Albert Oppenheimer
Albert Oppenheimer (geboren am 13. Januar 1814 in Braunschweig; gestorben am 11. Januar[1] beziehungsweise 11. Juni[2] 1897 ebenda) war ein deutscher Bankier jüdischen Glaubens sowie Kommerzienrat.
Leben
Albert Oppenheimer war ein Sohn von Lehmann Oppenheimer (1782–1849) und dessen Frau Betty, geb. Lax (1787–1867). Lehmann war der Sohn des nach Braunschweig eingewanderten Schutzjuden Levin Daniel Oppenheimer (1738–1826).[3]
Oppenheimer trat 1842 in das Unternehmen seines Vaters, das Bankhaus Oppenheimer, ein und übernahm 1850 dessen Leitung zusammen mit seinem Bruder August (1816–1878).[4] Darüber hinaus war er Pächter der Braunschweigischen Landeslotterie.
Ab 1862 war er der Repräsentant[5] der jüdischen Gemeinde Braunschweig und von 1868 bis zu seinem Tode 1897 auch deren Vorsteher.[6] Zudem war er einer der Geldgeber für den Bau der Neuen Synagoge in der Alten Knochenhauerstraße, zu dessen Finanzierung auch der Nachlass des Hofbankiers Nathan Nathalion (1805–1864) beitrug. Oppenheimer und seine Frau waren zudem große Förderer von Kunst und Wissenschaft.[7]
Bankhaus Oppenheimer
Levin Daniel Oppenheimer hatte in der Stadt ein Geldwechselgeschäft betrieben, für das sein Sohn Lehmann 1797 eine Konzession erhielt. Das Bankhaus Lehmann Oppenheimer firmierte zunächst in der Breiten Straße (Assekuranznummer 775). Mit Eintritt seines Sohnes Albert wurde das Unternehmen ab 1842[7] oder 1853[8] als „Lehmann Oppenheimer & Sohn“ bezeichnet. Unter Albert Oppenheimer entwickelte sich das Bankhaus durch seine zahlreichen Unternehmensbeteiligungen sowie städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen zu einem wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben der Stadt Braunschweig.[9] Sein Schwiegersohn Carl Magnus wurde später Mitinhaber der Bank. Im Mai 1900 zog die Bankzentrale von der Breiten Straße in die Dankwardstraße 2 um. 1932 schließlich wurde das Bankhaus Oppenheimer als Folge der Deutschen Bankenkrise von der Commerz- und Privatbank AG, der späteren Commerzbank übernommen. Die Bank unterhält noch heute eine Filiale in dem Gebäude.
Familie
Ab 1847 war Oppenheimer mit Rosalie (geborene Levin; 21. März 1824 in Berlin – 8. Juni 1911 in Braunschweig) verheiratet. Zusammen hatten sie fünf Töchter:
- Bertha Oppenheimer, eigentlich Rebecka, (1848–1939) ⚭ mit dem Bankier Karl Magnus
- Elisabeth Elise Oppenheimer (geb. 1850) ⚭ mit dem Kaufmann Michels aus Hannover
- Anna Oppenheimer ⚭ mit dem Kaufmann Robert Jasper aus Braunschweig
- Minna Oppenheimer (geb. 1854) ⚭ mit dem Wiesbadener Arzt Moritz Cohn
- Helene Oppenheimer (1858–1943) ⚭ mit dem Juristen Max Aronheim.[1]
1871 hatte Oppenheimer das Grundstück Hohetorwall 14, Ecke Sonnenstraße erworben, auf dem er eine Villa für sich und seine Familie errichten ließ. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute befindet sich dort ein Neubau. Ein Porträtbild seiner Frau und das ehemalige Wohnhaus wurden 1905 anlässlich ihres 81. Geburtstages auf einer Bronzemedaille verewigt (Stempel von Gottlieb Elster).[10]
Die Familien Oppenheimer und Aronheim werden des Öfteren in den Lebenserinnerungen der in Braunschweig geborenen Schriftstellerin Ricarda Huch erwähnt, die als Kind Hohetorwall 11[11] (damals noch Hohetorpromenade) in unmittelbarer Nähe zu den Oppenheimers wohnte.[12]
Literatur
- Reinhard Bein: Ewiges Haus – jüdische Friedhöfe in Stadt und Land Braunschweig. Döringdruck, Braunschweig 2004, ISBN 3-925268-24-3.
- Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. Biografische Notizen zu den in Braunschweig bestatteten Juden (1797 bis 1983). In: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv Braunschweig. Nr. 1, Döring Druck, Braunschweig 2009, ISBN 978-3-925268-30-4.
- Hans-Heinrich Ebeling: Die Juden in Braunschweig: Rechts-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von den Anfängen der Jüdischen Gemeinde bis zur Emanzipation (1282–1848). In: Braunschweiger Werkstücke. Band 65, Braunschweig 1987, ISBN 3-87884-034-9.
- Norman-Mathias Pingel: Oppenheimer Bankhaus. In: Manfred Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon. Ergänzungsband. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1996, ISBN 3-926701-30-7, S. 101.
Einzelnachweise
- ↑ a b Reinhard Bein: Ewiges Haus – Jüdische Friedhöfe in Stadt und Land Braunschweig. S. 191.
- ↑ Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. Biografische Notizen zu den in Braunschweig bestatteten Juden (1797 bis 1983). S. 319.
- ↑ Ebeling: Die Juden in Braunschweig: Rechts-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von den Anfängen der Jüdischen Gemeinde bis zur Emanzipation (1282–1848). S. 328.
- ↑ Reinhard Bein: Ewiges Haus – Jüdische Friedhöfe in Stadt und Land Braunschweig. S. 192 f.
- ↑ Reinhard Bein: Ewiges Haus – Jüdische Friedhöfe in Stadt und Land Braunschweig. S. 191.
- ↑ Ebeling: Die Juden in Braunschweig: Rechts-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von den Anfängen der Jüdischen Gemeinde bis zur Emanzipation (1282–1848). S. 298.
- ↑ a b Brunsvicensia Judaica. Gedenkbuch für die jüdischen Mitbürger der Stadt Braunschweig 1933–1945 (= Bert Bilzer, Richard Moderhack (Hrsg.): Braunschweiger Werkstücke. Band 35). Waisenhaus, Braunschweig 1966, S. 109 und 124 (leopard.tu-braunschweig.de PDF).
- ↑ Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. Biografische Notizen zu den in Braunschweig bestatteten Juden (1797 bis 1983). S. 320.
- ↑ Norman-Mathias Pingel: Oppenheimer Bankhaus. In: Braunschweiger Stadtlexikon – Ergänzungsband. S. 101.
- ↑ Bronzemedaille 1905 „Zur Erinnerung an den 18. März 1905“ (numisbids.com).
- ↑ Lebensstationen in Braunschweig – Auf den Spuren von Ricarda Huch ( vom 4. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 3,5 MB)
- ↑ Ricarda Huch: Erinnerungen an das eigene Leben. Kiepenheuer & Witsch, 1980, S. 121.