Alfred Müller (Brigadegeneral)
Friedrich Alfred Müller (* 23. November 1915 in Kaltensondheim;[1] † 2. Juli 1997 in Münster) war ein deutscher Oberstleutnant der Wehrmacht, der 1943 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde. Nach Kriegsende wurde er Diplom-Agrarökonom. Von 1956 bis 1975 diente er im Heer der Bundeswehr, zuletzt als Brigadegeneral, wo er Kommandeur der Panzerbrigade 33, der Panzerlehrbrigade 9 und der Kampftruppenschule II/III war.
Leben
Müller, Sohn eines Erbhofbauers, trat Anfang April 1935 als Offizieranwärter in das Artillerie-Regiment München, später in das Artillerie-Regiment 7 umbenannt, ein, das zur 7. Infanterie-Division gehörte. Im Oktober 1936 wechselte er in die 3. Batterie des Artillerie-Regiments 74 der 2. Panzer-Division und wurde hier sowohl am 1. April 1937 zum Leutnant befördert,[2] als auch im April 1938 Adjutant der I. Abteilung. Ab Mai 1938 diente er hier als Ordonnanzoffizier. Zum 1. Oktober 1938 wurde er Regimentsadjutant in Wien.[2] Mitte Februar 1940 ging er zum Artillerie-Lehr-Regiment 2 nach Jüterbog und wurde bereits Anfang Mai 1940 als Oberleutnant mit der Aufstellung der selbstständigen Sturmgeschütz-Batterie 666 (Forst Zinna) beauftragt, sodass er Ausbildungen und Übungen in Ostende und Dünkirchen durchführte. Am 8. Oktober 1940 wurde er zur Luftwaffe kommandiert und führte später Verladeübungen von Sturmgeschützen in den Lastensegler Gigant durch.
Anfang November 1941 wurde er in die Führerreserve versetzt und gleichzeitig als Hörsaalleiter für Offiziere in die III. Abteilung des Artillerie-Lehr-Regiments 2 kommandiert. Im Dezember 1942 wurde er Chef der neu aufgestellten Sturmgeschütz-Lehr-Batterie 901, welche direkt in den großen Donbogen verlegt wurde und über den Jahreswechsel bei Starobjelsk kämpfte. Ende Januar 1943 konnte er mit der Batterie, der 19. Panzer-Division unterstellt, unter anderem zahlreiche Panzerabschüsse verzeichnen und eingeschlossene Einheiten durch sein Vordringen befreien. Anfang Februar 1943 erreichte er durch einen Gegenangriff, dass der gegnerische Vorstoß unterbrochen wurde. Für diesen Einsatz wurde er am 20. Februar 1943 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (1549. Verleihung) ausgezeichnet.[1]
Am 1. April 1943 übernahm er das Kommando über die Sturmgeschütz-Abteilung 191 bei der 17. Armee. Auch in dieser Position konnte er sich auszeichnen:[3]
„Die Sturmgeschütz-Brigade 191, unter Führung von Hauptmann Müller, hatte an der erfolgreichen Abwehr des weit überlegenen Feindes in den letzten Tagen entscheidenden Anteil. Sie griff in Abwehr und Gegenstößen mit größter Tatkraft ein, insbesondere vernichtete sie im Kubanbrückenkopf 95 Panzer, dabei auch mehrere 12-cm-Sturmhaubitzen. Nennung im Wehrmachtbericht beantragt.“
In der Folge konnte er weitere gegnerische Angriffe stoppen. Für den Einsatz wurde er, kurz vorher zum Major befördert, am 15. Dezember 1943 mit dem Eichenlaub des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.[1] Die Abteilung wurde Ende Februar 1944 in die Sturmgeschütz-Brigade 191 überführt, dessen Kommandeur er bis Mitte Juni 1944 blieb. Zusätzlich erhielt er das Kubanschild. Er übernahm die Sturmgeschützschule Burg. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 10. April 1945, wurde die Sturmgeschützschule Burg umgebildet und er Kommandeur der daraus neu aufgestellten teilmotorisierten Kampfgruppe Burg, welche ab 20. April 1945 die Infanterie-Division Ferdinand von Schill[4] und der 12. Armee unterstellt wurde.[5] In dieser Position blieb er, zum Oberstleutnant befördert, bis Kriegsende. Die Division ergab sich den Amerikanern, Teile der Division wurden aber wohl an die Sowjetunion übergeben.[4]
Von November 1946 bis August 1949 absolvierte Müller ein Studium der Landwirtschaft an der Technischen Hochschule München, das er am 10. August 1949 als Diplom-Agraringenieur abschloss. Anschließend war er von Dezember 1949 bis Januar 1956 Reisevertreter und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Bayer AG in Leverkusen.
Am 1. Februar 1956 trat Müler in die Bundeswehr ein und war zunächst Leiter der Prüfstelle Offizieranwärter und Offizierbewerber in der Annahmeorganisation Köln. Von Juli 1956 bis August 1958 war er stellvertretender Kommandeur der Panzerkampfgruppe B 3 in Schleswig und Schwanewede, von September 1958 bis Januar 1962 Kommandeur Lehrgruppe A an der Heeresoffizierschule I in Hannover und absolvierte von Januar bis September 1962 den Brigadeführerlehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Von Oktober 1962 bis März 1964 war er zunächst stellvertretender Brigadekommandeur, dann vom 1. April 1964 bis 30. September 1968 Brigadekommandeur der Panzerbrigade 33 in Lingen (Ems). Anschließend war er Brigadekommandeur der Panzerlehrbrigade 9 (Munster). Es folgte von November 1970 bis Ende März 1975 das Kommando über die Kampftruppenschule II/III in Munster. Mit Ablauf des März 1975 wurde er in den Ruhestand versetzt.
1973 wurde er mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Er war verheiratet.
Siehe auch
Literatur
- Dermot Bradley, Heinz-Peter Würzenthal, Hansgeorg Model: Die Generale und Admirale der Bundeswehr 1955–1999 – Die militärischen Werdegänge (= Dermot Bradley [Hrsg.]: Deutschlands Generale und Admirale. Teil VIb). Band 3, Laegeler – Quiel. Biblio-Verlag, Bissendorf 2005, ISBN 978-3-7648-2382-5, S. 326–327.
- Clemens Range: Kriegsgedient – Die Generale und Admirale der Bundeswehr. Translimes Media Verlag, Müllheim-Britzingen 2013, ISBN 978-3-00-043646-8, S. 350.
- Franz Thomas, Günter Wegmann: Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht, 1939–1945. Bände 2–3, Biblio Verlag, 1985, S. 205 ff.
Weblinks
- Fotos von Müller und Beschreibung: Sturmgeschütz-Batterie 666
Einzelnachweise
- ↑ a b c Franz Thomas: Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht, 1939–1945. Biblio Verlag, 1985, ISBN 978-3-7648-1447-2, S. 204 (google.de).
- ↑ a b H. H. Podzun (Hrsg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3.1.1939. Verlag Hans-Henning Podzun, 1953, S. 525.
- ↑ Franz Thomas: Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht, 1939–1945. Biblio Verlag, 1985, ISBN 978-3-7648-1447-2, S. 205 (google.de).
- ↑ a b Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 291st–999th Infantry divisions, named infantry divisions, and special divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3437-0, S. 209 (google.de).
- ↑ Wilhelm Tieke: Das Ende zwischen Oder und Elbe: der Kampf um Berlin 1945. Motorbuch-Verlag, 1981, ISBN 978-3-87943-734-4, S. 66 (google.com).