Alboreá

Als Alboreá (f. pl. Alboreas) wird in Andalusien ein ursprünglich nur im privaten Rahmen der boda gitana, dem traditionellen Hochzeitsritual der südspanischen Gitanos gepflegtes Liedgut bezeichnet. Durch öffentliche Darbietungen, wie die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Granada für Touristen inszenierten Darstellungen einer boda gitana, gelangten die Alboreas im Verlauf des 20. Jahrhunderts auch in das Repertoire des Flamenco.

Etymologie

Das Wort Alboreá taucht im Diccionario de la lengua española de la Real Academia Española erstmals in der 21. Ausgabe (1992) auf, jedoch nur als Verweis auf den Eintrag alboreada,[1] der von alborear (von alba ‚Morgendämmerung‘) abgeleitet wird.[2] Angesichts des Umstandes, dass es für den synonymen Gebrauch einer kastilischen Form alboreada anstelle der durch den andalusischen Dialekt bedingten und im Schrifttum ausschließlich verwendeten Form alboreá keine Belege gibt, sowie aufgrund der Funktion der Alboreá in ihrem ursprünglichen rituellen Kontext der boda gitana ist diese Herleitung keinesfalls als gesichert zu betrachten.

Der Funktionswechsel der Alboreá vom identitätsstiftenden und exklusiven Ausdrucksmittel der südspanischen Gitanos zum ethnisch indifferenten palo flamenco hat sich auch im Diccionario niedergeschlagen, der die Alboreá bis zur 22. Ausgabe (2001) noch als Cante y baile popular de los gitanos (‚populäre Gesangs- und Tanzform der Gitanos‘), in der 23. Ausgabe (2014) hingegen nur noch als Palo flamenco que suele interpretarse en las bodas gitanas (‚Flamenco-Stil, der gewöhnlich bei Hochzeiten der Gitanos dargeboten wird‘) bzw. als zum Rhythmus der Alboreá ausgeführten Tanz definierte.

Geschichte

Die Herkunft der Alboreá ist unklar. Eine Reihe von Mythen und Tabus ranken sich um sie – so solle sie nur anlässlich von Hochzeiten gesungen werden, da anderenfalls „sowohl demjenigen, der sie singt, als auch demjenigen, der sie hört, alles erdenkliche Unheil widerfahre“.[3]

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts hatte sich Granada zu einem Anziehungspunkt für gut betuchte ausländische Touristen entwickelt. Zu deren Unterhaltungsprogramm gehörten schon bald die als Zambra granadina bezeichneten Aufführungen der dort ansässigen Gitanos, die gegen gute Bezahlung ihre Tänze und Gesänge, darunter auch die Alboreá, als öffentliches Spektakel darboten. Dergestalt aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst, entwickelte sich die Alboreá im 20. Jahrhundert zu einem Flamencogesang, wobei die traditionellen Liedtexte zumeist im Rhythmus der Soleá por Bulerías vorgetragen werden. [4]

Merkmale

Die Liedtexte der Alboreá werden überwiegend syllabisch vorgetragen. Die Strophen folgen oftmals dem Schema der klassischen Seguidilla mit vier Verszeilen und einem dreizeiligen estribillo. Mitunter werden auch vierzeilige Versformen mit dem Silbenschema 7-5-7-5 verwendet.[4]

Einzelnachweise

  1. DRAE: alboreada; abgerufen am 4. Januar 2026 (spanisch).
  2. DRAE: alborear; abgerufen am 4. Januar 2026 (spanisch).
  3. Zitat ohne Quellenangabe. In: Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. Alianza Editorial, Madrid 2004, ISBN 978-84-206-4325-0, S. 32.
  4. a b Miguel Ortiz: Alboreá. In: flamencoviejo.com. 16. März 2010, abgerufen am 19. Dezember 2015 (spanisch).
  • Alboreá – Flamenco wedding dance. (Video) Tanz: Loli Vargas, Bienvenido Maya; Gesang: Chano Lobato; Gitarren: Enrique Escudero, Joaquin Baena, Pedro Soler. Théâtre des Nations, Paris 1963. In: YouTube. 23. April 2021, abgerufen am 4. Januar 2026 (spanisch).
  • Alboreá: Joselero de Morón (cante) Diego el Gastor (toque). (Video) Gesang: Joselero de Morón; Gitarre: Diego el Gastor. In: YouTube. 15. Februar 2014, abgerufen am 19. Dezember 2015 (spanisch, aus: Rito y Geografía del Cante flamenco: Diego del Gastor; RTVE 1972).