al-Fāschir-Massaker

Das al-Fāschir-Massaker (arabisch مجزرة الفاشر, DMG Maǧzarat al-Fāšir) ist ein Massenmord, der seit dem 26. Oktober 2025 andauert und bei dem schätzungsweise 2500 oder mehr Zivilisten in der sudanesischen Stadt al-Fāschir hingerichtet oder ermordet wurden. Die Hinrichtungen wurden hauptsächlich von den Rapid Support Forces (RSF) durchgeführt, nachdem diese die Stadt, die letzte Hochburg der sudanesischen Streitkräfte (SAF) in Darfur, eingenommen hatten.

Geschichtlicher Hintergrund

Seit April 2023 herrscht im Sudan ein Bürgerkrieg, der aus einem Machtkampf zwischen dem Oberbefehlshaber der sudanesischen Armee (SAF) und Präsident Abdel Fattah Burhan und dem Anführer der paramilitärischen Gruppierung Rapid Support Forces (RSF), Mohammed Hamdan Daglo, hervorging. Die RSF wurde 2013 vom damaligen Staatschef Umar al-Baschir gegründet, um die Macht und die Kompetenzen seines Regimes auszubalancieren. Nach Massenprotesten gegen das Militärregime wurde al-Baschir im April 2019 durch einen Militärputsch abgesetzt. In der Übergangsregierung unter Premier Abdalla Hamdok behielten die beiden Generäle Burhan (SAF) und Daglo (RSF) die Kompetenz für Sicherheitsfragen im nationalen Souveränitätsrat.[1]

Die erste bedeutende Schlacht fand in al-Fāschir im April 2023 statt. In den folgenden zwei Jahren kam es zu mehreren Zusammenstößen zwischen den bewaffneten Gruppen, wo die RSF, die seit April 2023 gegen das Militär des Landes kämpft, al-Fāschir, die Hauptstadt der Region Nord-Darfur, seit langem belagert und immer wieder beschossen hatte. Im Oktober 2025 war al-Fāschir die letzte Hochburg der sudanesischen Streitkräfte (SAF) in Darfur. Schätzungen zufolge waren im September und Oktober 2025 mehr als 260.000 Zivilisten aufgrund der Belagerung in der Stadt eingeschlossen und während dieser Zeit verschärfte sich eine humanitäre Krise.[2]

Nach verstärkten Angriffen der RSF auf die Stadt zogen sich die SAF am späten Abend des 27. Oktober 2025 zurück und nahmen die Stadt ein.[3] Am 28. Oktober bestätigte der Chef der SAF, Abdel Fattah Burhan, den Rückzug der Armee aus der Stadt. Beim darauffolgenden Angriff auf die Stadt, den die RSF als eine „großangelegte Durchsuchungsaktion“ bezeichnete, erklärte die Gruppe, sie sei dem Schutz der Zivilbevölkerung „höchst verpflichtet“. Zum Zeitpunkt des Angriffs lebten in al-Fāschir schätzungsweise 300.000 Menschen.[4] Bis zu 150.000 davon galten Anfang Dezember 2025 als vermisst.[5][6]

Verlauf

Ein UN-Vertreter und ein Mitarbeiter des Welternährungsprogramms wurden um 29. Oktober 2025 von der Regierung des Landes ausgewiesen. Es ist nicht das erste Mal, dass die sudanesische Regierung Vertreter der Vereinten Nationen zur Ausreise zwingt. Bereits im Juni 2023 war der damalige UN-Sondergesandte für den Sudan, der deutsche Politikwissenschaftler und Diplomat Volker Perthes, zur Persona non grata erklärt worden. Ihm wurde vorgeworfen, den Konflikt im Land geschürt zu haben.[7]

Reaktionen

Unter den Beteiligten

Die RSF hat das Massaker dementiert und die Videos als Propaganda und Fälschung bezeichnet. RSF-General Mohammed Hamdan Daglo räumte „Übergriffe“ durch die RSF ein und erklärte, dass die Ermittlungen andauerten.[8] Er entschuldigte sich für mögliche zivile Opfer und versicherte, die RSF werde die Zivilbevölkerung schützen. Er fügte hinzu, Sudan werde „in Frieden wie im Krieg“ vereint sein. RSF-Brigadegeneral Al-Fateh Abdullah Idris, bekannt als Abu Lulu, prahlte jedoch in Videos vom 27. Oktober damit, über 2000 Menschen getötet zu haben. In einem anderen Video war er bei der Hinrichtung eines Zivilisten zu sehen.[9]

In einer Rede am 27. Oktober beschuldigte al-Burhan die RSF der Tötung von Zivilisten. Die SAF beschuldigten die RSF, Moscheen und Helfer ins Visier genommen zu haben.[10]

International

Die Afrikanische Union äußerte sich tief besorgt über die Massenmorde und Menschenrechtsverletzungen nach der Machtübernahme durch die Rebellen.[11] Die Europäische Union äußerte sich ebenfalls tief besorgt über die Gewalt und bat um Unterstützung, um die Betroffenen zu erreichen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.[12] Deutschland verurteilte die Morde, Vergewaltigungen und Folterungen aufs Schärfste und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt.[13]

Einzelnachweise

  1. Bürgerkrieg im Sudan. In: Bundeszentrale für politische Bildung. 15. April 2024, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  2. Moritz Bernhardt: Sorge um Hunderttausende Zivilisten in eroberter Stadt Al-Faschir. In: Tagesschau. 27. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  3. Sudan: Armee gibt letzte Bastion in Darfur auf – DW – 28.10.2025. In: Deutsche Welle. Abgerufen am 31. Oktober 2025.
  4. Sudan: Was man zur dramatischen Lage wissen sollte. In: ZDF. 28. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  5. Mark Townsend: RSF massacres left Sudanese city ‘a slaughterhouse’, satellite images show. In: The Guardian. 5. Dezember 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 6. Dezember 2025]).
  6. Sudan civil war: The terrifying escape from el-Fasher in Darfur. 30. November 2025, abgerufen am 6. Dezember 2025 (britisches Englisch).
  7. Sudan weist Mitarbeiter des Welternährungsprogramms aus. In: Deutsche Welle. 29. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  8. Rights groups condemn 'horrific' Sudan hospital killings as thousands flee Al-Fasher. In: SBS News. 30. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
  9. Christian Putsch: Sudan: "Menschliches Schlachthaus" – die stille Duldung der Gräuel von El-Fasher. In: Die Welt. 31. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  10. UN calls for end to Sudan siege after mass hospital killings. In: The Herald Sun. 30. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025 (australisches Englisch).
  11. Mawahib Abdalattif: Worse to worst: Massacre, famine fears as RSF takes Darfur city. In: The East African. 28. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
  12. Sudan: WHO 'appalled' by RSF maternity ward massacre. In: Deutsche Welle. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
  13. TRT World - Global calls mount to protect civilians in Sudan's Al Fasher amid RSF rampage. In: TRT World. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).