Alexanderreliquiar

Das Alexanderreliquiar (auch Alexanderkopfreliquiar oder Alexanderkopf) ist ein „sprechendes Reliquiar“, in dem ursprünglich u. a. ein Teil einer Schädelreliquie Papst Alexanders I. aufbewahrt war.

Geschichte

Das Werk wurde im Auftrag von Abt Wibald von Stablo (1098–1158) in einer maasländischen Werkstatt gefertigt (aus der nach stilistischen Vergleichen auch das Stavelot-Triptychon stammt). In das Behältnis brachte Wibald am Karfreitag des Jahres 1145 ein Reliquienkonvolut ein. Neben der Alexanderreliquie gehörten dazu u. a. auch Holz vom Tisch des letzten Abendmahls Jesu.

Die Reliquien wurden 1824 entnommen, 2006 zusammen mit einer Hinterlegungsurkunde Wibalds wiederentdeckt und befinden sich heute in der Pfarrkirche Heiliger Johannes der Täufer in Herve. Das Reliquiar ist Teil der Sammlung der Königlichen Museen für Kunst und Geschichte in Brüssel (Inv. Nr. 1031).[1]

Gestaltung

Der Kopf ist eine Treibarbeit aus teilweise vergoldetem Silber und zeigt Papst Alexander als tonsurierten jungen Mann mit stilistischen Anklängen an Darstellungen römischer Kaiser. Der Halskragen ist mit Grubenschmelzplatten, Edelsteinen und Silberperlen verziert.

Die Büste ist montiert auf einem Kasten mit überstehenden Boden- und Deckplatten und vier drachenförmigen Füßen. Die vorderen Füße sind im Original erhalten, die hinteren Abgüsse derselben aus dem Jahr 1988. Die beiden Teile der Deckplatte aus vergoldetem Messing sind u. a. mit Edelsteinen und Bergkristallen dekoriert. Die Seitenwände des Kastens zeigen u. a. Bildnisse von Heiligen (darunter nochmals Papst Alexander) und weibliche Verkörperungen von Tugenden, die Schriftbänder mit Seligpreisungen halten.

Die Kombination einer Kopfbüste mit einem altarförmigen Sockel ist bei Reliquiaren einzigartig.[1]

Einzelnachweis

  1. a b Holger Kempkens, Abt Wibald von Stablo und Corvey und seine Kunststiftungen, in: ders./Christiane Ruhmann (Hg.), Corvey und das Erbe der Antike (Ausstellungskatalog), Petersberg 2024, S. 555 ff. (561 f.).