Adolf Petzold, Rauchwaren-Zurichterei und Färberei
| Adolf Petzold, Rauchwaren-Zurichterei und Färberei
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|---|---|
| Rechtsform | Einzelunternehmen |
| Gründung | 1. April 1879 |
| Auflösung | 1981 |
| Sitz | Schönau (Leipzig), Fuldatal-Ihringshausen |
| Leitung | Inhabergeführt, GmbH |
| Mitarbeiterzahl | 250 bis 1000 (wirtschaftlich und saisonal bedingte Schwankungen) |
| Branche | Rauchwaren-Zurichterei und Färberei (Pelzveredlung), Pelzgroßhandel |
Die ehemalige Adolf Petzold, Rauchwaren-Zurichterei und Färberei, ein Pelzveredlungsbetrieb, hatte ihren Sitz ursprünglich in Schönau, seit 1930 ein Bezirk von Leipzig, seit 1946 in Ihringshausen, Landkreis Kassel. Hinsichtlich Umsatz und Beschäftigtenzahl stand das Unternehmen zeitweilig an der Spitze seiner Branche.[1]
Allgemein
An den Fließgewässern in der Nähe des Weltpelzhandelszentrum Leipziger Brühl hatten sich, beginnend 1848, zahlreiche Pelzzurichtereien und Pelzveredlungsbetriebe angesiedelt. 1928 befanden sich im Leipziger Raum 191 Zurichtereien und Veredlungsbetriebe, das waren 83 % aller damals in Deutschland registrierten Firmen, mit 7725 Mitarbeitern (93,7 aller in der Rauchwarenindustrie tätigen Personen). Weitaus die meisten Arbeitskräfte, verglichen mit der Färberei, benötigte jeweils die Zurichterei.[2]
Die deutschen Veredler hatten erst spät erkannt, wie wichtig es war, ein gutes und dauerhaftes Schwarz für den Massenartikel Kanin zu liefern, das bis dahin wesentlich aus dem benachbarten westlichen Ausland kam. Das änderte sich erst mit der Materialknappheit nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918), als die Leipziger Pelzveredlung mit besonderer Qualität sogar weltführend bei diesem Artikel wurde. Zur Leipziger Kaninindustrie gehörten neben Adolf Petzold: Adolf Arnhold A.G., Carl Gründling, Wilhelm Jeute, Paul Kuppe, Richard Lindner, Walter Nachf. A.G., Tarag, Thorer & Co. sowie Zeumer & Göhler.[3] In Naunhof richtete Adolf Arnhold 1916 eine Pelzzurichterei ein.[4]
Das Kaninfell eignet sich gut, um Imitationen wertvollerer Pelzarten herzustellen. Es nimmt die Farbe leicht an, lässt sich auch ansonsten gut im Haar behandeln, es sieht gut aus und es ist billig. Insbesondere in Kriegszeiten und während der Inflation nahm die Verwendung und gleichzeitig auch der Fortschritt der deutschen Kaninveredlung ganz erheblich zu.[5] Vor allem die Pelzveredlungsfirma Adolf Petzold war es, die sich bemühte, für die durch den Ersten Weltkrieg ausfallenden französischen Kanin Ersatz zu schaffen. Sie war damit so erfolgreich, dass im Leipziger Raum veredelte Kaninfelle zu einem „Welterfolg“ wurden. Die deutschen Kanin waren den französischen jetzt qualitativ weit überlegen; ein Vorsprung, der zumindest bis in den Zweiten Weltkrieg anhielt.[6]
1928 betrug der Anteil des Kaninfells an der Weltfellproduktion 57 Prozent, von den etwa 350 Millionen Fellen, die in den Handel kamen, waren 200 Millionen Kanin.[7]
Firmengeschichte
Das Unternehmen Adolf Petzold bestand seit 1879. Als der Firmengründer 1905 starb, führten seine Söhne den Betrieb fort.[1][8] Nur wenige Unternehmen in der Pelzveredlungs-Industrie hatten eine so außergewöhnliche und schnelle Entwicklung aufzuweisen wie die Firma Adolf Petzold. Sie machte das Kaninfell zu einem wirklichen Konsumartikel größten Umfangs und verschaffte ihm „vor allem durch ihre erstklassige Veredlung Weltgeltung“.[9]
Adolf Petzold (* 9. April 1852[10]; † 1905) hatte am 1. April 1879 „aus kleinsten Verhältnissen mit wenigen Arbeitern“ in der „Alten Funkenburg“ Leipzig, Ranstädter Steinweg eine Rauchwarenzurichterei gegründet. Bereits ein halbes Jahr später nahm er größere Räume in der Luppenstraße, um dann nach kurzer Zeit nach Lindenau in die Demmeringstraße, damals hieß sie noch Hauptstraße, zu ziehen. Auch hier reichten die Räume bald nicht mehr aus, im Herbst 1889 zog er in Lindenau in die Birkenstraße, damals noch Gartenstraße. Zusammen mit einer Gefieder-Zurichterei, die Petzold seinem Betrieb angliederte, vergrößerte sich das Unternehmen zusehends.[10]
Als im Jahr 1904 verschiedene Pelzzurichtereien bestreikt wurden, war im Juni und Juli auch Petzold betroffen. An der Arbeitsniederlegung bei den Firmen Herzog und Petzold in Lindenau beteiligten sich 44 Arbeiter. Wie bei den übrigen Streiks ging auch dieser für die Arbeitnehmer verloren.[11]
Petzold richtete einen Dampfbetrieb ein und stellte moderne Maschinen auf. Eine Bleicherei wurde angegliedert, so dass das Unternehmen damals bereits in der Rauchwarenzurichterei als bedeutende Firma bezeichnet werden konnte. Das Unternehmen überdauerte die damaligen wirtschaftlichen Krisen; unter wieder günstigeren Verhältnissen konnte das bisher nur gepachtete Grundstück am 11. Juni 1899 erworben werden.[10]
Adolf Petzold war verheiratet mit Berta Petzold († 30. August 1925). Sie hatten sieben Söhne, von denen zwei später den Betrieb weiterführten.[8] Mitarbeiter wurde der älteste Sohn, Robert Petzold. Als der Vater, vor Fertigstellung eines Neubaus, starb, führte seine Witwe mit Sohn Robert den Betrieb fort. Der zweite Bruder, Arthur Petzold, kümmerte sich vor allem um die Rauchwarenfärberei. Er erreichte es, dass im Jahr 1910 in der Josefstraße in Leipzig-Plagwitz und am 1. Januar 1912 in der dortigen Nonnenstraße Zweigbetriebe eingerichtet wurden. Da es rationeller schien, die Werkstätten zusammenzulegen, wurde 1913 in Leipzig-Schönau eine größere Fabrik erworben.[10]
Der Erste Weltkrieg beeinträchtigte das Unternehmen schon mehr. Arthur Petzold wurde zur Wehrmacht eingezogen, 1915 kehrte er aus dem Krieg zurück. Robert Petzold wurde 1916 eingezogen, er fiel im Krieg. Norbert Petzold fehlten die Zahlungseingänge aus dem Ausland und frische Ware kam von dort nicht mehr nach Deutschland. Wurden bis dahin vor allem amerikanische und russische Felle verarbeitet, stellte er jetzt auf das einheimische Kanin um, was den Betrieb letztlich auf die bald „glanzvolle Höhe“ brachte.[10] Der von den Nationalsozialisten ermordete Rauchwarenhändler und Chronist der Pelzbranche Philipp Manes bezeichnete Adolf Petzold als einen der Männer, die sich noch während des Ersten Weltkriegs bemühten, „Ersatz für das in Deutschland vorherrschend verarbeitete Kaninfell zu schaffen, und nicht eher ruhten, bis sie dies Ziel erreichten“.[6]
1917 hatte Berta Petzold den Betrieb ihrem Sohn Arthur übergeben, im Jahr 1918 begann der Wiederaufbau und es hieß, „es war schon sprichwörtlich, dass bei Petzold's andauernd gebaut würde“. Immer wieder wurden neue Gebäudeflügel für die Kaninfellverarbeitung errichtet. Am 1. Januar 1919 trat Willy Petzold mit in die Firma ein, der vorher als Elektriker/Ingenieur selbständig war.[8] 1922 wurde eine neue Zurichterei angebaut, 1924/25 entstand ein besonderes Lagerhaus für Roh- und Betriebsmaterialien mit eigener Gleisanlage, 1924/25 eines zur Unterbringung der Roh-Kanin.[10]
Mit der Kaninzurichtung war man derart erfolgreich, das von den Leipziger Pelzveredelungsprodukten insbesondere die Felle der Firma Petzold, die sie unter der Marke „LAPS“ vertrieb, Weltruhm genossen. Es kam vor, wohl um das Wort Kanin für das Billigprodukt gegenüber dem Endverbraucher zu vermeiden, Pelze als „Petzoldmantel“ angeboten wurden.[12] Es wurde berichtet: „In der Vorschau musste der Verkäufer den Mantel auftrennen, da die Dame den Mantel nur nahm, wenn er aus wirklich echtem Petzold-Kanin angefertigt war“.[6]
Im Jahr 1926 begann, zusätzlich zur Lohnveredlung, der Handel mit eigener Ware, eine Anlauf- und Verkaufsstelle, Brühl 71, wurde eröffnet. Etwa 1920 warb das Unternehmen darüber hinaus mit dem Angebot von Pelzkonfektion.[13] 1928 erfolgte der Bau einer Buntfärberei, um mit dem weltweit sich schnell entwickelnden Pelzmarkt mitzuhalten. Dazu gehörten moderne Versuchslaboratorien und eigene Spezialmaschinen. Die baulichen Reparaturen und Verbesserungen wurden von einem eigenen Ingenieurs- und Mitarbeiterstab geplant und ausgeführt.[8][14][1]
Im Jahr 1936 gründete Arthur Petzold unter dem Logo D A P O einen Betrieb in Danzig (Arthur Petzold Danzig).[8]
Bei der Vorbereitung zur Internationalen Pelzfach-Ausstellung in Leipzig im Jahr 1930 war unter den vielen engagierten Leipziger Pelzbetrieben auch ein Mitglied der Firma tätig, als Beisitzer im Ausschuss für Pelzveredlung.[15]
Die Firma Adolf Petzold GmbH, unter der Leitung von Arthur Petzold, galt während des Zweiten Weltkriegs als kriegswichtiger Betrieb. Über die Firmenproduktion dieser Zeit lagen später keine Unterlagen mehr vor. Dem Schriftverkehr der Nachkriegszeit ist zu entnehmen, dass 70 bis 80 jüdische Mitarbeiter beschäftigt wurden. „Es gelang, 6 von ihnen vor der Gestapoverfolgung zu retten, diese sind seinerzeit namentlich in der alliierten Presse genannt worden.“[8]
Produkte
Um 1930 waren, neben der Zurichtung aller Fellarten, die bedeutendsten Spezialitäten der Firma:
- Kanin, veredelt auf Modefarben und auf Seal electric (ein Schwarz, von Petzold in besonderer Qualität). Für das Verfahren wurde statt der heutigen Schermesser ein elektrisch aufgeheizter Platindraht benutzt, der die Haare absengte. Das Verfahren hatte sich nicht bewährt, der Name Seal electric aber blieb noch lange Zeit.[16]
- Hasen, Eichhörnchen und Feh auf alle gewünschten Farbtöne
- Neu eingeführt: Schwarz aus Blauholzfarbe für Kidfelle, weiße Kidklauentafeln mit blauem Leder, indische und arabische Zickelfelle, Galjak, Schiras und andere
- Bisam, Otter und Seal auf Opossum
- Fohlen auf schwarz mit hellem Leder.[9]
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Leipzig
Auf dem Betriebsgelände waren nach Kriegsende vorübergehend 34 Displaced Persons untergebracht, Zivilperson, die sich kriegsbedingt außerhalb ihres Heimatstaates aufhielten und ohne Hilfe nicht zurückkehren oder sich in einem anderen Land neu ansiedeln konnten.[17]
Die Sächsische Volkszeitung befasste sich im kalten Nachkriegswinter 1945/1946 mit der Lage der Leipziger Rauchwarenwirtschaft, insbesondere auch des Unternehmens Adolf Petzold. Der Autor bemerkte vorab:
- „Herrliche Mäntel, Capes, Krawatten, Kappen und Muffs in schwarz, braun und gemustert, langhaarig oder geschoren, aber auch Naturfelle, bunt zusammengestellt oder gestückelt, wandern über Straßen und Plätze. Wenn man genau besieht: Kanin nichts als Kanin.“[18]
Er beschrieb die damalige Situation des Pelzveredlers, die sich dann allerdings durch die politischen Verhältnisse schnell ändern wird.
- Petzold in Schönau, am Rand von Lindenau gelegen, war von Bomben und Beschuss verschont geblieben. Die hellen Arbeitsräume befanden sich alle in einem großen Gebäude. Der noch vorhandene Fuhrpark schuf beste Arbeitsmöglichkeiten. Als dritter genehmigter Veredlungsbetrieb im sowjetisch besetzen Teil Deutschlands konnte Adolf Petzold am 2. Mai 1945, weiter als Familienbetrieb, seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Neben der Fellzurichtung befasste man sich wesentlich mit der Ledergerbung. Die von 350 auf 250 reduzierte Belegschaft konnte daher trotz Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung in vollem Umfang weiter arbeiten. Für die ausgefallenen ausländischen Arbeiter waren aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Soldaten eingestellt worden. Die Arbeitnehmer waren nach Angabe des Betriebsrates zu 100 Prozent gewerkschaftlich organisiert.[18]
- Die Belegschaft war bei gleicher Menge an zugerichteten Fellen fast ebenso groß wie das Unternehmen Thorer, was sich daraus erklärt, das Petzold in gleicher Menge Pelz wie Leder verarbeitete. Im Gegensatz zu Thorer besaß Petzold noch einen großen Vorrat an Rohfellen. Da der Eingang unzugerichteter Ware noch nicht so groß war, zehrte man zum Teil noch von diesem Bestand. Trotz mancher Schwierigkeiten konnte man voll arbeiten (Kohle-, Farbstoff-, Chemikalienbeschaffung, dem Ausfall von Maschinen, da Reparaturen teilweise nicht ausgeführt werden konnten, die Ersatzteile wurden im westdeutschen Rheinland hergestellt). Eine Umsatzsteigerung war jedoch nicht möglich, da der Bestand von unverarbeiteter Ware in etwa zwei Monaten aufgebraucht sein würde. Von Leipziger Händlern erhielten sie Lohnaufträge, auch wurde beabsichtigt, Verbindungen mit der Tschechoslowakei, Österreich und dem Balkan wieder aufzunehmen: „Als rein deutsches Produkt geben unsere veredelten Kaninfelle einen guten Devisenbringer ab. Mit einem Stillstand oder auch nur einer Einschränkung rechnen wir nicht.“[18]
- Ferner hieß es: „Kaninleder findet als Schuhfutter oder Schuhinnenleder und für Handschuhe – auf Wildleder oder Narbenleder gefärbt – Verwendung. Schaf- und Ziegenleder ist für Bekleidung geeignet. 10 Prozent der Produktion nimmt zur Zeit das Zurichten von Schaffellen für Pelzmützen in Anspruch.“ Die allgemeine Lage wurde für die Branche als „nicht ungünstig“ eingeschätzt.[18]
Im März 1946 wurden die Betriebsanlagen als Reparationsforderung jedoch demontiert und der Geschäftsführer Adolf Petzold inhaftiert. Ein Teil der noch brauchbaren Maschinen und Gerätschaften konnte jedoch vor der Demontage gerettet werden. Vor allem Herbert Petzold brachte sie „unter größtenteils abenteuerlichen Umständen“ in 22 LKW-Fahrten aus der sowjetisch besetzten Zone in ein Zwischenlager im westdeutschen Göttingen.[8.1] Im August 1946 wurde die Wiederanlaufgenehmigung zur Erfüllung allgemeiner Reparationszahlungen für Rauchwaren erteilt.[19]
In einem Rundschreiben des Landesverbandes Hannoverscher Kaninchenzüchter 1947/48 wurde den Mitgliedern mitgeteilt, „dass die Rohfellerfassung und Veredlung innerhalb des Landesverbandes trotz vieler Bemühungen nicht das geworden ist, was wir uns davon verspochen haben“. Stattdessen hätten sie eine Firma gefunden, die einzig und allein für ihre Züchter infrage käme, das Fellveredlungswerk Adolf Petzold in Leipzig Schönau, das zusätzlich ein Werk im westdeutschen Ihringshausen (heute zu Fuldatal, Landkreis Kassel) aufgebaut hat.[20]
- Aus einem Brief des Leipziger Rauchwarenveredlers Edmund Zeidler, Weinlingstraße 2 (DDR) an den Rauchwarenveredler- und Händler Richard Franke in Murrhardt (Bundesrepublik) vom 19. September 1970:
- „Unsere Veredlungslage verschlechtert sich, die Kapazität lässt nach, man versucht eine Expansion in der Konfektion und Du weisst ja mindestens so gut wie ich, wer hier alles arbeiten lässt. Nachdem man Naunhof geschlossen hat, Rauchwarenwalter [Rauchwaren-Walter GmbH, Markranstädt] und Petzold seit Jahren nicht färben, ist jetzt nur noch ein einziger Sealfärber, Walter Söhne in Schkeuditz geblieben. Erspare mir, dass ich Dir die Begleitumstände schildere.“[21]
Fuldatal
Während die meisten Rauchwarenhändler des Leipziger Brühl in der künftigen DDR mit der Verstaatlichung der Betriebe für sich dort keine Zukunft sahen und nach Westdeutschland zogen, war dies für die Pelzzurichter und -veredler mit ihren stationären Einrichtungen nicht so ohne weiteres möglich. Die Probleme, die es gemacht hätte, den durch die Reparationen stark reduzierten Leipziger Betrieb neu einzurichten, führte für die Verantwortlichen von Petzold jedoch zu dem Entschluss, sich eine Produktionsstätte in Westdeutschland zu suchen. Für die Entscheidung zu einem Neustart in Ihringshausen waren die günstigen Gegebenheiten des ehemaligen Betriebsgeländes der Firma Hahn AG ausschlaggebend (Produktionsende 1927, bis in die 1930er Jahre Wehrkreissanitätspark IX), die günstige Lage, das Gebäude und Gelände mit einem eigenen Brunnen.[8]
Mit einigen, aus Leipzig mitgekommenen Fachkräften wurden in kurzer Zeit neue Facharbeiter ausgebildet und die Zahl der Mitarbeiter wurde innerhalb weniger Jahre von 20 auf vorerst 270 erhöht.[8.2]
Im Fachverzeichnis der deutschen Pelzbranche des Jahres 1950 ist das Pelzveredlungswerk Adolf Petzold G.m.b.H. in Kassel-Ihringshausen, Eichhecke eingetragen, mit einer Beratungsstelle im Pelzzentrum Frankfurt Niddastraße auf der Niddastraße 60 (Rauchwarenhaus).[22]
Im April 1973 folgte das Unternehmen einer Einladung zur Gründungsversammlung der Europäischen Rauchwaren-Veredlungsindustrien.[23] Alfred Petzold (27. Mai 1918; † 25. November 1991; verh. mit Hildegard P., (* 13. Februar 1920; † 10. Juli 2012)) war der Sohn von Willy Petzold.[8] Alfred Petzold, Gerhard Mann und Wolfgang Hanssen waren zu der Zeit für die Adolf Petzold GmbH in Fuldatal, Eichhecke für das Unternehmen verantwortlich. Spezialartikel waren jetzt Nerze, Persianer, Ozelots und sonstige Wild- und Edelware sowie der Stapelartikel Schaffelle.[24]
Der Betrieb gliederte sich in folgende Abteilungen:
- Rohwarenlager
- Nasswerkstatt, Beize
- Zurichtung
- Färberei, Spitzerei
- Labor
- Entfettung, Zweckerei
- Läutern, Klopferei
- Maschinieren
- Sortierung, Kürschnerei, Näherei
- Fertigwarenlager, Versand, Verkaufshaus
- Heizung
- Hilfsbetriebe: Handwerker, Schreinerei, Schlosserei, Vertrieb, Verwaltung, Büro[8]
Alfred Petzold führte zusammen mit seiner Frau und später auch seiner Tochter Arlette (verh. Hansen) das Unternehmen zu alter Größe zurück, verlorengegangene Exportmärkte konnten trotz der während des Krieges erstarkten Konkurrenz zurückgewonnen werden. Aus Leipziger Zeit wurden sie unterstützt vom Vetter und Mitgesellschafter Herbert Petzold, Eberhard Hendeß (Chemiker, Schwager von Hildegard Petzold); Kurt Groneck (Bruder von Hildegard P.); Frau Groneck im Büro (Schwester von Hildegard P.) und dem Jugendfreund Mann im Vertrieb.[8]
Wolfgang Hansen der Ehemann der Tochter Arlette trat in den Betrieb ein. Teile der Konfektionsproduktion wurde nach Polen verlegt. In Buenos Aires, Argentinien wurde durch Beteiligung ein Partnerbetrieb unterhalten. Die übernommenen Ver- und Entsorgungseinrichtungen mussten in den 1970er Jahren grundlegend erneuert werden. Eine eigene Kläranlage hatte das Unternehmen bereits Ende der 1960er Jahre südlich der Straße „Am Hasenstock“ errichtet. Die Brunnenanlage wurde neu verrohrt und von 120 auf 130 Meter vertieft.[8]
Das Ende des Unternehmens zeichnete sich im Jahr 1974 ab. Die Veredlerei setzte einen neuen Farbstoff ein, der insbesondere bei braunen Persianerfellen nach einiger Zeit das Leder zersetzte. Der gegenüber den Kunden auszugleichende Schaden betrug 2,56 Mio. DM.[25] Es kam zwar mit dem Farbenproduzenten zu einem Vergleich, aber der Druck der nervös gewordenen Banken führte letztlich zum Stellen eines Konkursantrags.[8] Nachdem Verhandlungen mit englischen Interessenten wegen einer möglichen Betriebsübernahme gescheitert waren, wurde die gesamte Belegschaft zum 30. Juni 1976 gekündigt.[26] Zum 29. Juni, einen Tag vor Ablauf der Freistellung der Mitarbeiter, erfolgte ein Eintrag im Handelsregister: Alfred Petzold GmbH & Co KG, Fulda Ihringshausen, Grabenstraße 6, persönlich haftender Geschäftsführer Alfred Petzold.[27] Die bisherige Geschäftsleitung trat anschließend zurück, neue Geschäftsführer wurden Karl-Heinz Schmidt und Siegfried Grahmann aus Einbeck.[28]
Durch die Vermittlung des Konkursverwalters hatte das Pelzveredlungswerk Werner Schmidt aus Einbeck das Unternehmen übernommen. Es erwarb die Immobilie, Maschinen und Einrichtungen und übernahm einen Teil des Personals. Die Geschäfte wurden noch rund zehn Jahre als rechtlich eigenständiger Betrieb unter dem neuen Namen Fuldaer Pelzveredlung GmbH weitergeführt.[8] Der Handel mit rohen und zugerichteten Fellen wurde aufgelöst.[29] Das Insolvenzverfahren der Firma Alfred Petzold GmbH wurde Anfang 1980 abgeschlossen.[8]
In recht beschränktem Umfang war Alfred Petzold noch für den Petzold-Pelz-Service in Fuldatal tätig. Als er im November 1991 starb, würdigten Todesanzeigen der CDU-Fuldatal und der Gemeinde seine Verdienste als Gründungsmitglied des CDU-Ortsverbandes, seine Tätigkeit als Fraktionsvorsitzender und Vorstandsmitglied.[8]
Nachklang
- Spätestens 1979 hat sich der Eintrag im Winckelmann-Fachadressbuch geändert in Petzold Pelz-Service, Villa Eichhecke. Gleichzeitig erschien ein Eintrag Pelzveredlung Fuldatal, mit Angabe einer Postfachadresse (und der Frankfurter Adresse im Rauchwarenhaus), im Verzeichnis 1985 mit der Adresse Grabenstraße 37.
- 1981 erfolgte die Löschung der Adolf Petzold GmbH beim Amtsgericht Kassel.[30]
- 1988 ist die Pelzveredlung Fuldatal nicht mehr im Fachverzeichnis enthalten, stattdessen das Unternehmen Werner Nerpas, Fuldatal-Ihringshausen, Veckerhagener Straße 58.
- Im Jahr 1991 ist in Fuldatal nur noch Petzold Pelz-Service, Villa Eichhecke eingetragen, ein Dependance-Eintrag für Frankfurt eines Fuldataler Unternehmens besteht nicht mehr.
- 2003 ist in einer Winckelmann-Wandtabelle die Firma Petzold nicht mehr aufgeführt.
Das ehemalige Bürogebäude und die Geschäftsführerwohnung wurden an Privat verkauft. Das Wohnhaus der Familie Petzold, die „Petzold Villa“ blieb bis zum Verkauf Ende der 2010er Jahre im Privatbesitz der Familie. Anfang der 1990er Jahre begann aufgrund gesetzlicher Vorgaben des Umweltschutzes eine Sanierung des Geländes zur Entwicklung des Baugebietes „Am Haseneck“.[8]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Adolf Petzold, Rauchwaren-Zurichterei, Färberei, Handel, Leipzig-Schönau, 1879-1929. In: Das 1000jährige Leipzig - Die Stadt der Mitte. Deutscher Jubiläums-Verlag, 1928.
- ↑ Walter Fellmann: Der Leipziger Brühl. VEB Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S. 89–90, 96-97, ISBN 3-343-00506-1.
- ↑ Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Band 1, Berlin 1941. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 1–2.
- ↑ Olaf Beyer: April '24 – Betriebsstart der Paul Kuppe AG, Rauchwaren-Zurichterei & -Färberei, Naunhof. Vor 90 Jahren wurde die Fabrik an der Alten Beuchaer Str. 9 ihrer Bestimmung übergeben. In: Naunhöfer Nachrichten Nr. 9, 12. April 2014, S. 19–20.
- ↑ Autorenkollektiv: Der Kürschner. Fach- und Lehrbuch für das Kürschnerhandwerk. 2. überarbeitete Auflage. Herausgegeben vom Berufsbildungs-Ausschuss des Zentralverbands des Kürschnerhandwerks, Verlag J. P. Bachem, Köln 1956, S. 229–230.
- ↑ a b c Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Band 4, Berlin 1940. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 355 (→ Inhaltsverzeichnis).
- ↑ Curt Grabs: Das europäische Kanin. In: Rauchwarenkunde. Elf Vorträge aus der Rauchwarenbranche. Verlag Der Rauchwarenmarkt, Leipzig 1931, S. 171–188.
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p Lothar Viereck: Pelzveredelung [sic!] Adolf Petzold GmbH, Ihringshausen, Grebenstraße. Band 6 der Schriftenreihe des Freundeskreises historisches Ihringshausen e. V., 2012.
- ↑ a b Musterbetriebe der Veredlungsindustrie III. Adolf Petzold, Leipzig-Schönau. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 145, 1930, S. 6.
- ↑ a b c d e f 50 Jahre Adolf Petzold! In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 37, Berlin, Leipzig, 28. März 1929.
- ↑ Heinrich Lange, Albert Regge: Geschichte der Zurichter, Kürschner und Mützenmacher Deutschlands. Deutscher Bekleidungsarbeiter-Verband (Hrsg.), Berlin 1930, S. 220–223.
- ↑ Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde, Band XIX. Alexander Tuma, Wien 1950, S. 5, Stichwort „Kaninmantel“.
- ↑ Inserat auf dem Einband Adressbuch für Kürschnerei, Pelzkonfektion, Rauchwaren […], um 1920.
- ↑ 25 Jahre - 250 Jahre - 2500 Jahre. Von den Anfängen der Veredlung bis zur Schlüssel-Industrie der Rauchwarenbranche. Aus dem Verlag des Rifra-Verlages zusammengestellt von Richard Maria Franke. In: Felle - Farben - Fantasie - Ein Porträt der deutschen Pelzveredlungsindustrie. Rifra Verlag Murrhardt, 1973, S. 15.
- ↑ IPA – Internationale Pelzfachausstellung, Internationale Jagdausstellung Leipzig 1930 – Amtlicher Katalog. S. 37.
- ↑ W. Künzel: Vom Rohfell zur Rauchware – Streifzüge durch die Rauchwarenveredlung, Alexander Duncker Verlagsbuchhandlung, Leipzig, ohne Datum (um 1935?), S. 82
- ↑ DP-Camp „Adolf Petzold“. www.zwangsarbeit-in-leipzig.de, abgerufen am 24. Oktober 2025.
- ↑ a b c d „ZET“: Alle Felle sind nicht fortgeschwommen. Leipziger Rauchwarenindustrie vom Januar 1946. In: Sächsische Volkszeitung, 25. Januar 1946 (Abschrift).
- ↑ Wiederanlaufgenehmigung, 24. August 1946, Pelzveredlung Adolf Petzold GmbH, Leipzig (Abschrift).
- ↑ L.-V.-Mitteilungen des Landesverbandes Hannoverscher Kaninchenzüchter, Rundschreiben Nr. 3 - 47/48 an sämtl. Kreisverbände, Kaninchenzuchtvereine und Sondervereine. Betr.: Fellerfassung und Veredlung (Abschrift).
- ↑ Sammlung G. & C. Franke.
- ↑ Winckelmann Deutschland. Fachadressbuch der Rauchwaren u. Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks, 59. Ausgabe, 1950/51, Ralf Winckelmann (Hrsg.) London, Inserat im Vorsatz, S. 67.
- ↑ Gründungsversammlung der Europäischen Rauchwaren-Veredlungsindustrien, 29. April 1973 (Liste der Teilnehmer).
- ↑ Wir machen die Veredlung, die erst den Pelz macht. Porträts der deutschen Pelzveredlungsindustrie. In: Walter Langenberger, Dietrich Werner: Felle - Farben - Fantasie - Ein Porträt der deutschen Pelzveredlungsindustrie. Rifra Verlag Murrhardt, 1973, S. 57.
- ↑ Petzold Betrieb läuft voll weiter. In: Winckelmann Pelzmarkt, Nr. 321, 30. Januar 1976, S. 7.
- ↑ Petzold-Belegschaft wurde gekündigt. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 325, 27. Februar 1976, S. 18 (Kaufinteressent: Martin Rice Gruppe).
- ↑ Neues aus dem Handelsregister – Neueintragung, 21. Oktober 1976. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 365, 3. Dezember 1976, S. 6.
- ↑ Neue Geschäftsleitung für Petzold-Veredlung in Fuldatal. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 365, 3. Dezember 1976, S. 18.
- ↑ Neues Programm für Fuldatal. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 367, 17. Dezember 1976, S. 15.
- ↑ Adolf Petzold GmbH, Ihringshausen. Amtsgericht Kassel HRB 2227, www.northdata.de, abgerufen am 21. Oktober 2025.