Albanikirche Mühlhausen (Enz)
Die evangelische Albanikirche ist die evangelische Pfarrkirche von Mühlhausen an der Enz, einem Stadtteil von Mühlacker im Enzkreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde, deren romanische Wehrkirche über einen Chorturm verfügt und gotisch überformt wurde, gehört zum Kirchenbezirk Mühlacker der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte
Ursprünglich war die romanische, dem heiligen Albanus geweihte Kirche wohl kleiner, schmaler und niedriger. 1231 gingen die Eigentumsrechte an das Klosters Maulbronn und in der Folgezeit auf das Spital Markgröningen über; damit wurde die Kirche württembergisch. 1458 erhielt die Anlage von Baumeister Balthasar von Horrheim ihre gotische Form. Der Einbau einer neuen Kanzel und eines Zugangs aus der Sakristei 1559 und weitere Baumaßnahmen 1772 veränderten das Gotteshaus nochmals. 1912 erfolgte eine grundlegende Renovierung; der Stuttgarter Architekt Theodor Dolmetsch (1877–?), Sohn und Büronachfolger von Heinrich Dolmetsch, entwarf hierbei die Orgelempore samt Orgelgehäuse, die Brüstung vor dem Grafenstuhl und die Bemalung der Deckenbalken, alles im Jugendstil.[1]
Ausstattung
Erkennbar aus der Erbauungszeit stammt das Kielbogen-Westportal mit lateinischer Bau- und Datierungsinschrift (Übersetzung: Dieses Werk wurde vollendet im Jahr des Herrn 1458 unter Burghard Trautwein durch Magister Balthasar). Die Holzkanzel mit Schalldeckel verfügt über eine kurze, stufenlose Verbindung zur Sakristei und zeigt im Schreinerwerk Renaissance-Stilelemente, etwa feldertrennenende Pilaster, die sich wie Tischbeine verjüngen; hier, aber auch auf der Emporenbrüstung und im Chorgewölbe fallen Jugendstilmotive auf.
Gewölbekonsolen, Schlusssteine und Epitaphe weisen im Wappen, in Steinreliefs und in Inschriften mehrfach auf die Ortsherrschaft des Reichsrittergeschlechts Thumb von Neuburg hin, das 1508–1648 das Reichslehen innehatte und nach Einführung der Reformation zum Teil zur Anhängerschaft des Kaspar Schwenckfeld gehörte.
Im 19. Jahrhundert wurde die Albanskirche mit Glasgemälden ausgestattet: im Chorfenster der erhöhte Christus als Pankrator (1872); im vordersten Nordfenster der Reformator Martin Luther (1872); und in den Südfenstern der hier geborene Pfarrer und Kirchenlieddichter Philipp Friedrich Hiller im Talar (1872), Jesu Seepredigt (1888), Jesu Bergpredigt (1891) und der Reformator Johannes Brenz.
1912 installierte die Ludwigsburger Manufaktur E. F. Walcker & Cie. eine neue Orgel, die vor dem Alter schräg rechts auf hölzernen Stützpfeilern steht und vor der rechten Rückwand einen fast ebenerdigen Spieltisch besitzt; das barocke Orgelprospekt wurde in das Jugendstilgehäuse integriert. 2005 und 2021 nahm die Großsachsenheimer Manufaktur Orgelbau Lenter Restaurierungsarbeiten an dem neunregistrigen Instrument mit zwei Manualen und Pedal vor.
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- Koppeln: I–P, II–P, II–I
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Lage der Albanikirche
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Westportal mit Inschrift und Christuskopf
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Westansicht
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Altar mittig, Kanzel links und Orgel rechts
Literatur
- Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Neckarkreis – Inventar; Stuttgart 1889, S. 478 f
- Ausliegendes Faltblatt
- Hermann Diruf, Christoph Timm: Kunst- und Kulturdenkmale in Pforzheim und im Enzkreis. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1680-0, S. 254–255.
Einzelnachweise
Weblinks
- Mehr Bilder und Informationen zur Albanikirche auf kirchen-online.com
- Albani private Seite mit Bildern
Koordinaten: 48° 56′ 25,1″ N, 8° 53′ 35,2″ O