Alice Lehndorff-Stauber

Alice Lehndorff-Stauber (* 29. August 1881 in Wien/Österreich-Ungarn; † 22. Juni 1960 in New Rochelle, Westchester, Bundesstaat New York, USA) war eine US-amerikanisch-österreichische Ärztin, Dermatologin und Psychotherapeutin sowie Verfolgte des Nationalsozialismus.

Leben

Alice Lehndorff-Stauber wurde als Alice Stauber geboren.[1] Sie war die Tochter der Eheleute Adalbert (Bela) Stauber (1847–1909) und Johanna Stauber, geborene Kohn (1856–1930). Der Vater war Arzt.[2] Alice Stauber wuchs gemeinsam mit ihrer Schwester Helene Charlotte auf. Alice Stauber ehelichte im Jahr 1912 den Kinderarzt Heinrich Alfred Lehndorff (1877–1965).[3] Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Peter und Annemarie.[4][5]

Alice Stauber besuchte des Mädchenlyceum des Wiener Frauen-Erwerbs-Vereins. Von 1902 bis 1907 studierte sie Medizin an der Universität Wien. Sie beendete das Studium mit der medizinischen Promotion.[A 1] Nach dem Studium arbeitete sie als Assistenzärztin am Rudolf Spital in Wien und eröffnete zudem eine eigene Arztpraxis in Wien 3, Rudolfsgasse 25. Am Rudolf Spital absolvierte sie die Facharztausbildung zur Dermatologin. Anschließend an diese Ausbildung wurde sie Ärztin bei der Genossenschaftskrankenkasse Wien und eröffnete eine Ordination für Hautkrankheiten bei Frauen.[6] Diese befand sich in Wien 1, Rathausstrasse 8. Lehndorff-Stauber war regelmäßige Referentin in der Wiener Volksbildung. Sie hielt im Ersten Weltkrieg unter anderem Lichtbildvorträge zu Themen wie dem Schutz vor Kriegsseuchen oder dem Zusammenhang zwischen Krieg und Geschlechtskrankheiten. Hierfür wurde ihr am Kriegsende 1918 vom Roten Kreuz eine Auszeichnung verliehen. Nach dem Krieg wurden der Mutterschutz, die Kinderpflege sowie hygienische Fragen der neue Schwerpunkt ihrer Vorträge in der Volksbildung. 1924 nahm Lehndorff-Stauber eine Tätigkeit im Ersten Wiener Kinderkranken-Institut im Ambulatorium für Psychotherapie in Wien 1, Kleeblattgasse, auf. Später übernahm sie, zunächst gemeinsam mit Erwin Otto Krausz[7] und später mit Luise Reich, die Leitung des Ambulatoriums.[8][9][10] 1920 beschäftigte sie sich an der Kinder-Klinik im Allgemeinen Krankenhaus bei Clemens Pirquet (1874–1929) mit der Morphium-Allergie der Haut. 1930 wurde Lehndorff-Stauber Vorstandsmitglied im Verein für Individualpsychologie um Alfred Adler und leitete gemeinsam mit Martha Holub[11] die Arbeitsgemeinschaft Einführung in die Individualpsychologie durch Übungen und Interpretationen. Hier wurden Adler’sche Theorien diskutiert.[6]

Die Familie Lehndorff-Stauber war jüdischen Glaubens. 1938, nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland, gelang der Familie die Flucht nach England. Im Dezember 1939 setzte die Familie mit der SS Georgic nach New York City über. Alice Lehndorff-Stauber fand dort als Social Service Auxiliary eine Anstellung am Mount Sinai Hospital.[6] Ihr Ehemann, Heinrich Lehndorff arbeitete als Kinderarzt am New York Medical College und eröffnete später eine Privatpraxis in New Rochelle, NY.[12]

Veröffentlichungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. Matriken der IKG Wien, Geburtsbuch, 1881: Stauber Alice.
  2. Alice Lehndorff-Stauber im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  3. Heinrich Lehndorff im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  4. Lehndorff-Stauber Alice. In: biografia.sabiado.at. Institut für Wissenschaft und Kunst e. V., abgerufen am 9. Oktober 2025.
  5. Dr. Peter G. Lehndorff in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 9. Oktober 2025.
  6. a b c Walter Mentzel: Aus den medizinhistorischen Beständen der UB Meduni Wien [329]: LEHNDORFF-STAUBER, ALICE – Dermatologin, Ärztin bei der Genossenschaftskrankenkasse Wien, Leiterin des Ambulatoriums für Psychotherapie am Ersten Wiener Kinderkranken-Instituts, NS-Verfolgte. In: ub.meduniwien.ac.at. 26. Mai 2025, abgerufen am 9. Oktober 2025.
  7. Anita Schedl: Erwin Otto Krausz. In: individualpsychology.wordpress.com. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
  8. Gaby Simonic: Luna Reich. In: individualpsychology.wordpress.com. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
  9. Lisa Martinetz: Alice Lehndorff-Stauber. In: individualpsychology.wordpress.com. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
  10. Clara Kenner: Der zerrissene Himmel. Emigration und Exil der Wiener Individualpsychologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 150 f.
  11. Holub Martha. In: biografia.sabiado.at. Institut für Wissenschaft und Kunst e. V., abgerufen am 9. Oktober 2025.
  12. Katharina Kniefacz: Gedenkbuch für die Opfer des NS: Heinrich Lehndorff. In: gedenkbuch.univie.ac.at. Universität Wien, abgerufen am 9. Oktober 2025.

Anmerkungen

  1. Es gibt lediglich einen französischen Autoren, der eine Dissertation erwähnt. Ansonsten gibt es keine weiteren Hinweise auf eine Promotion oder einen anderen akademischen Abschluss. Lehndorff-Stauber hat auch nie einen Doktortitel geführt, es wurde auch in keiner ihrer Publikationen ein solcher angegeben. Das Außergewöhnliche scheint zu sein, dass Lehndorff-Stauber, ohne akademischen Abschluss, in der Wiener akademischen Welt akzeptiert wurde. - So Walter Mentzel, Med.Uni Wien.