Albert Dehne

Albert Ludwig Georg Dehne (* 13. September 1832 in Halle (Saale); † 9. Februar 1906 ebenda) war ein deutscher Konstrukteur und Maschinenbau-Unternehmer. Er war Gründer eines der ältesten und größten Maschinenbauunternehmen der Stadt Halle. Dehne war außerdem 13 Jahre lang als Stadtverordneter in der Kommunalpolitik aktiv und wurde 1903 zum halleschen Ehrenbürger ernannt.

Leben

Familie

Dehne wurde als zweiter Sohn des königlich preußischen Hauptsteueramts-Assistenten Georg Wilhelm Dehne (* 2. Dezember 1786; † 8. Mai 1856) geboren. Seine Mutter Sophie Charlotte (* 22. Oktober 1808; † 15. Mai 1881) war eine geborene von Stölting. Er wurde Anfang Oktober 1832 in der Ulrichskirche in Halle auf die Namen Albert Ludwig Georg getauft; zu seinen Taufpaten gehörten neben einem Grafen von der Schulenburg, einem Leutnant von Hartz und einem Leutnant von Tresckow die beiden Professoren der Halleschen Universität Johann Salomo Christoph Schweigger und Heinrich Leo.

Beruflicher Werdegang

Dehne erlernte nach seiner Schulzeit den Beruf eines Mechanikers und Optikers. Anfang 1858 gründete er das Unternehmen Albert L. G. Dehne auf dem Grundstück Große Märkerstraße 4 in Halle. 1863, nach dem Erwerb eines Grundstücks an der Schimmelgasse, erweiterte er es vom handwerklichen Armaturenbau zu einer Maschinenfabrik. Anfang 1867 errichtete Dehne ein Portierhaus mit Durchgang zu den dahinter gelegenen Werksanlagen. Von 1871 bis 1873 erfolgten mehrere Erweiterungsbauten.

Vor allem nach dem Deutsch-Französischen Krieg gelang es Dehne, mit der Herstellung von Filterpressen für die Zuckerfabrikation eine gute Auftragslage für sein Unternehmen zu sichern; auf diesem Gebiet war es jahrelang weltmarktführend. Er lieferte Filterpressen in 800 Varianten von hervorragender Qualität. Zusätzlich produzierte Dehnes Unternehmen Armaturen für Wasser- und Gasleitungen, Pumpen und Dampfmaschinen. Bereits 1880 hatte das Werk über 300 Mitarbeiter, 1890 waren es 600. Das Unternehmen gehörte damit zu den größten privaten Arbeitgebern in Halle. 1890 wurden allein in der Eisengießerei täglich 20 Tonnen Gusswaren hergestellt.

Der finanziell sehr erfolgreiche Dehne gehörte zu den wohlhabendsten halleschen Bürgern und konnte im Jahr 1900 zur Errichtung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Halle 250.000 Mark spenden, das ein Jahr später eingeweiht wurde. Er finanzierte aber auch zahlreiche kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen sowie humanitäre, kommunale und wissenschaftliche Projekte. Seine hochqualifizierten Handwerker, Techniker und Ingenieure konnte er mit der Schaffung von eigenen Betriebswohnungen und eines Werksvereins dauerhaft an das Unternehmen binden.

Albert Dehne starb am 9. Februar 1906 im Alter von 73 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Halle. Drei Tage später wurde er auf dem halleschen Stadtgottesacker bestattet, sein Grab befindet sich im Innenfeld, Abteilung III im Erbbegräbnis der Familie Dehne.[1] Ab Juni 1880 war Dehne Mitglied der Freimaurerloge Zu den drei Degen in Halle sowie von 1881 bis 1889 Hauptmann der Stadtschützengesellschaft.

Ehe und Nachkommen

1859 heiratete Albert Dehne die siebzehnjährige Antonie von Schulz (1842–1917), die ursprünglich aus Camburg stammte und nach dem frühen Tod ihrer Eltern von Verwandten in Halle aufgezogen wurde. Sie engagierte sich im sozialen und humanitären Bereich und war schon 1866 während des Deutschen Kriegs sowie von 1870 bis 1871 während des Deutsch-Französischen Kriegs in der Kranken- und Verwundetenpflege aktiv. Auch nach dem Tod ihres Ehemanns kümmerte sie sich im Ersten Weltkrieg um die Pflege der Verwundeten. Seit 1882 gehörte Antonie Dehne dem Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins an, dessen Vorsitz sie 1901 übernahm. Bereits 1896 gründete sie gemeinsam mit Mathilde von Voß, der Frau des halleschen Oberbürgermeisters Franz von Voß, eine Kinder-Heil- und Pflegestätte.

Aus der Ehe von Antonie und Albert Dehne gingen mindestens drei Kinder hervor. Die zwei Söhne Paul und Max Dehne wurde noch zu Lebzeiten von Albert Dehne Teilhaber des Unternehmens ihres Vaters, das ab 1898 die Rechtsform einer Offenen Handelsgesellschaft hatte. Sie konnten es nach seinem Tod als Familienbetrieb fortführen. Die Tochter Margarete (* 13. Mai 1864; † 1. Mai 1951) heiratete einen Unternehmer aus Trotha. Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns und dem Tod ihrer Mutter 1917 übernahm sie von dieser einen Teil der sozialen Aufgaben – außerdem war sie eine der ersten Automobil-Besitzerinnen in Halle und sehr aktiv im örtlichen Automobilclub.

Ehrungen

Für seine Verdienste erhielt Albert Dehne den Ehrentitel eines königlich preußischen Kommerzienrats, im Oktober 1897 erfolgte die Rangerhöhung zum Geheimen Kommerzienrat. Am 30. Juli 1890 wurde ihm der preußische Kronen-Orden 4. Klasse verliehen.[2]

1902, noch zu seinen Lebzeiten, wurde Dehne mit der Benennung einer Straße in Halle geehrt. Die Albert-Dehne-Straße wurde 1959 auf Druck der Sozialistische Einheitspartei Deutschlands in Gustav-Anlauf-Straße umbenannt. Gustav Anlauf war ein Sozialdemokrat, der am 12. Juli 1881 in der Gießerei von Dehnes Unternehmen als Arbeiter eingestellt wurde und bereits vier Tage später an einem Schlaganfall starb. Erst nach der Wende und der friedlichen Revolution in der DDR wurde am 19. Dezember 1990 ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gefasst, erneut eine Straße in Halle-Silberhöhe nach Albert Dehne zu benennen.

Am 18. November 1903 wurde Albert Dehne die Ehrenbürgerwürde der Stadt Halle verliehen. Er gehörte zu den ersten Unternehmern der Stadt, die diese Ehre erhielten. Die Urkunde nennt Dehne „den Begründer unserer blühenden Maschinenindustrie“.

Literatur

  • Erich Neuß: Die Entwicklung des halleschen Wirtschaftslebens vom Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zum Weltkrieg. Meyer, Halberstadt 1924, Seite 129 und Seite 144.
  • Ralf Jacob: Ruhestätte bedeutender Persönlichkeiten der deutschen Geistes- und Wirtschaftsgeschichte. In: Stadt Halle (Saale), Die Oberbürgermeisterin (Hrsg.): Der hallesche Stadtgottesacker. Einzigartige Friedhofsanlage der deutschen Renaissance. Halle 2003, Seite 25. (Digitalisat)
  • Walter Müller: Albert Dehne (1832–1906). Pionier des hallischen Maschinenbaus. In: Ekkehard, familien- und regionalgeschichtliche Forschung (ZDB-ID 223727-1), Neue Folge 14, Halle 2007, Heft 2 (Teil 1), Seite 54–63 / Heft 3 (Teil 2), Seite 65–717.
  • Johanna Ritter: Straßenschilder für einen Fabrikanten. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 12. September 2008 (online, zuletzt abgerufen am 4. Oktober 2025)

Einzelnachweise

  1. Albert Dehne in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 3. Januar 2024.
  2. Fünfter Nachtrag zur Königlich Preußischen Ordens-Liste 1886. (enthält die Verleihungen vom 1. April 1890 bis 31. März 1891) Berlin o. J., S. 96. (hier auch bereits als Kommerzienrat ausgewiesen)