Adolf Muschg – der Andere
| Film | |
| Titel | Adolf Muschg – der Andere |
|---|---|
| Produktionsland | Schweiz |
| Originalsprache | Deutsch, Schweizerdeutsch |
| Erscheinungsjahr | 2021 |
| Länge | 86 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Erich Schmid |
| Drehbuch | Erich Schmid |
| Produktion | Filippo Bonacci |
| Musik | Michael Künstle, Matteo Pagamici |
| Kamera | Pierre Mennel, Roger Walch, Ueli Nüesch |
| Schnitt | Ruth Schläpfer |
Adolf Muschg – der Andere ist ein biografischer Dokumentarfilm von Erich Schmid über den Schweizer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Adolf Muschg. Die Kamera begleitet ihn an Schauplätze seines Lebens in der Schweiz, in Japan und in Berlin. Muschg erzählt aus seinem Leben (meist vor der Kamera, teilweise aus dem Off) und reflektiert gleichzeitig seine persönliche Entwicklung, seine literarische Arbeit und seine politische Haltung.
Inhalt
Der Film beginnt mit der Buchpremiere von Heimkehr nach Fukushima in Berlin. Er wechselt dann zum Schauplatz des Romans, dem Gebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, wo schwarze Säcke mit verstrahltem Erdreich die Landschaft prägen und noch immer die Notunterkünfte der evakuierten Bewohner zu sehen sind.
Anschliessend zeichnet der Film in mehrheitlich chronologischer Reihenfolge das Leben von Muschg nach. Dieser wuchs in Zollikon als Sohn eines Primarlehrers und einer Krankenschwester auf. «Jugend war schwer», fasst Muschg diese Zeit zusammen.[1] Mit 13 Jahren verlor er seinen Vater (der bei seiner Geburt bereits 60 Jahre alt gewesen war). Zugleich war seine Mutter aufgrund von Depressionen längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik. Muschg wurde von der Familie seiner Schulfreunde aufgenommen und «für ein höheres Leben gerettet»;[2] denn wenn es nach seinem Halbbruder Walter Muschg gegangen wäre, hätte er eine Schneiderlehre beginnen sollen.
Die Zeit im Internat an der Evangelischen Lehranstalt in Schiers erlebte er weiterhin als schwierig: Es herrschte eine strenge Disziplin, während über Dinge, die Jugendliche beschäftigten, nicht gesprochen wurde. Muschg fühlte sich abgeschoben und musste doch dankbar sein für die Ausbildung, die ihm ermöglicht wurde.
Der Film kehrt nochmals nach Zollikon zurück, um etwa Muschgs Erlebnisse bei den Pfadfindern zu schildern. Beim Schulhaus und im Ortsmuseum erinnert er sich an seinen Vater, der nicht nur Primarlehrer, sondern auch Redaktor des Zolliker Boten war. Allerdings verlor er diese Stelle, weil er gegen das Frauenstimmrecht und gegen Modeerscheinungen wie Lippenstift und Zigaretten Position bezog.
Wechsel nach Japan: Muschg schildert, wie er einen Lehrauftrag an der International Christian University erhielt. Während des Aufenthalts in Japan wurde nicht nur sein erster Sohn geboren, sondern Muschg schrieb auch seinen ersten Roman Im Sommer des Hasen. Zudem erlebte er auf dem Campus der Universität die ersten Studentenproteste.
Studentenproteste gab es auch an der Cornell University, wo Muschg von 1967 bis 1969 als Assistenzprofessor tätig war. Die Bürgerrechtsbewegung und der Widerstand gegen den Vietnamkrieg prägten ihn stark: «Meine Politisierung fand in Amerika statt.»[3]
Von 1970 bis zu seiner Emeritierung 1999 war Muschg Literaturprofessor an der ETH Zürich. Die Kamera begleitet ihn in das Gebäude der der ehemaligen Eidgenössischen Sternwarte, wo er 1997 das Collegium Helveticum gründete.
Die folgenden Sequenzen widmen sich dem politischen Engagement Muschgs. 1975 liess er sich von der SP als Ständeratskandidat aufstellen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im Zürcher Volkshaus wurde er von Max Frisch und Günter Grass unterstützt.
Muschg wurde nicht gewählt, betätigte sich aber in der Folge immer wieder politisch. So gehörte er einer Kommission an, welche die Totalrevision der Bundesverfassung vorbereitete. An der Demonstration gegen den Fichenskandal 1990 in Bern trat er als Redner auf und forderte in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens den Rücktritt der verantwortlichen Bundesräte.
In Berlin stattet Muschg dem alten und dem neuen Gebäude der Akademie der Künste, deren Präsident er während des Umzugs war, einen Besuch ab. Er macht sich keine Illusionen darüber, was Künstler bewirken können: «Real können Akademien die Geschichte nicht verändern. Sie können symbolische Zeichen setzen, die gehört werden oder nicht.»[4]
Im letzten Teil beschäftigt sich der Film mit Muschgs Beziehung zu Japan und seinen Erkenntnissen aus dem Zen-Buddhismus. Seine Halbschwester und Kinderbuchautorin Elsa Muschg, die zwei Jahre als Hauslehrerin in Kyoto lebte, habe ihm «den japanischen Floh ins Ohr gesetzt».[5] Er schildert, wie er seine dritte Frau Atsuko Muschg Kanto in Kyoto kennenlernte. Mit ihr unterhält er sich über die kulturellen Differenzen zwischen Westeuropa und Japan. Muschg sagt, er habe sich Japan aneignen wollen und dabei seine eigenen Grenzen kennengelernt. Aber auch in menschlichen Beziehungen sieht er Grenzen: «Das Schöne am andern: Man erfährt zwar nichts über ihn, aber eine Menge über sich selbst.»[6]
Medienberichterstattung
- Alexander Sury. Japan ist sein Medium der Selbsterkenntnis. Tages-Anzeiger, 2. Juni 2025.
- Roman Bucheli. Der verlorene Japaner: Der Filmemacher Erich Schmid porträtiert den Schriftsteller Adolf Muschg in einem subtilen Dokumentarfilm. Neue Zürcher Zeitung, 3. Juni 2022.
- Hansruedi Kugler. Fast ein Japaner: Neuer Dokfilm porträtiert den Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg. Tagblatt, 5. Juni 2022.
Weblinks
- Adolf Muschg – der Andere bei IMDb
- Adolf Muschg – der Andere bei Swiss Films
- Dokumentation auf der Website von Erich Schmid