Aeschillus Petraeus
Aeschillus Petraeus (auch Eskil, * 1593 in Grums, Schweden; † 27. September 1657 in Turku) war ein aus Schweden stammender finnischer Theologe und Sprachwissenschaftler, der 1649 die erste Grammatik des Finnischen verfasste.
Leben
Petraeus ging in Karlstad und Strängnäs zur Schule und wurde 1619 an der Universität Uppsala zum Magister promoviert. Danach ging er nach Deutschland, wo er in Wittenberg mehrere theologische Abhandlungen verteidigte. 1624 erhielt er eine Stellung an der Universität Uppsala, wo er nach einem zwischenzeitlichen Studienaufenthalt in Jena 1628 zum Dr. theol. promoviert wurde. Im gleichen Jahr erhielt er einen Ruf an die Domschule in Turku – Finnland war zu jener Zeit Bestandteil des schwedischen Reichs.
Nach der 1640 erfolgten Gründung der Akademie zu Turku, der Vorläuferin der heutigen Universität Helsinki, war er ihr erster Professor für Theologie und 1640–1641 auch ihr erster Rektor. Letzteres Amt bekleidete er 1649–1650 noch einmal. Von 1652 bis zu seinem Tode war Petraeus Bischof von Turku.
Werk
Petraeus war zwar von Geburt Schwede und Schwedisch war seine Muttersprache, aber nach seiner Übersiedlung nach Finnland muss er sich rasch um das Erlernen des Finnischen bemüht haben. Er wurde 1638 Vorsitzender des Komitees zur Übersetzung der ganzen Bibel ins Finnische und hat hier mit finnischen Muttersprachlern zusammengearbeitet, die ihn vermutlich auch bei der Abfassung seiner Grammatik unterstützten.[1] Die erste komplette finnische Bibelübersetzung wurde 1642 in Stockholm gedruckt.
Nach der Arbeit an der Bibelübersetzung wandte sich Petraeus der Erstellung einer Grammatik des Finnischen zu. Getreu dem Brauch der damaligen Zeit verfasste er sie auf Latein, das knapp 100 Seiten umfassende Büchlein wurde 1649 in Turku gedruckt. Ebenfalls den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend wurden – wie im Lateinischen – nur sechs Kasus für das finnische Nomen angesetzt: „Nominativus, Genitivus, Dativus, Accusativ, Vocativ, Ablativus“[2], während man in der heutigen finnischen Grammatiktradition von 15 Kasus ausgeht, die auch schon zu Petraeus‘ Zeiten existierten. Bei ihm wird der Widerspruch dadurch aufgelöst, dass sein Ablativ halt eine Reihe von verschiedenen Formen aufweist, die den heutigen Lokalkasus entsprechen.
Schriften
- Linguae Finnicae brevis institutio Petrus Wald, Aboæ 1649. 88 S.
- [Faksimile] Linguae Finnicae brevis institutio exhibens vocum flectiones per casus, radus & tempora, nec non partium indeclinabilium significationem, dictionumq; constructionem & prosodiam. Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, Helsinki 1968. 88 S.
Literatur
- Väinö Perälä: Eskil Petraeus. Turun yliopiston professori ja hiippakunnan piispa 1593–1657. Suomen Kirkkohistoriallisen Seuran toimituksia 25. Turku 1928. 288 S.
- Aeschillus Petraeus in Svenskt biografiskt lexikon
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Kaisa Häkkinen: Agricolasta nykykieleen. Suomen kirjakielen historia. Werner Söderström Osakeyhtiö, Porvoo, Helsinki, Juva: 1994, S. 105. ISBN 951-0-19028-4.
- ↑ https://digi.kansalliskirjasto.fi/teos/binding/1974426?page=18