Agnes Pochin

Agnes Pochin, geborene Heap (* 25. November 1825 in Timperley, Cheshire; † 12. Februar 1908 im Bodnant House, Conwy County Borough, Wales), war eine frühe englisch-britische Frauenrechtlerin. Sie finanzierte Kampagnen, verfasste eine der ersten Flugschriften und war eine der drei Rednerinnen bei der ersten Wahlrechtsversammlung im April 1868 in Manchester.[1]

Leben

Pochin war die jüngste Tochter von George Gretton Heap, einem Fabrikanten, und seiner Frau Hannah, geborene Lord. Sie hatte drei Brüder und vier Schwestern. Am 20. April 1852 heiratete sie in der unitarischen Cross Street Chapel in Manchester Henry Davis Pochin (1824–1895), der eine erfolgreiche Karriere als Industriechemiker in Manchester gemacht hatte und später liberaler Parlamentsabgeordneter wurde. Eine Schwester von Pochin war mit dem Geschäftspartner von Henry Pochin, dem Chemiker James Woolley, verheiratet. Die Familie Pochins lebte in Salford und hatte viele Kinder, von denen die meisten im Säuglingsalter starben, die drei überlebenden Kinder waren Walter (1853–1867), Laura Elizabeth (1854–1933) und Percival Gerald (1862–1918).[1][2]

Pochin verfasste unter dem Pseudonym „Justitia“ 1855 The Right of Women to Exercise the Elective Franchise. Darin argumentierte sie nicht nur für gleiches Wahlrecht, sondern auch für Gleichberechtigung in Bezug auf Bildung, Scheidung, Ehrgeiz und gesellschaftliche Aspirationen. Sie schrieb:„Das Leben der Frauen in der Mitteslschicht ist langweilig – und wurde dazu gemacht.“ Die Schrift wurde erst 1873 unter ihrem Namen veröffentlicht.[3]

Ab 1858 versuchte Pochin vergeblich, John Bright dazu zu bewegen, eine Klausel zum Frauenwahlrecht in einen Entwurf für eine weiterwe Reform Bill aufzunehmen. Bright sah persönlich keinen Grund, sich dem zu widersetzen, glaubte jedoch, dass die Aufnahme dieser Klausel ein Gesetz gefährden könnte.[2] Pochin verfolgt das Thema weiter. Am 14. April 1868 hielt die Manchester National Society for Women’s Suffrage, die im Jahr zuvor gegründet worden war, ihre erste öffentliche Versammlung ab. Dieses Treffen gilt als Meilenstein für den Beginn der Kampagne für das Frauenwahlrecht. Die Versammlung fand in der Free Trade Hall in Manchester statt, und die drei Hauptrednerinnen waren Lydia Becker, Anne Robinson und Pochin. Pochins Ehemann, zu der Zeit Bürgermeister von Salford,[4] leitete die Versammlung. Pochin brachte den Antrag ein, dass das Publikum den Vorschlag unterstützen solle, dass Frauen, die rechtlich qualifiziert waren, ihre Namen in das Wählerverzeichnis eintragen können sollten. Die Pochins finanzierten eine Erhebung unter den Frauen in Salford, infolgedessen über tausend Frauen in das Wählerverzeichnis aufgenommen wurden. Außerdem übernahmen die Pochins die Kosten für die rechtliche Verteidigung, als die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens angefochten wurde.[2]

1870 zogen Pochin und ihr Ehemann nach Barn Elms in Surrey, damit er leichter zum House of Commons reisen konnte. 1872 wurde Pochin Mitglied des Exekutivausschusses des Central Committee for Women’s Suffrage.[2] 1873 wurde ihr Aufruf für das Frauenwahlrecht schließlich erneut veröffentlicht, diesmal nicht unter einem Pseudonym, sondern unter dem Namen „Mrs Henry Davis Pochin“.[5] In den folgenden Jahren erhielten das Central Committee und der Manchester-Zweig große Geldbeträge von den Pochins.[2] Pochin wechselte 1892 zur Women’s Emancipation Union und spendete im folgenden Jahrzehnt an lokale und nationale Komitees.

1892 erhielt Pochin die Ehre, das Schlachtschiff HMS Revenge zu taufen. Sie nutzte die Gelegenheit, um die historische Geringschätzung der Frauen durch die Kirche anzuprangern.[2].

1874 kaufte das Ehepaar Pochin das Anwesen Bodnant House im Conwy-Tal; allerdings scheint Pochin keinen entscheidenden Anteil an der Entwicklung des heute berühmten Bodnant Garden gehabt zu haben. Sie starb dort am 12. Februar 1908, nachdem sie ihren Ehemann gut zwölf Jahre überlebt hatte, und wurde im Familienmausoleum The Poem im Bodnant Garden beigesetzt.[1]

Pochins Name und ihr Bild befinden sich auf dem Sockel der Millicent-Fawcett-Statue auf dem Parliament Square in London.

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Einzelnachweise

  1. a b c Elizabeth Crawford: Pochin [née Heap], Agnes (1825–1908). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/56284.
  2. a b c d e f Elizabeth Crawford: The Women's Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 1-135-43402-6, S. 559–562.
  3. Woman's life in the middle classes is, and has been rendered, essentially a dull one. The necessity she is thought to be under of confining herself almost exclusively to one spot; the little variety she sees, whether of scene or character; the small number of her Creator's works upon which she is permitted to render her perceptive faculties; her entire withdrawal from the investigation of her Creator's laws; the necessity she is under of conforming to a stereotyped conventional standard of character …all combine to produce what may be emphatically designated a dull life. (Agnes Pochin: The Right of Women to Exercise the Elective Franchise. J. Chapman, London 1855, S. 31.)
  4. Previous Mayors. In: Civic History. Salford City Council, abgerufen am 18. Dezember 2025.
  5. Antoinette Burton: Burdens of History: British Feminists, Indian Women, and Imperial Culture, 1865–1915. University of North Carolina Press, Chapel Hill, NC 2000, ISBN 978-0-8078-6065-6, S. 226, FN 75.