Alfons Zündler
Alfons Zündler (* 1918 in Danzig; † 14. Januar 1996 in München) war ein deutscher SS-Unterscharführer. Im deutsch besetzten Amsterdam war er an dem Zusammentreiben der jüdischen Niederländer und ausländischer, dort im Exil lebender Juden z. B. aus Deutschland, für die Deportation in die Vernichtungslager beteiligt.[1] Er ermöglichte 600 Kindern und zahlreichen Erwachsenen die Flucht.
Leben
Alfons Zündler wurde 1918 als Sohn eines Bahnarbeiters und einer Hausfrau geboren.[2] Er diente nach seiner Schulausbildung als Polizist in der Freien Stadt Danzig. Als seine Einheit nach der Eingliederung der Stadt ins Deutsche Reich 1939 in die SS-Polizeidivision übernommen wurde, wurde auch Zündler Mitglied der SS.[3] Während des Zweiten Weltkrieges diente er als Soldat, wurde jedoch bald mit einem Lungenschuss schwer verletzt.[2]
Zündler leistete 1942 seinen Dienst in der Judensammelstelle Adama und half schon dort Juden zur Flucht. Schon bald wurde er der Judenbegünstigung verdächtigt, man konnte ihm aber nichts nachweisen.[2] So wurde er bald wieder im Amsterdamer Theatergebäude Schouwburg eingesetzt, das während der deutschen Besatzungszeit als Sammelstelle für den Abtransport von mehr als 60.000 niederländischen Juden in die Vernichtungslager diente. Insgesamt half er 600 Kindern und vielen Erwachsenen bei der Flucht.[4] Zündler setzte durch, dass die Kinder die Schauburg zu einem Spaziergang verlassen durften, von dem sie dann nicht zurückkehrten, da sie von Angehörigen der Widerstandsbewegung übernommen wurden. Er hielt außerdem Fliehende nicht auf und „verzählte“ sich bei den zu registrierenden Kindern, damit sie entkommen konnten.[4][5]
Im Mai 1943 wurde er verraten, verhaftet und wegen „Judenbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Auf Grund seiner Kriegsversehrtheit wurde die Strafe in eine zehnjährige Haftstrafe umgewandelt. Er überlebte den Krieg im Konzentrationslager Dachau.[1]
Jüdische Überlebende aus Amsterdam schlugen Zündler als „Judenretter“ für die israelische Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“ vor. Das führte dort zu einer Kontroverse, weil er zugleich Täter, aber auch Retter war.[4] Aufgrund von Protesten blieb die Ehrung aus.[2]
Zündler wurde am 21. April 1948 von der Spruchkammer München III im Entnazifizierungsverfahren als „unbelastet“ eingestuft.[3]
Literatur
- Sabine Selle-Gutzeit: Alfons Zündler. Ein „guter“ SS-Mann. In: Wolfram Wette (Hrsg.): Zivilcourage. Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2006, S. 230–240
Einzelnachweise
- ↑ a b Alfons Zündler (1918-1996) Commandant Hollandsche Schouwburg. Abgerufen am 8. Dezember 2025.
- ↑ a b c d Arno Lustiger: Rettungswiderstand. Über die Judneretter in Europa während der NS-Zeit. Wallstein Verlag, Göttingen 2011, S. 101 ff.
- ↑ a b Erich Wiedemann: »Er hatte so gütige Augen«, Der Spiegel, 3. April 1994, abgerufen am 8. Dezember 2025
- ↑ a b c Wolfram Wette: Zivilcourage in Uniform. In: Die Zeit. 9. November 2006, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 8. Dezember 2025]).
- ↑ Erich Wiedemann: »Er hatte so gütige Augen«, Der Spiegel, 3. April 1994, abgerufen am 8. Dezember 2025