Albrecht Heinrich Baumgärtner

Albrecht Heinrich Baumgärtner, auch Albert Heinrich Baumgärtner (* 5. Mai 1743 in Erlangen; † 26. September 1809 ebenda), war ein deutscher Historiker, Resident und Kriegsrat.

Leben

Herkunft und berufliches Wirken

Albrecht Heinrich Baumgärtner entstammte einer bürgerlichen Handwerkerfamilie und war der Sohn von Johann Georg Baumgärtner († 1760), Hoftapezierer und Schneidermeister.

Er erhielt zunächst Privatunterricht, bevor er das Gymnasium Illustre Erlangense in Erlangen besuchte und unter anderem Unterricht bei Johann Samuel Wiesner und beim Konrektor Georg Besenbeck erhielt.

Seine akademische Laufbahn begann an der Akademie in Erlangen, wo er vom 30. April 1760[1] bis 1763 Philosophie, Philologie, Geschichte und Theologie studierte. Während seines Studiums hörte er Vorlesungen unter anderem bei Joachim Ehrenfried Pfeiffer, Caspar Jakob Huth, Simon Gabriel Suckow und Christian Ernst von Windheim. Im Verlauf seines Studiums wandte er sich vom ursprünglich geplanten theologischen Berufsweg ab und widmete sich stattdessen dem Kameralwesen - der Verwaltungs- und Staatswissenschaft - sowie dem Studium der Altertumskunde.

Nach Abschluss seines Studiums 1763 begann Baumgärtner seine berufliche Laufbahn als Privatlehrer im Haus des Senators von Selpert in Regensburg. 1765 oder 1766 wechselte er in eine ähnliche Position nach Ansbach, wo er in die Dienste einer wohlhabenden Familie trat. Diese Tätigkeit als Privaterzieher war für Akademiker ohne Familienvermögen eine übliche Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu sichern und gleichzeitig gesellschaftliche Verbindungen zu knüpfen.

Im Dezember 1769 erhielt Baumgärtner eine Anstellung als Sekretär beim Lotto in Ansbach. Diese Position im markgräflichen Dienst bedeutete den Einstieg in die Verwaltungslaufbahn. Die mit dieser Funktion verbundene Zeit nutzte er systematisch für das Lesen und Übersetzen der alten Taktiker - eine Tätigkeit, die seine spätere wissenschaftliche Reputation begründen sollte. 1774 nahm Markgraf Alexander Baumgärtner mit sich nach München und verschaffte ihm Zugang zur Hofbibliothek. Dort konnte er verschiedene Manuskripte einsehen und nutzen, was für seine wissenschaftlichen Arbeiten von hohem Wert war. Diese fürstliche Protektion zeigte die Wertschätzung, die seine gelehrten Fähigkeiten bereits zu diesem Zeitpunkt erhielt.

Im Herbst 1777 unternahm er einen Versuch, das Amt des preußischen Residenten im Fränkischen Kreis zu übernehmen, scheiterte jedoch in seinen Bestrebungen.

Ab 1783 war Baumgärtner Kastenamtmann (siehe Hofkammer) in Baiersdorf bei Erlangen und Verwalter in Uttenheim, dazu erhielt er das Prädikat Markgräflicher Kammerrat. Am 11. Dezember 1786 wurde er zum Königlich Preußischen Residenten für die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth im Fränkischer Reichskreis ernannt, gleichzeitig wurde ihm der Charakter eines Kriegsrates verliehen[2]; als Resident vertrat er die Interessen Preußens gegenüber den fränkischen Reichsständen. 1797 wurde Baumgärtner als erster Kammeramtmann nach Frauenaurach versetzt[3] und resignierte auf eigenen Wunsch 1803 als Resident. Fortan lebte er als Privatgelehrter in Erlangen.

Schriftstellerisches Wirken

Neben seiner administrativen Karriere trat Baumgärtner auch als Autor und Übersetzer in Erscheinung. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen 1779 die Vollständige Sammlung aller Kriegsschriftsteller der Griechen. Dieses Werk machte antike militärische Texte einem breiteren gelehrten Publikum zugänglich und entsprach dem aufklärerischen Ideal der systematischen Erschließung des antiken Erbes.

Das umfangreichere Werk Geschichte der Götter und vergötterten Helden Griechenlands von 1784 bis 1785 behandelte mythologische Themen.

Seine Arbeiten zur antiken Militärgeschichte trugen zur Popularisierung des Klassischen Altertums bei.

Die Qualität seiner Arbeit fand sogar königliche Anerkennung, indem König Friedrich II. ihm ein "gnädiges Handschreiben" zukommen ließ - eine außergewöhnliche Ehre für einen bürgerlichen Gelehrten. Diese Anerkennung durch den preußischen Monarchen, der selbst als Feldherr und Förderer der Wissenschaften galt, unterstrich die Bedeutung von Baumgärtners wissenschaftlicher Leistung.

Mitgliedschaften

Die Deutsche Gesellschaft in Erlangen nahm Baumgärtner als Mitglied auf – eine Anerkennung seiner literarischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten. Diese gelehrte Gesellschaft förderte die deutsche Sprache und Literatur und war ein wichtiges Forum für den intellektuellen Austausch der Aufklärungszeit.

Schriften (Auswahl)

  • John Hill; Albrecht Heinrich Baumgärtner: Theophrastus von den Steinen: aus dem Griechischen. Nürnberg, 1770 (Digitalisat).
  • Vollständige Sammlung aller Kriegsschriftsteller der Griechen sowohl strategischen als taktischen Inhalts aus dem Griechischen übersetzt, und mit Anmerkungen erläutert von Albrecht Heinrich Baumgärtner. Frankenthal und Mannheim 1779 (Digitalisat).
  • Die Ruinen von Pästum oder Posidonia, in Groß-Griechenland. Würzburg, 1781 (Digitalisat).
  • Des Platonikers Cebes Gemälde des menschlichen Lebens, nebst des Demophilus und Demokrates Gleichnißen und Sittensprüchen. Nürnberg, 1781 (Digitalisat).
  • Geschichte der Götter und vergötterten Helden Griechenlandes und Latiens. Erlangen, 1784.
  • Claudius Aelian von Schlacht-Ordnungen. Aus dem Griechischen übersezt, und mit Anmerkungen erläutert von Albrecht Heinrich Baumgärtner. Mannheim, 1786 (Digitalisat).
  • Unterricht eines Feldherrn. Mannheim, 1786 (Digitalisat).
  • Geschichte der vier ältesten Gottheiten des Orients. Erlangen, 1786 (Digitalisat).
  • Wendts Krankheit und Wiedergenesung. 1800.
  • Der gute König: ein ländliches Singspiel am Geburtsfeste des Königs (von Preußen). Erlangen, 1801.
  • Adam Joseph Emmert, Albrecht Heinrich Baumgärtner: Das Opfer der Musen: ein musikalisches Vorspiel. Salzburg, 1803 (Digitalisat).

Literatur

Einzelnachweise

  1. Personalstand der Friedrich-Alexanders Universität Erlangen in ihrem ersten Jahrhundert. Universität Erlangen, 1843, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  2. Berlin, vom 23. December. In: Reichs-Post-Reuter. 26. Dezember 1786, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  3. Johann Georg Adam Hübsch: Geschichte der Stadt Baiersdorf. Brügel, 1862 (google.de [abgerufen am 7. Oktober 2025]).