Albert van de Poel
J. E. Albert van de Poel (* 29. Mai 1898 in Diest, Belgien; † 2. Oktober 1971 in Breda, Niederlande) war ein niederländisch-flämischer Jurist, Journalist und Autor. Bekannt wurde er als Zeitzeuge des Konzentrationslagers Neuengamme, dessen Erfahrungen er 1948 in einem autobiographischen Bericht veröffentlichte. Sein Werk gilt als eine wichtige zeitgenössische Quelle zur Geschichte des KZ Neuengamme und wird in der historischen Forschung sowie in der Erinnerungs- und Bildungsarbeit regelmäßig herangezogen.
Leben und Wirken
Albert van de Poel wurde 1898 in Diest (Belgien) geboren und wuchs im flämisch-niederländischen Kulturraum auf. Er studierte Rechtswissenschaften, unter anderem an der Universität Gent, und war anschließend als Jurist und Journalist tätig. Früh engagierte er sich publizistisch und arbeitete für verschiedene Zeitungen in den Niederlanden und Belgien.
In den 1930er-Jahren war van de Poel als Journalist und Redakteur aktiv, unter anderem als Chefredakteur des „Dagblad van Noord-Brabant en Zeeland“. Seine publizistische Arbeit brachte ihn während der deutschen Besatzung der Niederlande zunehmend in Konflikt mit den nationalsozialistischen Behörden. Im Juni 1941 wurde van de Poel von der Gestapo verhaftet. Ihm wurde unter anderem Spionage vorgeworfen; belastbare Beweise sind in den Quellen jedoch nicht belegt. Nach mehreren Stationen der Haft wurde er im Oktober 1941 in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg deportiert.
Van de Poel war bis Ende November 1943 Häftling im KZ Neuengamme. Während dieser Zeit war er Zwangsarbeit ausgesetzt und erlebte den Lageralltag aus der Perspektive eines politischen Häftlings. Seine Beobachtungen betrafen unter anderem die Lagerorganisation, die Behandlung der Häftlinge, Machtstrukturen innerhalb des Lagers und den Umgang mit prominenten oder besonders verfolgten Gefangenen. Nach seiner Entlassung kehrte er in die Niederlande zurück. Die Haft hinterließ deutliche gesundheitliche Spuren.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war van de Poel weiterhin publizistisch tätig. 1948 veröffentlichte er seinen Erinnerungsbericht über Neuengamme. Er lebte später in Breda, wo er 1971 im Alter von 73 Jahren starb.
Werk
Ich sah hinter den Vorhang. Ein Holländer erlebt Neuengamme (1948), Albert van de Poels einziges bekanntes Buch erschien 1948 im Robert-Mölich-Verlag, Hamburg. Es handelt sich um einen autobiographischen Zeitzeugenbericht, der auf persönlichen Erlebnissen und Beobachtungen im KZ Neuengamme basiert. Das Buch beschreibt den Alltag im Lager, Gewalt, Willkür und Zwangsarbeit, soziale Hierarchien unter den Häftlingen sowie einzelne Mitgefangene und deren Schicksale.
Van de Poels Bericht wird regelmäßig in wissenschaftlichen Arbeiten, pädagogischen Materialien und Ausstellungen und Dokumentationen zur Geschichte Neuengammes zitiert. Besonders hervorzuheben ist seine namentliche Erwähnung einzelner Häftlinge, darunter auch Karl Baron von Rosenberg, dessen Verfolgungsschicksal im Buch exemplarisch dargestellt wird.