Alioune Blondin Béye

Alioune Blondin Béye (8. Januar 1939 in Bafoulabé, Mali − 26. Juni 1998 nahe Abidjan, Elfenbeinküste) war ein malischer Jurist, Diplomat und Politiker.[1][2] Er war von 1978 bis 1986 Außenminister seines Landes.[2] Ab Juni 1993 diente er als Sondergesandter des UN-Generalsekretärs für Angola.[2] Er spielte eine Schlüsselrolle beim Zustandekommen des Lusaka-Protokolls vom 15. November 1994.[3] In Bamako trägt die École de maintien de la paix seinen Namen.[1]

Leben

Béye wurde 1939 in Bafoulabé im Westen Malis geboren und studierte Rechts- und Politikwissenschaft an der Universität Dijon, wo er 1971 abschloss.[4] Anschließend lehrte er als Professor an der École nationale d’administration in Bamako und wurde als Rechtsanwalt zugelassen.[4] Unter Präsident Moussa Traoré war er zunächst Minister für Jugend, Kunst, Sport und Kultur und wurde 1978 zum Außenminister berufen, ein Amt, das er bis 1986 ausübte.[2][4] Nach seiner Regierungszeit arbeitete er als Rechtsberater des Präsidentenamts in Bamako und wechselte anschließend zur Afrikanischen Entwicklungsbank, wo er u. a. Generalsekretär und später Leiter der Rechtsabteilung war.[4] Er gehörte zudem der Afrikanischen Kommission der Menschenrechte an.[1] Béye war verheiratet und hinterließ vier Kinder.[4]

Wirken

Im Jahr 1993 ernannte UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali Béye zum Sondergesandten für Angola.[2] Als Vermittler brachte er Regierung und UNITA wiederholt an den Verhandlungstisch und trug wesentlich dazu bei, dass in Lusaka am 15. November 1994 das Friedensabkommen unterzeichnet wurde.[5][3] Als Sondergesandter vertrat er die Vereinten Nationen bei der Unterzeichnung des Lusaka-Protokolls und begleitete in der Folge die politischen Bemühungen zu dessen Umsetzung.[3][5] Béye verunglückte am 26. Juni 1998 bei einem Flug von Lomé nach Abidjan während des Anflugs nahe Abidjan tödlich.[6][2] Sein Tod erschütterte den ohnehin stockenden Friedensprozess in Angola.[7] Der Präsident der UN-Generalversammlung sprach den Angehörigen öffentlich sein Beileid aus, und US-Außenministerin Madeleine Albright würdigte Béyes diplomatisches Geschick und Optimismus.[8] Zehn Jahre nach seinem Tod wurde ihm am UN-Hauptquartier in New York mit einer Gedenkfeier gedacht.[5] Für seinen Einsatz erhielt Béye 1997 den Deutschen Afrika-Preis, und in Bamako trägt die Friedensschule seinen Namen.[4][1]

Einzelnachweise

  1. a b c d Maître Alioune Blondin BEYE. In: EMPABB – Alioune Blondin Beye Peacekeeping School. Abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  2. a b c d e f SECRETARY-GENERAL'S REPRESENTATIVE FOR ANGOLA DIES IN PLANE CRASH. In: United Nations. 29. Juni 1998, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  3. a b c Lusaka Protocol (1994). In: Refworld (UNHCR). 15. November 1994, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  4. a b c d e f Maître Blondin Beye (Mali) — Winner of the German Africa Award 1997. In: Deutsche Afrika Stiftung e.V. Abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  5. a b c Life of UN envoy Alioune Blondin Beye celebrated on anniversary of his death. In: UN News. 26. Juni 2008, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  6. UN UCAH Humanitarian Assistance in Angola: 16–30 June 1998. In: Development Workshop Angola (UN UCAH Bulletin). 30. Juni 1998, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  7. Angola: Peace process shaken by Beye's death. In: ReliefWeb. 1. Juli 1998, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  8. Assembly President expresses condolences on deaths of Angola envoy and five UN observers. In: United Nations. 30. Juni 1998, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).