Alois Grasmayr

Aloisius Grasmayr (* 28. März 1876 in Hohenzell bei Ried im Innkreis; † 11. März 1955 in Salzburg) war ein österreichischer Lehrer, Hotelier und Schriftsteller tw. unter dem Pseudonym Christoph Wegbauer.

Leben

Aloisius Grasmayr wurde als Sohn des Kleinbauern Michael Grasmayr und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Pointner in Hohenzell bei Ried im Innkreis geboren. Nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalt Salzburg war er hier als Landschullehrer, später auch im Pongau, im Innviertel und im steirischen Hochgebirge tätig. Grasmayr unternahm ausgedehnte Wanderungen und Fahrradreisen nach Italien und Skandinavien. Er liebte es, barfuß zu gehen, selbst in der Stadt Salzburg.[1] Durch seine literarische und künstlerische Tätigkeit schloss er Bekanntschaft mit bedeutenden Literaten und Künstlern, u. a. Peter Rosegger, Gustav Frenssen und Hermann Bahr.

Am 5. November 1913 wurden der langjährige Junggeselle mit 37 Jahren und die 32-jährige Magda Mautner von Markhof (* 14. April 1881; † 22. August 1944) aus der Wiener Großindustriellenfamilie Mautner Markhof im Salzburger Dom getraut. So kam Alois plötzlich zu einem beträchtlichen Vermögen. Vier Söhne bekam das Paar: Nikolaus Michael „Klaus“ (Dr. phil., 1914–1998), Gottfried (1918–1943) und Peter (Dr. jur., 1916–1944).[2] Der jüngste Sohn Christoph, der am 17. Februar 1922 geboren worden war,[3] starb infolge einer Lungenentzündung bereits am 21. Dezember 1924 und wurde an Heiligabend 1924 auf dem Salzburger Kommunalfriedhof beigesetzt.

Die Hochzeitsreise führte Alois und Magda nach Ägypten und in den Sudan. Das Vermögen, das Magda geerbt hatte, wurde klug eingesetzt: 1914/15 kaufte Alois in Salzburg das „Hotel Stein“ und das „Hotel Bristol“, später noch die „Blaue Gans“ und das „Sternbräu“. Auf dem Salzburger Mönchsberg 18 kaufte er 1915 ein weiteres Haus, das sich auszeichnete durch einen siebenstöckigen Turm mit drehbarer gläserner Weltkugel. In diesem Haus, der sog. Grasmayr-Villa, trafen sich u. a. Richard Billinger, Felix Braun, Stefan Zweig und Rudolf Pannwitz. Eine lebenslange Freundschaft verband ihn mit Ludwig Praehauser. Der Kauf der Hotels in Salzburg und der anderen Immobilien sowie des Landgutes in Elsbethen half ihnen, der drohenden Geldentwertung zu entkommen. Gegen den Widerstand der Baubehörde stockte er 1924 das Hotel Stein um ein Stockwerk auf und schuf damit das „Café Steinterrasse“ (Steinsitz-Bar) mit seinem bekannten Ausblick auf Salzburg.

In der Zwischenkriegszeit führten ihn Reisen in die Vereinigten Staaten zum Studium des US-amerikanischen Schul- und Hochschulwesens. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der überzeugte Pazifist zeitweise wegen „Wehrkraftzersetzung“ inhaftiert. Seine Hotels musste er wegen finanzieller Schwierigkeiten, ausgelöst durch die 1933 verhängte 1000-Mark-Sperre, nach und nach verkaufen; die Villa auf dem Mönchsberg auf der Südseite des Salzburger Altstadthügels und das „Hotel Stein“ an der Staatsbrücke blieben der Familie erhalten.

Weitgehend unbekannt ist es, dass Alois Grasmayr seit 1897 einen unehelichen Sohn hatte, der auf den Namen Alois Maier getauft worden war[4][5]. Dessen Mutter war die Stickerin Maria Maier aus Ried. Durch Behördenbeschluss wurde erwirkt, dass der damals Zehnjährige ab dem 3. August 1907 den Nachnamen Grasmayr tragen durfte[6]. In den Matrikeln zu seiner Hochzeit 1920[7][8][9] wird „Kanzleibeamter“ als sein Beruf genannt.

Eine heftige Auseinandersetzung 1938 zwischen Vater und Sohn verstärkte den politischen Druck auf den Hotelbesitzer Alois Grasmayr.[10][11] Nach einem Besuch in Salzburg 1938 erwähnte Czeschka in einem Brief[12], dass es dabei um Erpressung und Denunziation des (ungeliebten) Sohns gegen den Vater ging. Dem Sohn war möglicherweise bekannt geworden, dass Grasmayr als entschiedener Nazigegner seit 1933 (bis 1944) der fünfköpfigen Familie des verfemten Malers Eduard Bäumer (1892–1977) Räume zum Wohnen und als Atelier zur Verfügung stellte. Bäumer war mit der Jüdin Valerie Feix verheiratet. Ab 1944 fanden die Bäumers Unterkunft in Weißbach bei Lofer, dank des dortigen Pfarrers der Wallfahrtskirche und konnten die Nazizeit überleben.[13]

Grasmayr verfasste zahlreiche Aufsätze über seine Reisen, philosophische Abhandlungen, die ihn als Mythenforscher auswiesen, und vor allem einen Kommentar zu Goethes Faust („Faustfibel“), der im Zweiten Weltkrieg verloren ging. In Salzburger Mundart schrieb er neben Volksstücken und Erzählungen auch sein wichtigstes Werk „Das Faustbüchl“. Teilweise geschah dies unter dem Pseudonym Christoph Wegbauer.[14][15] Am 15. November 1951 erschien in den „Salzburger Nachrichten“ eine lange Würdigung des 75-jährigen Grasmayr mit dem Titel „Roman eines bunten Lebens“.[16]

Alois Grasmayr lebte nach dem Tod von Magda 1944 mit der geschiedenen Irmgard von Hebra[17][18][19] zusammen, die er im Januar 1949 heiratete.[20] Er starb überraschend während eines Frühstücks am 11. März 1955 in seinem geliebten „Hotel Stein“.

Der Sohn Klaus wurde alleiniger Erbe[21], nachdem seine beiden Brüder Gottfried und Peter im Zweiten Weltkrieg gefallen waren. Bei der Erbschaft der elterlichen Kunstsammlung ging es insbesondere um das Gemälde von Gustav KlimtDie Hoffnung I[22] sowie um das Gemälde von Egon Schiele „Herbstbaum in bewegter Luft“[23] und um Zeichnungen von Gustav Klimt, die sich heute im Leopold-Museum befinden. Laut Auskunft vom Salzburger Landesarchiv[24] erbte Irmgard als 2. Ehefrau nichts. Stattdessen erhielt sie lebenslanges Wohnrecht und eine tägliche Mahlzeit. Klaus heiratete Hilde Maria Kulicska. Die gemeinsame Tochter Hilde[25] übernahm die Leitung des Hotels Stein und die beiden Söhne Bernhard und Peter übernahmen das „Café Steinterrasse“.

Ausgewählte Schriften

  • Das Faustbüchl : Goethes Faust 1. und 2. Teil für den Alltag und in österreichischer Mundart erzählt und ausgelegt / erzählt und ausgelegt von Alois Grasmayr. Verlag „Das Silberboot“, Salzburg 1949.
  • Vom Reichtum der Armut. Eine Autobiographie. Hrsg. von Johann N. Aigner und Franz Paul Enzinger, Verlag der Salzburger Druckerei, Salzburg 1990.
  • Die sieben Berge der Bibel. Salzburg 1943.

Literatur

  • Johann Aigner: Der Faust vom Mönchsberg. Erinnerungen an Alois Grasmayr. Verlag der Salzburger Druckerei, Salzburg 1986 (Hinweis in der Google-Buchsuche).
  • Adolf Haslinger, Peter Mittermayr (Hrsg.): Salzburger Kulturlexikon. Residenzverlag, Salzburg 2001, ISBN 3-7017-1129-1.
  • Martin Moser: Alois Grasmayr (1876–1955) „Der Faust vom Mönchsberg“ oder „Vom Bauernbub zum reichen Hotelier“. In: Der Bundschuh. Schriftenreihe des Museums Innviertler Volkskundehaus. Bd. 14 (2011), S. 89–93.
  • Walter Thaler: Alois Grasmayr. Der Barfuß-Millionär und „Faust“ vom Mönchsberg. In: ders.: Erinnerungswürdig. Prägende Persönlichkeiten der Salzburger Geschichte. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2022, ISBN 978-3-7025-1033-6, S. 92–95.
  • Peter Walder-Gottsbacher: Nonntal. Innerer und Äußerer Stein in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1996, ISBN 90-288-6349-4.

Einzelnachweise

  1. https://www.sn.at/salzburg/kultur/buch-ueber-vergessene-persoenlichkeiten-der-barfuss-millionaer-und-das-stubenmaedchen-von-freud-art-431785
  2. https://www.zobodat.at/pdf/Hoehle_71_0158-0172.pdf
  3. siehe Salzburger Volksblatt v. 21. Febr. 1923, Seite 6
  4. 6. Februar 1897 – 9. November 1968
  5. https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-st-andrae/TFB15/?pg=317
  6. Matrikel Taufregister Salzburg St. Andrae auf S. 312 Nr. 33
  7. 12. Juli 1920 mit der Klavierlehrerin Hilda Siegmund
  8. 1. März 1894 Wien 1 – 12. Dez. 1960 Salzburg
  9. Matrikel Trauungsbuch 1920 Salzburg Mülln auf S. 184 Nr. 40
  10. Dies erläutert Carl Otto Czeschka in einem Brief an Josef Hoffmann vom 23. Dezember 1938, der erwähnt wird in dem Czeschka-Buch von Heinz Spielmann S. 237
  11. https://archive.org/details/oapen-20.500.12657-63300/page/237/mode/2up
  12. der sich in der Wienbibliothek im Hoffmann-Nachlass befindet
  13. https://da.bidspirit.com/ui/lotPage/widder/source/catalog/auction/28015/lot/17759/canonical?lang=de
  14. http://www.sbg.ac.at/slita/archiv/besta.htm#g
  15. Christoph Wegbauer (Alois Grasmayr): Die sieben Berge der Bibel. (Vorwort; 1. Der Berg Sinai;. 2. Der Berg Nebo; 3. Der Berg der Versuchung; 4. Der Berg der Bergpredigt; 5. Der Berg Tabor; 6. Der Ölberg; 7. Der Calvarienberg. Die Stadt Gottes. Nachwort, geschrieben Weihnachten 1943 in Gedenken an meine in Russland verlorenen Söhne)
  16. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=san&datum=19511115&seite=3&zoom=33&query=%22Grasmayr%22&ref=anno-search von W. Schaub
  17. 1905–1995
  18. Irmgard Wendt aus Leipzig hatte 1924 den Rittmeister Ferdinand Feri von Hebra (1879–1963) geheiratet. Die Ehe wurde am 18. Januar 1949 geschieden, sodass ihrer Eheschließung mit Grasmayr noch im selben Monat nichts mehr im Wege stand
  19. https://sammlung-online.salzburgmuseum.at/detail/collection/4dc5ab65-61b6-4961-a0dd-c4930d6578de
  20. Michael Wladika: Egon Schiele, Herbstbaum in bewegter Luft. Dossier „LM mv. Nr. 449“. Hrsg.: Leopold Museum-Privatstiftung. 2010, S. 9 (leopoldmuseum.org [PDF]).
  21. beschluss_schiele20110330_1
  22. Es wurde 1970 von der National Gallery of Canada in Ottawa gekauft.
  23. https://onlinecollection.leopoldmuseum.org/objekt/523-herbstbaum-in-bewegter-luft-winterbaum/
  24. (GZ 1 A 223/1955)
  25. Dipl.-Dolm. Hilde Tomasi, 1941–2022, verh. mit Helmut Tomasi