Alfred Knott

Bernhard Alfred Knott (* 7. Juni 1905 in Bonn; † 20. August 1975 in Köln-Porz) war ein deutscher Bildhauer, Grafiker und Zeichner und stand in der Tradition der Berliner Bildhauerschule.

Leben

Alfred Knott wurde am 7. Juni 1905 in Bonn als Sohn des Buchhalters Michael Knott (1869–1943) und dessen Frau Elisabeth, geb. Steeg (1870–1960) geboren. Er hatte zwei Brüder, Hans und Heinz, und eine Schwester, Maria. Sein Vater war kaufmännischer Direktor der städtischen Betriebsverwaltung Bonn.

Von 1911 bis 1914 besuchte Alfred Knott die Realschule und von 1914 bis 1922 das Königlich-Preußische Gymnasium Bonn, das er mit dem Zeugnis für Obersekunda in der Absicht verließ, Architekt zu werden. Knott engagierte sich in der rheinischen Jugendbewegung und war einer der Mitbegründer des Nerother Wandervogels. 1921 schrieb er den Text des Liedes Wir ziehen über die Straßen (Der Trommelbube). Es wurde zu einem der populärsten bündischen Lieder. Später gründete er seine eigene Gruppe von 50 Jungen und nannte sie Gralsvolk.

Von 1922 bis 1923 war Alfred Knott Maurerlehrling bei der Baugesellschaft Düren. „Auf dem Neubau der Kreisbank fand ich reichlich Gelegenheit mich mit sämtlichen Maurerarbeiten als auch Betonarbeiten vertraut zu machen“, schrieb er in seinem Lebenslauf im Oktober 1923. 1924 nahm Knott ein Architekturstudium an der Baugewerkschule Köln auf, das er jedoch bald schon abbrach. Von 1925 bis 1926 war er Bildhauerlehrling bei Karl Menser in Bonn. 1927 ging er auf Studienreisen nach Schweden und Norwegen. Von 1928 bis 1929 studierte er die Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Professor Bernhard Bleeker.[1]

Von 1929 bis 1936 setzte Alfred Knott sein Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin bei Professor Wilhelm Gerstel fort und schloss Freundschaft mit seinen Kommilitonen Edzard Hobbing, Lothar Strauch, August Weißer und anderen. Sein erster Sammler und Förderer war Alfred Schmid, der Führer des elitären Jugendbundes Graues Corps, das 1934 von den Nationalsozialisten verboten und aufgelöst wurde. 1935 erhielt Knott eine Schülermedaille für gute Leistungen im Studienjahr 1934/35 verliehen.[2] Im gleichen Jahr war er mit vier Werken in der Ausstellung der Berliner Secession vertreten.[3] In dieser Zeit entstanden enge Kontakte zu den Kunsthändlern Hanns Krenz und Alex Vömel.

Von 1935 bis 1936 war Alfred Knott Meisterschüler bei Wilhelm Gerstel. Es erfolgte die Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste (Mitgliedsnummer B 2406). Im Oktober 1936 übernahm er einen Lehrauftrag an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. Als „künstlerischer Helfer für Aktmodellieren“ betreute er die Bildhauerklasse von Professor Gerstel. Knott ignorierte die Aufforderung der Schulleitung, der NSDAP beizutreten, und so wurde ihm der Professorentitel vorenthalten. Zu den wenigen offiziellen Aufträgen, die er ausführte, gehörten einige Fassadenreliefs für die Heeres-Reitschule in Krampnitz.

Für den großen Tanzsaal im Weinrestaurant Frasquita in den Wilhelmshallen am Zoo in Berlin schuf Alfred Knott zusammen mit August Weißer mehrere Flachreliefs, welche die Geschichte des Tanzes darstellten.[4] Am 13. Juli 1938 heiratete er Brigitte Bethke (1919–2015), die ihm gelegentlich Modell gestanden hatte. Von Juli bis Oktober 1938 unternahm er eine Studienreise nach Italien. In dieser Zeit beteiligte er sich an den Ausstellungen der Galerie von der Heyde und der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.

Im September 1940 wurde Alfred Knott zum Kriegsdienst eingezogen. Von Juni 1941 bis November 1942 nahm er als Sanitätsunteroffizier am Russlandfeldzug teil, mit Stationen in Charkiw und Stalingrad. Wegen seines Augenleidens kehrte er nach einem Urlaub nicht an die Front zurück und wurde einer Genesenden-Kompanie in Berlin-Reinickendorf zugeteilt. Im Februar 1943 beteiligte er sich an der Wiener Ausstellung Junge Kunst im Deutschen Reich, die auf Intervention von Arno Breker vorzeitig geschlossen wurde.[5]

Im März 1943 nahm Knott für einen Monat seine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin wieder auf. Die Schulleitung hatte für ihn die Verlängerung der Arbeitserlaubnis beantragt. Seit dem 1. September 1943 war er von der Heeres-Entlassungsstelle 2/III in Potsdam beurlaubt „mit Arbeitserlaubnis im DU-Verfahren“.[6]

Wegen zunehmender Luftangriffe auf Berlin ging seine schwangere Frau nach Templin. Dort wurde am 8. Oktober 1943 der Sohn Michel geboren.

Alfred Knott leitete die Vorbereitungsklasse der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin ohne vertragliche Bindung. Erst am 30. September 1944 wurde der abgeschlossene Dienstvertrag über seine Vollbeschäftigung als künstlerischer außerordentlicher Lehrer dem Reichsminister für Wissenschaft und Erziehung zur Genehmigung vorgelegt. Das Reichsministerium wollte jedoch zunächst die politische Zuverlässigkeit Knotts prüfen und wandte sich an die Parteikanzlei der NSDAP in München. Diese hatte Bedenken und empfahl in einem Schreiben vom 8. März 1945, „eine Zurückstellung der Angelegenheit bis nach Kriegsende“.[6]

In den letzten Kriegsmonaten wurde Alfred Knott wieder zur Wehrmacht eingezogen. Seine Sanitätsabteilung war in Thallwitz bei Leipzig stationiert. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft bei Bad Kreuznach kehrte er im August 1945 nach Bonn in das Haus seiner Eltern zurück. Viele seiner Werke waren durch den Krieg verloren gegangen. Er arbeitete als freischaffender Bildhauer, trat dem Ring Godesberger Künstler bei und ließ sich durch die Galerie Alex Vömel in Düsseldorf vertreten. Für das im Bombenkrieg beschädigte Schumann-Denkmal auf dem Alten Friedhof in Bonn schuf er aus Carrara-Marmor ein neues Relief des Komponisten.[7] Am 31. Juli 1947 wurde die Tochter Agnes geboren.

Ende 1948 zeigte die Galerie Neue Kunst Bonn 14 Plastiken, die Alfred Knott nach dem Krieg geschaffen hatte.[8] Der Bonner Mühlenbesitzer Carl Auer wurde auf ihn aufmerksam und kaufte einige seiner Werke. Von 1948 bis 1952 gab Knott Privatunterricht für Bildhauerei. 1952 nahm er dem verstorbenen SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher die Totenmaske ab. Im gleichen Jahr gestaltete er eine Brunnenanlage in der Brucknerstraße in der Bonner Weststadt – Knabe am Brunnen mit Fisch.

1952 wurde die Ehe geschieden; der Sohn blieb beim Vater, die Tochter kam in ein Kloster.

Alfred Knott beteiligte sich an mehreren Ausstellungen in Bonn und Düsseldorf. Im Oktober 1960 veranstaltete die Hans Thoma-Gesellschaft e.V. im Spendhaus in Reutlingen seine Personalausstellung mit 19 Werken.[9] Anschließend wurde sie im Heimatmuseum des Ebinger Rathauses gezeigt.

Im Juni 1962 wurde Alfred Knott, der zunehmend Probleme mit Alkohol hatte, auf Betreiben seines Bruders Hans in ein Pflegeheim in Köln-Porz eingewiesen. Am 9. Oktober 1963 nahm sich sein Sohn Michel im Kottenforst bei Bonn das Leben. Im Pflegeheim konnte Knott nicht mehr modellieren, zeichnete aber viel. Von 1959 bis 1963 vertrat ihn der Kunsthändler Hanns Krenz in Berlin und von 1966 bis 1974 die Galerie Werner Rusche in Köln.

Alfred Knott starb am 20. August 1975 im Alexianer Krankenhaus in Köln-Porz.

Literatur

  • Konrad Lemmer (Hrsg.): Junge Bildhauer. Rembrandt-Verlag, Berlin 1939.
  • Junge Bildhauer unserer Zeit. Sechzig Bilder. Mit einleitendem Text von Heinz Grothe. Kanter, Berlin/Königsberg 1940.
  • Junge Kunst im Deutschen Reich Wien 1943, veranstaltet vom Reichsstatthalter Baldur von Schirach Februar–März 1943 im Künstlerhaus Wien. Ehrlich + Schmidt Verlag, Wien 1943 (Abgebildet ist die Plastik „Mädchen mit Bogen“).
  • Werner Rittich: Zu einigen Werken jüngerer deutscher Bildhauer In: Die Kunst im Dritten Reich. Folge 6, Juni 1943.
  • Christine Fischer-Defoy: Kunst. Macht. Politik. Die Nazifizierung der Kunst- und Musikhochschulen in Berlin. Elefanten Press, Berlin 1988.
  • Andreas Sternweiler (Hrsg.): Liebe, Forschung, Lehre: Der Kunsthistoriker Christian Adolf Isermeyer. Verlag Rosa Winkel, Berlin 1998.

Einzelnachweise

  1. Personalakte Alfred Knott der Reichskammer der bildenden Künste. A Rep. 243-04 Nr. 4426, alte Archiv-Signatur: BDC Nr. 2400016811.
  2. Wolfgang Steguweit: Ars juventuti. Berliner Schülermedaillen von der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums zur Hochschule für bildende Künste. Staatliche Museen zu Berlin. Münzkabinett 2009, S. 129.
  3. Berliner Secession – Zusammenschluss 1934. Malerei, Plastik. Budapester Straße Januar – März 1935. Berlin Schreyer 1935. Katalog.
  4. Das behagliche Heim. Innendekoration. Bd. 49, Heft 4, 1938, S. 126.
  5. Jürgen Trimborn: Arno Breker. Der Künstler und die Macht. Aufbau Verlag, Berlin 2011, S. 352.
  6. a b Personalakte Alfred Knott, Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, BArch R 4901/19107.
  7. Cecilia Hopkins Porter: The Schumanns Legacy in Germany´s Heartland In: The Amerikan Organist, February 1995, p. 62.
  8. Galerie Neue Kunst Bonn: Martin Frey, Godesberg – Aquarelle, Alfred Knott, Bonn – Plastik. Vom 27. November bis 31. Dezember 1948.
  9. Hans Thoma-Gesellschaft e.V. Alfred Knott. Plastik. 4 Seiten, 2 Abbildungen, Text: Alfred Hagenlocher. Reutlingen, Spendhaus vom 2.–23. Oktober 1960.