Alfred Fuchs (Richter)
Alfred Fuchs (* 23. September 1872 in Ingolstadt; † 28. Juni 1927 in Augsburg) war ein deutscher Jurist und Amateurbotaniker. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf der Floristik der bayerischen Orchideenvorkommen. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „A.Fuchs“.[1]
Leben
Herkunft, Ausbildung und Privatleben
Er kam 1872 als Sohn des königlich-bayerischen Pionierhauptmannes Johann Fuchs und dessen Ehefrau Mina in Ingolstadt zur Welt. Nachdem der Vater die Armee im Rang eines Majors verlassen hatte, zog die Familie nach Würzburg. Dort besuchte Alfred das Gymnasium und studierte anschließend an der Julius-Maximilians-Universität Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft. An der Universität wurde er Mitglied des Corps Moenania Würzburg.[2] Nach dreijähriger Vorbereitungszeit als Rechtspraktikant bestand er die Staatsprüfung für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst „mit gutem Erfolg“.[3]
Am 1. Oktober 1921 heiratete er die Augsburger Kaufmannswitwe Auguste Weiß. Die Ehe blieb kinderlos und soll Berichten zufolge „sehr glücklich“[3] verlaufen sein. Fuchs’ Ehefrau brachte seinen naturwissenschaftlichen Forschungen großes Interesse entgegen und „half ihm dabei mit Liebe und Geschick“.[3] Nach kurzer schwerer Krankheit[3] starb Alfred Fuchs 1927 im Alter von 54 Jahren.
Berufliche Karriere
Seinen Einstieg ins Berufsleben fand Fuchs in einer Nürnberger Anwaltskanzlei. Er wechselte dann in den bayerischen Staatsdienst und wurde juristischer Sekretär am Amtsgericht Gunzenhausen, ließ sich aber bald auf eigenen Wunsch in gleicher Funktion an das Amtsgericht Augsburg versetzen.[2] Aus dieser Position heraus ernannte man ihn am 1. Oktober 1906 zum Amtsrichter am Amtsgericht Rottenburg an der Laaber. Schließlich wechselte er 1912 abermals an das Amtsgericht Augsburg. Seit dem 31. Dezember 1918 führte er Titel und Rang eines Oberamtsrichters – es sollte aber bis zum 1. November 1923 dauern, bis er auch planmäßig auf diesen Posten befördert wurde.[3] Zwar wurde er für eine weitere Beförderung zum Landgerichtsrat empfohlen, lehnte diese jedoch ab, da er „die Selbständigkeit des Amtsrichters der Tätigkeit an einem Kammergericht vor[zog]“.[2]
Posthum wurde in Nachrufen über Fuchs berichtet, dass ihn „Richter [...] sein soziales Verständnis, sein natürliches Rechtsgefühl und sein gesunder Menschenverstand aus[zeichnete]. Er war kein Buchstabenjurist, sondern ein Mann des Rechtes. [...] Den Raub geschützter Pflanzen verfolgte er auch als Richter mit angemessener Strenge. Er kann hier als nachahmenswertes Vorbild bezeichnet werden.“[3]
Naturforschung
Bereits während seiner Gymnasialzeit war Fuchs sehr naturkundlich interessiert. Nach seinem Umzug nach Augsburg 1912 trat er dem Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben bei[2] und arbeitete sich sowohl autodidaktisch als auch im Austausch mit Wissenschaftlern in die Botanik ein, bis ihm die „volle Beherrschung der Wissenschaft“[3] gelang. Insbesondere beschäftigte er sich mit Floristik und hierbei vor allem mit den einheimischen Orchideen. Er war unter anderem mit den Orchideenforschern Max Schulze (1841–1915), Lorenz Gerstlauer (1863–1949) und Hermann Ziegenspeck (1891–1959) befreundet und arbeitete teilweise auch eng mit ihnen zusammen. Gemeinsam mit Ziegenspeck beispielsweise veröffentlichte er zahlreiche Fachartikel in den Berichten des naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben, in den Mitteilungen der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der heimischen Flora sowie im Botanischen Archiv. Gerstlauer schrieb 1928, dass eines der Hauptergebnisse dieser Forschungen folgendes sei:
- „Orchis Traunsteineri Sauter und O. pseudotraunsteineri A. Fuchs sind eine ungeheure Sammelgruppe zumeist bastardbürtiger Formen, aus der Untergattung Dactylorchis einschließlich des O. sambucinus unter vorwiegendem Einflüsse schmalblättriger und z. T. ungefleckter Formen des O. maculatus L. entstanden. Dieser Formenkreis ist auf Europa nördlich der Alpen und die Alpen selbst beschränkt. Im Südwesten und Süden ist aus den Arten der Untergattung Dactylorchis unter dem Einflüsse von O. paluster L. und O. laxiflorus Lam. ein ähnlicher bastardbürtiger Formenkreis hervorgegangen: O. sesquipedalis W. und O. orientalis ssp. africanus Klge..“[3]
Zuletzt war Fuchs auch Vorsitzender des Augsburger Kreisausschusses für Naturschutz.[3] Sein „prachtvolles Orchideenherbar“[3] sowie viel zugehöriges Fotomaterial vermachte er der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Ursprünglich hatte er auch einen größeren Geldbetrag für diesen Nachlass bestimmt, der jedoch im Zuge der Hyperinflation des Jahres 1923 entwertet wurde. Seine Witwe allerdings wertete den Betrag aus eigenem Antrieb wieder auf, rechnete nicht nach damals aktuellem Wechselkurs um und konnte der Gesellschaft so immerhin noch 15 Prozent des von ihrem Mann dafür bestimmten Geldes übergeben.[3]
Publikationen (Auswahl)
- Fuchs: Orchis Traunsteineri Saut. Erster Teil In: Berichte des naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben. Band 42, 1913, Seiten 1–174.
- Fuchs; Ziegenspeck: Orchis Traunsteineri Sauter. Zweiter Teil. In: Berichte des naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben. Band 43, 1924, Seiten 1–118.
Fachartikel
- Fuchs; Ziegenspeck: Bau und Form der Wurzel der einheimischen Orchideen im Hinblick auf ihre Aufgabe. In: Botanisches Archiv – Zeitschrift für die gesamte Botanik. Band 12, 1925, Seiten 290–370.
- Fuchs; Ziegenspeck: Axen der einheimischen Orchideen, Teil 1. In: Botanisches Archiv – Zeitschrift für die gesamte Botanik. Band 14, 1926, Seiten 165–245.
- Fuchs; Ziegenspeck: Entwicklungsgeschichte der Axen der einheimischen Orchideen und ihre Physiologie und Biologie. II. Teil, Listera, Neottia, Goodyera. In: Botanisches Archiv – Zeitschrift für die gesamte Botanik. Band 16, 1926, Seiten 360–413.
- Fuchs; Ziegenspeck: Die Entwicklungsgeschichte der einheimischen Orchideen und der Bau ihrer Axen III. In: Botanisches Archiv – Zeitschrift für die gesamte Botanik. Band 18, 1927, Seiten 378–475.
- Fuchs; Ziegenspeck: Die Dactylorchisgruppe der Ophrydineen. In: Botanisches Archiv – Zeitschrift für die gesamte Botanik. Band 19, 1927, Seiten 163–274.
- Fuchs; Ziegenspeck: Entwickelung, Axen und Blätter einheimischer Orchideen, IV. Teil. In: Botanisches Archiv – Zeitschrift für die gesamte Botanik. Band 20, 1927, Seiten 275–422.
Einzelnachweise
- ↑ Fuchs, Alfred (1872-1927) im International Plant Names Index (mit Liste der beschriebenen Pflanzennamen), abgerufen am 23. Dezember 2025
- ↑ a b c d Lorenz Gerstlauer: Alfred Fuchs †. In: Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben. Band 46, 1928, Seiten XXIII–XXIX.
- ↑ a b c d e f g h i j k Lorenz Gerstlauer: Alfred Fuchs †. In: Mitteilungen der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der heimischen Flora. Band 4, 1928, Seiten 106–108.