Akazu
Der Akazu (Kinyarwanda für „kleines Haus“[1]) war ein einflussreicher Klan von Hutu aus den nordwestlichen Präfekturen Ruandas (Ruhengeri und Gisenyi), der sich vorwiegend aus Verwandten und Freunden des ehemaligen Präsidenten Juvénal Habyarimana und dessen einflussreicher Frau Agathe Habyarimana zusammensetzte.[2] Er war daher auch als le Clan de Madame bekannt.[3]
Die Angehörigen des Akazu besetzten nach dem Militärputsch von 1973 innerhalb des Hutu-Regimes unter Präsident Habyarimana (1973–1994) wichtige Positionen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.[2]
Den Mitgliedern des Akazu wird eine zentrale Rolle bei der Radikalisierung der „Hutu-Power“-Bewegung in den frühen 1990er Jahren zugeschrieben,[4] die im Jahr 1994 zum Völkermord an etwa 800.000 bis 1 Million Tutsi und gemäßigten Hutu führte.
Angehörige des Akazu waren Gründungsmitglieder der Coalition for the Defence of the Republic (CDR), die zunächst als Hardlinerflügel der regierenden MRND (Mouvement républicain national pour la démocratie et le développement) galt und sich schließlich als eigene Partei abspaltete, um die Radikalisierung der Hutu-Power-Bewegung voranzutreiben. Darüber hinaus waren Angehörige des Akazu maßgeblich an der Gründung des Radiosenders Radio-Télévision Libre des Mille Collines (RTLM)[3] und der radikalen Zeitung Kangura beteiligt,[5] die wesentliche Propaganda-Organe der Bewegung waren und durch Hasspropaganda gegen Tutsi und die RPF (Ruandische Patriotische Front) entscheidenden Einfluss an der Mobilisierung zum Völkermord von 1994 hatten.
Bekannte Mitglieder
Zu den Mitgliedern zählten:[1]
- Théoneste Bagosora, Militär
- Agathe Habyarimana, First Lady
- Leonard Nkundiye, Militär
- Seraphin Rwabukumba, einflussreicher Unternehmer
- Elie Sagatwa, Privatsekretär von Präsident Habyarimana
- Pascal Simbikangwa, Militär
- Protais Zigiranyirazo, Präfekt von Ruhengeri
Einzelnachweise
- ↑ a b Alison Des Forges: Leave None to Tell the Story: Genocide in Rwanda. Hrsg.: Human Rights Watch. New York 1999, ISBN 1-56432-171-1 (englisch, hrw.org).
- ↑ a b Andrew Wallis: Rwanda’s Forgotten Years: Reconsidering the Role and Crimes of Akazu 1973–1993. In: Journal of International Peacekeeping. Band 22, Nr. 1–4, 2018, S. 40–59, doi:10.1163/18754112-0220104004 (englisch).
- ↑ a b Gerald Caplan: Chapter 3: Rwanda: Walking the Road to Genocide. In: International Development Research Centre (Hrsg.): Media & the Rwanda Genocide. 2008, ISBN 978-1-55250-338-6, S. 23–24 (englisch).
- ↑ Stephen Ellis, Gerrie Ter Haar; Worlds of Power, New York, Oxford University Press, 2004, p. 141
- ↑ Roger Bromley: Beast, Vermin, Insect - Hate Media and the Construction of the Enemy: The Case of Rwanda, 1990 - 1994. In: At the Interface / Probing the Boundaries. Band 75. Brill, Leiden, Niederlande 2011, S. 39–59, doi:10.1163/9789401200387_004 (englisch).