Alexander Clavel

Alexander Clavel (* 17. Dezember 1805 in Lyon, Frankreich; † 22. Februar 1873 in Basel, Schweiz), auch unter den Namensvarianten Alexander Clavel-Oswald und Alexander Clavel-Linder belegt,[1] war ein französisch-schweizerischer Seidenfärber und Chemie Unternehmer, der als Gründer der Basler Farbstofffabrik gilt, aus der später die Ciba, Ciba-Geigy und Novartis hervorgingen. Er gehörte zu den Pionieren der synthetischen Farbstoffherstellung in der Schweiz.

Clavel begann 1859 in Basel mit der Herstellung des synthetischen Farbstoffs Fuchsin. 1873 verkaufte er sein Werk an Bindschedler & Busch, den Vorläufer der Gesellschaft für Chemische Industrie in Basel (Ciba).[2][3] Seine frühe Einführung synthetischer Farbstoffe und der Umzug in das Basler Quartier Klybeck trugen entscheidend zur Entwicklung Basels als europäisches Zentrum der Farben- und Chemieindustrie bei.[4]

Leben

Clavel wurde 1805 in Lyon geboren und erlernte dort das Seidenfärberhandwerk. 1838 liess er sich in Basel nieder und heiratete Henriette Linder, die Witwe des Seidenfärbers Karl Theodor Oswald, deren Färberei am Bläsihof in Kleinbasel er übernahm.[4] Durch familiäre und geschäftliche Beziehungen zu Färbereien in Lyon verfolgte er die neuesten Entwicklungen der aus Steinkohlenteer gewonnenen Farbstoffchemie in Frankreich und Grossbritannien.[2]

Tätigkeit

1859 begann Clavel mit der Herstellung von Fuchsin (auch als Magenta oder Anilinrot vermarktet) für die Basler Seidenbandindustrie – eine der frühesten Unternehmungen dieser Art in der Schweiz.[2][4][5][6] Fuchsin gehört zur Gruppe der Triarylmethanfarbstoffe; im 19. Jahrhundert wurde der Begriff "Anilinrot" jedoch häufig ungenau für verschiedene verwandte rote Anilinfärbungen verwendet.[7][8][9][10]

Klagen über giftige Dämpfe aus arsenhaltigen Prozessen führten 1864 zu Auflagen der Basler Behörden; Clavel verlegte die Produktion daraufhin an die Klybeckstrasse am Rhein, wo er ein "Laboratorium für Fabrikation von Anilin- und anderen Farben" errichtete.[4] Der Umzug markierte den Beginn der industriellen Ausdehnung der Basler Chemie in die Stadtrandgebiete.[2][11]

Verkauf und Gründung der Ciba

1873, wenige Wochen vor seinem Tod, wurde Clavels Färberei an den Chemiker Robert Bindschedler und den Kaufmann Albert Busch (Bindschedler & Busch) verkauft; deren Unternehmen wurde 1884 in die Gesellschaft für Chemische Industrie in Basel (Ciba) umgewandelt.[3][12][13]

Nachwirkung

Clavels Unternehmen begründete die Entwicklungslinie, aus der Ciba-Geigy und später Novartis hervorgingen.[3] Die Expansion der Basler Chemieindustrie wurde wesentlich durch solche frühen Farbstoffhersteller und den Standort Klybeck geprägt.[2][14]

Familie

Clavel wurde 1849 in Basel eingebürgert.[4] Mit seiner Frau Henriette Linder hatte er einen Sohn, Alexander Clavel-Merian (1847–1910), der die Färberei weiterführte. Dessen Söhne Alexander Clavel-Respinger (1881–1973) und René Clavel (1886–1969) wurden bekannte Industrielle und Kulturförderer in Basel.[15][16][17]

Zeitgenössische Basler Quellen und spätere Normdatensätze nennen Varianten wie Alexander Clavel-Oswald und Alexander Clavel-Linder. Diese Formen spiegeln den schweizerischen Allianznamen wider, im 19. Jahrhundert verbreitet und bis heute üblich, bei dem verheiratete Personen, vereinzelt auch Männer, den Namen des Ehepartners anfügen; im Fall Clavels den Namen des verstorbenen ersten Ehemanns seiner Frau, dessen Betrieb er übernahm. Der Allianzname ist gesellschaftlich anerkannt, gehört aber nicht zum amtlichen Zivilnamen.[18][19]

Tod

Clavel starb am 22. Februar 1873 in Basel.[4]

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Einzelnachweise

  1. Clavel, Alexander. In: Deutsche Biographie [German Biography]. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
  2. a b c d e Lorenz Stucki: Das heimliche Imperium (III): Chemiker kamen über die Grenze In: Die Zeit, 18. Oktober 1968. Abgerufen am 25. Oktober 2025 
  3. a b c Novartis (history entry), SAGE. Abgerufen am 25. Oktober 2025 „By 1873, he sold his dye factory to Bindschedler and Busch; in 1884 the company became Ciba.“ 
  4. a b c d e f Antonia Schmidlin: Clavel, Alexander In: Historisches Lexikon der Schweiz, 14. Dezember 2023. Abgerufen am 25. Oktober 2025 
  5. Company history. In: Novartis United Kingdom. Abgerufen am 25. Oktober 2025: „In 1859, Alexander Clavel (1805–1873) takes up the production of fuchsine.“
  6. Historia de la compañía In: Novartis España. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (spanisch). „En 1859, Alexander Clavel inicia la producción de fucsina en su fábrica de tintes de seda de Basilea.“ 
  7. Cooksey, C., Dronsfield, A.: Quirks of dye nomenclature. 4. Fuchsine: four shades of meaning In: Biotechnic & Histochemistry, S. 81–82. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch). 
  8. Quye, Anita; Scholler, Eve-Anne; Wieber, Sabine: Identifying Fuchsine Visually in Dress and Textile Collections, University of Glasgow, S. 2–4. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch). 
  9. C. Cooksey, A. Dronsfield: Fuchsine or magenta: the second most famous aniline dye In: Biotech Histochem, S. 179–183. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch). 
  10. Chris Cooksey, Alan Dronsfield: The battle for magenta In: Education in Chemistry (Royal Society of Chemistry), 1. Januar 2010. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch). 
  11. Michael Mildner: The Rise and Fall of Dye Chemistry at Klybeck. In: Novartis Live Magazine. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch): „Alexander Clavel had laid the foundation for these successes in 1864 with the first dye factory in Klybeck.“
  12. Bernard Degen: Ciba In: Historisches Lexikon der Schweiz, 30. März 2021. Abgerufen am 26. Oktober 2025 
  13. Ecstasy of Colors: Basel's Chemical Revolution. In: Novartis Live Magazine. 2021, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch): „In 1873, he sold his factory ... thus, in 1884, the Gesellschaft für Chemische Industrie Basel (CIBA) was founded.“
  14. Dan Fagin: Dye Me a River: How a Revolutionary Textile Coloring Changed History. In: Scientific American. 22. März 2013 (englisch, scientificamerican.com [abgerufen am 25. Oktober 2025]).
  15. Gerhard Kaufmann: Alexander Clavel und der Wenkenhof [Alexander Clavel and the Wenkenhof]. In: Jahrbuch z'Rieche. 2017, S. 57–84 (lexikon-riehen.ch [PDF; abgerufen am 25. Oktober 2025]).
  16. The Wenkenhof and the English Park in Riehen. In: The Swiss Spectator. 2. September 2025, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch): „In 1917, the industrialist Alexander Clavel-Respinger (1881–1973) bought the estate. His brother was René Clavel (1886–1969).“
  17. ReCONNECT: Kunst und Archiv – Wer war René Clavel? In: Staatsarchiv Basel-Stadt (blog). 11. Juli 2022, abgerufen am 25. Oktober 2025: „... Sohn des Seidenfärbers Alexander Clavel-Merian (1847–1910) ...“
  18. Eintrag des Allianznamen in den neuen Ausweisen wieder möglich – Bundesrat passt entsprechende Verordnung an. In: Schweizerische Eidgenossenschaft – Bundesrat. 4. Juli 2003, abgerufen am 26. Oktober 2025: „Der Bundesrat berücksichtigt das Gewohnheitsrecht: Der Allianzname kann ab 1. August 2003 im Pass und auf der Identitätskarte eingetragen werden.“
  19. Namensrecht – Fragen und Antworten. In: Bundesamt für Justiz (BJ). 28. März 2024, abgerufen am 26. Oktober 2025: „Als Eheleute können Sie ihre Verbindung auch durch einen sogenannten Allianznamen ausdrücken. Dieser Name ist nicht amtlich und wird nicht im Zivilstandsregister eingetragen. Sie können ihn aber im Alltag benutzen und in Ihren Identitätsdokumenten eintragen lassen.“