Aisha Rateb

Aisha Muhammad Suad Rateb (arabisch عائشة راتب, * 22. Februar 1928 in Kairo; † 4. Mai 2013 in Gizeh) war eine ägyptische Rechtswissenschaftlerin und Politikerin.

Werdegang

Rateb studierte ab 1945 Rechtswissenschaften an der Universität Kairo. Nach ihrem Studienabschluss mit Bestnoten 1949 bewarb sie sich um eine Assistentenstelle beim ägyptischen Staatsrat, dem obersten Rechtsprechungsorgan in Verwaltungs- und Disziplinarstreitigkeiten. Da mit dieser Stelle jedoch auch Rechtsprechungstätigkeit verbunden gewesen wäre und der damalige Premierminister Hussein Sirri Pasha weibliche Richter für undenkbar hielt, wurde ein zusätzlicher Qualifikationstest erfunden. Diesen bestand Rateb indes als einzige der Bewerbenden.[1] Ernannt wurde sie dennoch nicht und verklagte daraufhin die Regierung wegen Verletzung ihrer verfassungsmäßigen Rechte. Auch wenn sie den Rechtsstreit verlor, sorgte sie national für Aufsehen und stieß Veränderungen in der ägyptischen Gesellschaft an.[2]

Nach dem verlorenen Rechtsstreit kehrte Rateb zurück an die Universität Kairo und widmete sich einer akademischen Karriere. Nach dem Erwerb postgradualer Diplome in Völkerrecht und internationalem Recht 1950 und 1951 trat sie eine Stellung als Lehrassistentin an. 1955 wurde sie von der Universität Kairo mit einer Arbeit zur Neutralität im internationalen Recht zur Dr. iur. promoviert. 1962 wurde sie als erste Frau in Ägypten zur Assistenzprofessorin an einem rechtswissenschaftlichen Lehrstuhl ernannt. Wiederum als erste Frau Ägyptens wurde sie 1970 an der Universität Kairo zur ordentlichen Professorin für Völkerrecht ernannt.

Lange übte sie diese Stellung indes nicht aus, sondern wurde bereits 1971 von Präsident Anwar as-Sadat zur Ministerin für Soziale Angelegenheiten ernannt. Hierbei setzte sie sich vor allem für Sozialreformen zur Verbesserung der sozialen Absicherung und der rechtlichen Stellung von Frauen ein. 1976 wurde sie zusätzlich zur Ministerin für Versicherungen ernannt. 1977 schied sie im Streit über die vom Präsidenten verordneten Sparmaßnahmen aus der Regierung aus und kehrte an die Universität Kairo zurück. Wiederum war sie nicht lange in der Lehre tätig, sondern wurde 1979 zur ägyptischen Botschafterin in Dänemark bestellt und war damit die erste weibliche ägyptische Botschafterin. 1981 wechselte sie als Botschafterin an die ägyptische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland. 1984 kehrte sie nach Ägypten zurück, wo sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1988 ein drittes Mal als Professorin für Völkerrecht an der Universität Kairo tätig war. In ihrem letzten Jahr als Hochschullehrerin war sie von 1987 bis 1988 Vorsitzende des Departements für Völkerrecht an der Universität Kairo.

Aisha Rateb starb am 4. Mai 2013 in Gizeh im Alter von 85 Jahren an einem plötzlichen Herzstillstand.[3]

Publikationen (Auswahl)

  • L'Individu et le droit international public. Éditions de la Renaissance d'Égypte, Kairo 1959 (französisch).
  • Al-Tanẓīm al-diblūmāsī wa-al-qunṣulī. Dar al-Nahda al-Arabiya, Kairo 1961 (arabisch).
  • Al-Munazzamat al-dawliya. Dar al-Nahda al-Arabiya, Kairo 1965 (arabisch).
  • Al-Alaqat al-dawliya al-arabiya. Dar al-Nahda al-Arabiya, Kairo 1968 (arabisch).
  • Thawrat 23 Yulyu 1952. Dar al-Nahda al-Arabiya, Kairo 1970 (arabisch).
  • mit Hamed Sultan und Salah El-Din Amer: Al-Qanun al-dawli al-amm. 4. Auflage. Dar al-Nahda al-Arabiya, Kairo 1980 (arabisch).

Einzelnachweise

  1. The great women of Egypt!, abgerufen am 2. Januar 2026 (englisch)
  2. Female Judges In Egypt Battle Against Old Ideas, abgerufen am 2. Januar 2026 (englisch).
  3. Egypt's first female ambassador dies at 85, abgerufen am 2. Januar 2026 (englisch).