. 3, Kopenhagen 1991, S. 25/26.
  7. Artikel „Wir wollen Staat machen“. In: Tempo, März 1992, Zitate auf S. 27 beziehungsweise 33.
  8. siehe diese Karte (Memento vom 26. August 2014 im Internet Archive) auf stadtspiele-verlag.de
  9. Klaus Sieg: Altona Rotweiss. In: Bezirksamt Altona (Hrsg.): 350 Jahre Altona. Festschrift 350 Jahre Stadtrechte. Hamburg 2014, S. 18–20.

Anmerkungen

  1. Das Motto bezieht sich darauf, dass der dänische König bis 1864 auch Landesherr von Holstein – zu dem Altona bis 1937 gehörte – war. Teil Dänemarks war Holstein allerdings nie.