Alte Kirche St. Pankratius und Sebastian (Warstein)
Die katholische Filialkirche St. Pankratius und Sebastian ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Warstein, einer Stadt im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen. Bis zur Errichtung der Pfarrkirche St. Pankratius im Tal war die seit dieser Zeit sogenannte Alte Kirche von der Zeit der Gründung von Stadt und Pfarrei bis zum 1. November 1857 katholische Pfarrkirche von Warstein. Seit dieser Zeit steht sie zum gottesdienstlichen Gebrauch der Pfarrei zur Verfügung und steht in Warstein als Wahrzeichen der Stadt in großer Verehrung.
Ein regelmäßiger Gottesdienst ist wöchentlich am Dienstagabend um 19 Uhr.
Geschichte und Architektur
Die dreijochige Hallenkirche liegt auf dem Stadtberg, der Erhöhung, auf der im endenden 13. Jahrhundert die Stadtgründung Warsteins geschah. Eine Kirche in Warstein wurde 1237 erstmals urkundlich erwähnt, es handelte sich um den Vorgängerbau in der heutigen Gemarkung Altenwarstein. Der wuchtige, quadratische Westturm stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und diente auch städtischen Zwecken. Der Chor ist rechteckig mit einem Fünf-Zehntel-Schluss. Die beiden schmalen Seitenschiffe enden in halbrunden Wandapsiden. Die schweren Rundpfeiler waren nach den Deckplatten zu urteilen ursprünglich in Kreuzform. Sie wurden wahrscheinlich in der Barockzeit verändert. Die Wände werden durch spitzbogige Fenster und Portale mit Blenden gegliedert. Im 18./19. Jahrhundert wurde vor dem früheren Haupteingang das ehemalige Totenhaus errichtet, das heute als Sakristei genutzt wird. Sein früherer Name „Luikhuiseken“ (plattdeutsch Leichenhäuschen) weist auf die ursprüngliche Nutzung hin. Mit den Restaurierungsarbeiten der 1960er Jahre wurde hier eine Sakristei eingerichtet, die sich zuvor hinter dem Hochaltar befunden hatte. Von der mittelalterlichen Sakristei ist nur noch die Eingangstür in der südlichen Chorwand vorhanden.
Nach dem Stadtbrand vom 31. Dezember 1802 wurde der Turm 1810 mit einer Welschen Haube bekrönt. Umfassende Restaurierungen des Inneren fanden 1897, 1921/22, 1961 bis 1965 und 1985 statt, das Äußere wurde 1951, 1965/66 und 2023/24/25 erneuert.
Das unmittelbare Gelände rund um die Kirche war bis 1844 Friedhof der Stadt und wurde in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg neu eingefasst. Bis heute sind hier einige Grabsteine aus dem 17./18. Jahrhundert vorhanden. Das im östlichen Bereich 1921/22 aufgestellte "Kriegerkreuz" mit der Darstellung des Eisernen Kreuzes erinnert an die Zeit, in der die Alte Kirche als "Kriegergedächtniskirche" für die aus Warstein im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten diente. Ein dazu aufgestelltes neubarockes Epitaph mit den Namen der verstorbenen Warsteiner Soldaten befindet sich heute im Turm der Pfarrkirche St. Pankratius. Im nördlichen Bereich des ehemaligen Friedhofs sind 1987 vierzehn Stationshäuschen eines "Kreuzwegs" aufgestellt worden sowie eine Gedenkstele für Pater Rupert Mayer und die selige Edith Stein.
Die Fassung der Wände und Gewölbe orientiert sich an barocken Vorbildern, Reste mittelalterlicher Bemalung finden sich an der östlichen Chorwand hinter dem Hochaltar. Im Zuge der Renovierungsarbeiten nach dem Ersten Weltkrieg wurden farbige neubarocke Fenster eingebaut, die 1965/66 durch die heutigen klarsichtigen Fenster aus Danziger Glas ersetzt wurden. Das mittlere Fenster im nördlichen Seitenschiff enthält eine Glasdarstellung des hl. Michael, die als früheres Fenster in dem heute verschlossenen Nordzugang des Turms von der Familie Fisch zu Beginn der 1950er Jahre gestiftet worden war.
Ausstattung
Die Kirche ist mit einer umfangreichen Barockausstattung aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und dem 18. Jahrhundert ausgestattet, die von regionalen Künstlern erstellt wurde.
- Der Hochaltar stammt aus der Zeit nach 1650 und zeigt ein Altarbild mit der Auferstehung Christi, das von den beiden Kirchenpatronen Pankratius und Sebastian umrahmt wird. Das obere Altarbild zeigt die Himmelfahrt Jesu Christi. Als oberer Abschluss thront eine barocke Muttergottes mit Jesuskind. Das große Altarbild stammt wahrscheinlich von Ferdinand Wedemhove aus Arnsberg, der ehemalige Tabernakel von dem Bildhauer Paul Gladbach aus Rüthen. Er wurde in der Restaurierung der 1960er Jahre geringfügig verkleinert und ist als Drehtabernakel mit drei verschiedenen Nischen gestaltet.
- Die beiden Seitenaltäre, der nördliche dem hl. Kreuz geweihte und der südliche der hl. Gottesmutter Maria geweihte Altar, stammen aus dem endenden 17. Jahrhundert aus der Werkstatt des Rüthener Bildhauers Paul Gladbach, die Altarblätter mit den Darstellungen der Verkündigung Mariens und der Kreuzauffindung wurden laut Inschrift 1697 gestiftet. Der Hl. Kreuz-Altar zeigt die Darstellungen des hl. Johannes des Täufers und des hl. Johannes Evangelist im mittleren Bereich, im oberen Bereich rahmen die Darstellung eines Bischofs, wohl des hl. Remigius, und der hl. Hubertus ein Medaillonbild der hl. Helena mit ihrem Sohn Konstantin. Der Marienaltar zeigt im Hauptbereich den hl. Joachim und den hl. Josef, im oberen Bereich den hl. Antonius von Padua, ein Medaillonbild der Gottesmutter und den hl. Antonius Eremit.
- Ein früher hier befindliches Vesperbild am rechten Chorbogen vom Anfang des 17. Jahrhunderts befindet sich seit 1968 in der katholischen St. Petrus-Kirche im Norden Warsteins.
- Die Kanzel stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus der Werkstatt der Bildhauer Adam Destadt und Leonard Falter in Schmallenberg und zeigt neben den vier Evangelisten den zum Weltgericht aufrufenden Erzengel Michael.[1]
- Die Kommunionbank entstand im frühen 18. Jahrhundert. Zwei barocke Prozessionsstangen zeigen den hl. Pankratius und den hl. Erzengel Michael.
- In der Nordwand befindet sich eine mittelalterliche Hl. Grab-Nische, in der eine spätbarocke Muttergottes-Darstellung steht, die als Tragfigur bei früheren Prozessionen mitgeführt wurde.
- Fünfzehn lebensgroße Statuen an den Kirchenwänden, darunter die Darstellungen der zwölf Apostel, entstanden um 1650 vermutlich in der Werkstatt von Diederich Schriener aus Warstein.
- Eine Orgel mit 23 Registern auf zwei Manualen mit mechanischer Traktur aus der Werkstatt Stockmann in Werl. Hier befand sich seit 1801 die spätbarocke Orgel aus dem säkularisierten Kloster St. Annen-Rosengarten in Lippstadt, die in den endenden 1940er Jahren durch eine 13-registrige Orgel aus dem Lehrerseminar Rüthen ersetzt worden war.
- Eine marmorne Gedächtnistafel an die aus Warstein stammenden Gefallenen u. a. des Krieges 1870/71 an der Wand des nördlichen Seitenschiffes.
- Ein Gemälde der seit 1783 bestehenden Warsteiner Fußwallfahrt nach Werl von 1935, das früher in dem Außenbereich der Wallfahrtsbasilika Werl aufgehängt war.
- Der heutige Tabernakel in der mittelalterlichen Sakramentsnische der nördlichen Chorwand von 1978 aus der Werkstatt Winkelmann in Möhnesee-Günne mit einem Putto aus dem ehemaligen Tabernakel des Hochaltars.
- Der heutige Zelebrationsaltar von 1985 aus barocken Elementen der früheren Kommunionbank aus der Pfarrkirche St. Christophorus in Warstein-Hirschberg.
- Das dreistimmige Geläut aus „Briloner Sonderbronze“ im Hauptturm ist gestimmt auf das Te-Deum-Motiv c'-es'-f' und wurde 1946 von Albert Junker in Brilon gegossen. Es ersetzt frühere Geläute. Im Dachreiter hängt eine kleine Glocke von 1805, die ehemals als Schulglocke der 1803 errichteten Schule diente.
- Zwei Grabplatten an der vorderen Wand des südlichen Seitenschiffes aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie stammen von dem damaligen Pfarrer Antonius Schledde und dem Bürgermeister Franz Ludwig Pape.
- Zur Weihnachtszeit beeindruckt im hinteren Kirchenraum die "Warsteiner Heimatkrippe". Dabei sind die typischen Krippenfiguren mit Warsteiner Gebäuden wie der Alten Kirche, des Zehnthofs, einer Schmiede und mehrerer Wohnhäuser umgeben, die das weihnachtliche Geschehen versinnbildlicht nach Warstein übertragen will. Sie entstand Ende der 1990er Jahre durch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Warstein und Freunde.
Literatur
- Dorothea Kluge, Wilfried Hansmann (Bearb.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen, Band 2: Westfalen. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1969.
- Kath. Pfarramt St. Pankratius, Warstein: Begleiter durch die Kirchen in Warstein. Informationsflyer, August 2001.
- Dietmar Lange (Hrsg.): Ecclesia Warsteinensis. 750 Jahre Kirche in Warstein. Pfarrei St. Pankratius, Warstein 1987.
- Dietmar Lange (Hrsg.): Warstein. Geschichte, Tradition, Menschen. Mues + Schrewe, Warstein 2025.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Dorothea Kluge, Wilfried Hansmann (Bearb.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen, Band 2: Westfalen. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1969, S. 581.
Koordinaten: 51° 26′ 50,5″ N, 8° 21′ 3,7″ O