Aeroflot-Flug 2415

Aeroflot-Flug 2415

Das verunglückte Flugzeug am 30. November 1968 auf dem Flughafen Stockholm/Arlanda

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Kontrollverlust durch räumliche Desorientierung der Besatzung nach Ausfall des künstlichen Horizonts im Anfangssteigflug
Ort 29 km nördlich des Flughafens Moskau-Scheremetjewo, Russland Sozialistische Foderative Sowjetrepublik Russische SFSR
Datum 28. November 1976
Todesopfer 73
Überlebende 0
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Sowjetunion 1955 Tupolew Tu-104B
Betreiber Sowjetunion 1955 Aeroflot
Kennzeichen Sowjetunion 1955 CCCP-42471
Abflughafen Flughafen Moskau-Scheremetjewo, Russland Sozialistische Foderative Sowjetrepublik Russische SFSR
Zielflughafen Flughafen Leningrad-Pulkowo, Russland Sozialistische Foderative Sowjetrepublik Russische SFSR
Passagiere 67
Besatzung 6
Listen von Luftfahrt-Zwischenfällen

Am 28. November 1976 verunglückte eine Tupolew Tu-104 auf dem Aeroflot-Flug 2415 (Flugnummer: SU2415, Funkrufzeichen: AEROFLOT 2415) von Moskau nach Leningrad kurz nach dem Start, wobei alle 73 Insassen starben.

Flugzeug

Das Flugzeug war eine ca. 16 Jahre alte Tupolew Tu-104A (Werknummer: 021204), die im Werk des Kasanski awiazionny sawod endmontiert, am 22. Februar 1960 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-42471 fabrikneu an die Aeroflot ausgeliefert und von dieser seitdem durchgehend genutzt wurde. Das zweistrahlige Mittelstreckenflugzeug war mit zwei Turbojet-Triebwerken des Typs Mikulin AM-3M-500 ausgestattet. Bis zum Zeitpunkt des Unfalls hatte die Maschine 22.199 Flugstunden absolviert, auf die 13.336 Starts und Landungen (= Flugzyklen) entfielen.

Insassen

Die Besatzung bestand aus Flugkapitän Boris Nikolajewitsch Gorochowskij, dem Ersten Offizier Igor Borissowitsch Nikolajew, dem Flugingenieur Wladimir Grigorjewitsch Wassiljew, dem Navigator Wladimir Wiktorowitsch Gussew und den Flugbegleitern Wladimir Iwanowitsch Laschow und Ludmilla Efimowna Stefanskaja.

Unter den 67 Passagieren befanden sich 63 Erwachsene, darunter ein Tschechoslowake, und 4 Kinder, darunter eines aus der DDR.

Wettervorhersage

Die Wetterprognose sagte Wolken und eine auf 1.500 Meter eingeschränkte Sicht bei (im besten Fall mildem) Wind voraus.

Verlauf

Die Maschine hob trotz der schlechten Wettervorhersage um 18:53 Uhr Ortszeit von der Startbahn 25 des Flughafens Moskau-Scheremetjewo ab. Die Maschine hob bei einer Geschwindigkeit von 290 km/h ab. Nach dem Abheben kontaktierten die Piloten die Flugsicherung, um weitere Anweisungen zu erhalten. Die Besatzung wurde angewiesen, einen Kurs von 265 Grad zu fliegen. Die Piloten folgten dieser Anweisung, indem sie die Querruder der Maschine für den Flug einer Rechtskurve ausschlugen. Nach dem Flug der 265°-Kurve schwenkte die Maschine weiter nach rechts, verlor dabei an Höhe und gewann an Geschwindigkeit, was zu einem steilen Sturzflug führte. Die Maschine rollte schließlich nach links und erreichte einen Rollwinkel von 90 Grad. Sie stürzte in 9,5 Kilometern Entfernung vom Flughafen in ein Waldstück und explodierte beim Aufprall, wobei alle Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord ums Leben kamen.

Ursache

Die Unfalluntersuchungskommission stellte eine Reihe von Ursachen für den Unfall fest. So habe vor dem Unfall der künstliche Horizont des Typs PP-1PM versagt, nachdem es zu einem Ausfall der 36-V-Elektrik gekommen war. Zudem war es zum Unfallzeitpunkt dunkel und die Sicht aus dem Cockpit war eingeschränkt, wodurch die Piloten offensichtlich räumlich desorientiert waren. Es waren ferner keine Warnungen über das Versagen des künstlichen Horizonts erfolgt. Aufgrund der starken Zerstörung der Maschine war es nicht möglich zu bestimmen, ob die Querruder zum Unfallzeitpunkt korrekt funktioniert hatten. Auf dem Cockpit Voice Recorder und dem Flugdatenschreiber fehlten die Daten der letzten sechs Sekunden, vermutlich, da die Bänder durch den Brand nach dem Aufprall der Maschine beschädigt wurden. Die Untersuchungskommission hob die Ruhe positiv hervor, die die Besatzung walten ließ, als sie versuchte, die Maschine trotz fehlerhafter Daten zu fliegen. Das Wetter wurde nicht als primäre Unfallursache angesehen. Ein Mitglied der Untersuchungskommission, der Chefkonstrukteur Markow, widersprach den Befunden des Berichts und schrieb den Unfall einem Pilotenfehler zu. Markow wurde jedoch durch die staatliche Aufsichtsbehörde für Flugsicherheit (Gosavianadzor) überstimmt, welche sich dem Rest der Untersuchungskommission anschloss.

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Quellen